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Eishockey : Eine Sportart schafft sich ab

  • Aktualisiert am

Finanzprobleme: Die DEL funktioniert an kaum einem Standort richtig Bild:

Mit Platz vier bei der Heim-WM erreichte die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM vor einem Jahr das beste Ergebnis seit Jahrzehnten. In der DEL blieb der erhoffte Aufschwung aber aus. Die Liga steckt tiefer denn je in der Krise.

          Der letzte Eishockey-Winter endete mit einem Paukenschlag. Mit Platz vier bei der Heim-WM erreichte die deutsche Nationalmannschaft das beste Ergebnis seit Jahrzehnten und machte beste Werbung für die Sportart. In der Deutschen Eishockey Liga rieb man sich schon die Hände und hoffte auf einen Aufschwung. Von wegen! Die insolventen Klubs aus Frankfurt und Kassel verabschiedeten sich aus der DEL. Die höchste Spiel- klasse steckt tiefer denn je in der Krise: immer weniger Zuschauer, viel zu hohe Kosten, viel zu viele Spiele, kaum Fernsehpräsenz. Hat die DEL überhaupt noch eine Zukunft? Eine Bestandsaufnahme.

          Hannover Scorpions: Meister in Not

          Die Hannover Scorpions in allen Ehren: Aber deutscher Eishockeymeister, nee, da winkt selbst der Geschäftsführer des Klubs ab. „Der gefühlte Meister sind wir nicht“, sagt Marco Stichnoth, nachdem die Niedersachsen vor acht Monaten erstmals den Titel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gewonnen haben: „Wir sind nicht in den Genuss gekommen, das gebührend zu feiern.“ Kaum war die Meisterparty Ende April vorüber, da folgte ein wochenlanger Kater, der laut Stichnoth „mit Tabletten nicht zu bekämpfen war“. Wegen eines Betreiberstreits um die Spielstätte drohte Klubgesellschafter Günter Papenburg mit Rückgabe der DEL-Lizenz. Zwar wurde der Spielbetrieb für diese Saison gerade noch gesichert, aber eine Sorge ist geblieben: Die defizitär wirtschaftenden Scorpions müssen sich vom Mäzen Papenburg unabhängiger machen und sparen.

          Bedingt spannend: Die Eisbären Berlin (hier gegen Mannheim) sind eine positive Ausnahme in der DEL

          Schon voriges Jahr hatten die gutbezahlten Spieler eine fünfzehnprozentige Gehaltskürzung hinnehmen müssen, in dieser Saison folgten weitere Einbußen, woraufhin zwei der besten Profis den Klub verließen. Die Scorpions haben viel Prügel eingesteckt, weil sie offen zu ihrer Finanznot stehen - anders als mancher DEL-Konkurrent, der im Stillen über seine Verhältnisse lebt. „Als deutscher Meister bekommt man eben dreifach einen drauf“, sagt Stichnoth. Das vom nahen Wedemark umgezogene Team tut sich schwer in Hannover: Es mangelt an Geldgebern und an Fans; nicht zuletzt, weil sich die Scorpions den Standort mit den zweitklassigen, aber alteingesessenen Indians teilen. Dazu hadern sie mit Image und Modus der DEL. Die Ligen-Leitung meine, so Stichnoth, man habe ein „super Produkt, das nur schlechtgeredet würde. Aber man muss ehrlich zu sich selbst sein und fragen: Wie erreiche ich neue Zielgruppen fürs Eishockey?“ Eine Antwort hat der Scorpions-Manager: weg mit der quälend langen Hauptrunde, weg mit den Play-offs, hin zu einem Modus wie in den Fußballligen mit einer überschaubaren Hin- und Rückrunde. „Den Fußball-Modus versteht jeder Deutsche“, sagt Stichnoth. Ein in der DEL unerhörter Vorschlag, aber einer, der dem Eishockey neues Leben einhauchen könnte. (siehe auch: Hannover Scorpions: Keine Moneten, viel Moral) Thomas Klemm

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