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Eishockey : Eishockey ist nichts für Buchmacher

  • -Aktualisiert am

Bären-stark: Die Berliner sind die Nummer eins. Bild: dpa

Die Berliner gehen ohne Druck in die Play-off-Runde um die deutsche Meisterschaft: Die Konkurrenz erklärt die Eisbären zum Favoriten, sie selbst schätzen sich realistisch ein - und sehen das als Vorteil

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          War die Szenerie, die sich im Sportforum Hohenschönhausen nach dem Spiel des EHC Eisbären gegen die Düsseldorfer EG bot, schon ein Blick in die Zukunft? Die Anhänger des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) waren enttäuscht. 0:1 im Heimspiel gegen die Düsseldorfer EG? Ausgerechnet. Gegen die DEG spielen wir ja in den Play-offs. Das läuft so wie im letzten Jahr, vielleicht ist ja diesmal sogar schon im Viertelfinale Saisonschluß. Ein Fan hielt nicht mit seiner Meinung zurück: "Eine Schande, die Eisbären sind die beste Mannschaft, aber Meister werden die wieder nicht. Denen fehlen die Emotionen."

          Ein Abgesang, den da ein den Eisbären an sich wohl gesinnter Mensch anstimmte. Dabei war, genau betrachtet, nichts passiert: Die Berliner hatten schon vor dem vorletzten Heimspiel der Hauptrunde ihren ersten Tabellenplatz so gut wie sicher. Die Niederlage gegen die noch um den Einzug in die Meisterrunde kämpfenden Düsseldorfer hatte für die Berliner nur statistischen Wert.

          Die Eisbären starten als Tabellenerster und mit einem Heimspiel in der nach dem Modus "Best-of- seven" ausgespielten Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG.Und sie sind der Favorit. Alles andere wäre Tiefstapelei. Bereits zum zweiten Mal in Folge sind die Berliner mit ihrem aggressiven, schnellen und schön anzuschauendem Offensiv-Eishockey nach der DEL-Hauptrunde die beste Mannschaft. Natürlich, die Play-offs aus der Vorsaison, wo der Klub im Halbfinale gegen Außenseiter Krefeld Pinguine scheiterte, sind in Berlin nicht vergessen. Kein Wunder, daß Pierre Page das Wort Meisterschaft nicht so gerne hört. Das Gequatsche von der Favoritenstellung halte er für absurd, sagt der Trainer der Eisbären. "Das Wort Favorit wurde von Buchmachern in Las Vegas erfunden. Mir bedeutet es nichts."

          Das Loch nach der Pause

          Damit wäre auch klar, daß Page es nicht so ernst meint, wenn er davon redet, daß Nürnberg und Hamburg für ihn die Favoriten im Kampf um den Titel seien. Das Berliner Spielerpersonal jedenfalls ist vor den Play-offs nicht von Selbstzweifeln geplagt. Eisbären-Kapitän Ricard Persson meint: "Wir haben viele in der Mannschaft, die schon Titel gewonnen haben. Wir wissen, worauf es im entscheidenden Moment ankommt."

          Doch bei allem demonstrativen Selbstbewußtsein des Schweden Persson: Natürlich lief es bei den Eisbären gegen Ende der Hauptrunde nicht so wie noch vor ein paar Wochen zuvor. Von zehn Punkten Vorsprung rettete der Tabellenführer sechs ins Ziel. Das allerdings hatte mancher schon geahnt. "So hart, wie wir in der Pause im Januar trainiert haben, werden wir noch einmal in ein Loch fallen", hatte Stürmer Florian Keller vorhergesagt. "Aber bis zu den Play-offs funktioniert das wieder."

          Es könnte so sein, schließlich haben die Eisbären gewisse Vorteile gegenüber der Konkurrenz, die bis zum Schluß um die Plätze für die Play-offs ringen mußte: Die Berliner haben keine Verletzten, haben den größten Kader in der DEL - 32 Spieler haben sie in der Hauptrunde eingesetzt. Und dann hat das Team mit dem besten Überzahlspiel der Liga auch ausgeglichenere Reihen als die Konkurrenz - auf hohem Niveau.

          Den Titel erwarten die anderen

          Zudem hat sich in dieser Saison das Experiment, jungen deutschen Spielern vermehrt Einsatzzeiten zu gewähren, ausgezahlt. Stürmer Alexander Barta wurde mit 20 Jahren zum Stammspieler und schoß immerhin zehn Tore, sein Kollege Florian Busch kam auf 13 Skorerpunkte - eine imposante Marke für einen 18-Jährigen in der DEL. "Wir haben dieses Jahr eine viel bessere vierte Sturmreihe als vergangenes Jahr", sagt Page. "Mit Oliver Jonas und Rich Parent haben wir außerdem das beste Torwart-Duo. Und dann sind wir mental stärker geworden."

          Das erscheint auch nötig. "Wenn wir nicht mindestens ins Finale kommen, dann haben wir enttäuscht", sagt Stürmer Keller. Mancher dichtet die hohe Erwartungshaltung den Eisbären schon zum Nachteil an. So meint etwa Dave King, Trainer der Hamburg Freezers: "In Köln und in Berlin erwarten alle den Titel, von uns erwartet das niemand. Das ist ein Faktor, der für uns spricht." Solche Aussagen irritieren die Berliner Profis allerdings nicht. "Klar ist der Druck da, aber wir werden mit ihm fertig werden", sagt Eisbären-Stürmer Sven Felski. "Wir haben ja aus dem letzten Jahr gelernt." Wenn dem so ist, braucht den Berlinern vor den Play-offs diesmal nicht bange zu sein.

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