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Eishockey-Talent Bokk : Vier Tricks in einer Sekunde

  • -Aktualisiert am

Dominik Bokk eines der größten Nachwuchstalente des 2000-er Jahrgangs. Bild: Imago

Dominik Bokk gehört zu den weltweit größten Talenten seines Jahrgangs. Manche Scouts trauen ihm zu, nächsten Sommer in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen zu werden. Das verblüfft nicht nur die Eishockey-Welt.

          Über den Jahreswechsel dreht sich im nordamerikanischen Eishockey traditionell vieles um die Junioren. Wenn die zehn besten U-20-Nationalmannschaften den Weltmeister ausspielen, lassen Fans und Reporter die NHL links liegen. Dann strömen Zehntausende in die Hallen, dann sitzen Millionen vor den Fernsehern, um die nächste Generation zu begutachten. Dominik Bokk hätte das am liebsten aus nächster Nähe erlebt. „Das wäre perfekt gewesen“, sagt der 17-Jährige, der stattdessen gerade mit der deutschen U 20 vor wenigen hundert Zuschauern bei der B-WM in Frankreich spielt.

          Das ärgert auch die Talentspäher aus der NHL, die den jungen Deutschen gern mit eigenen Augen gesehen hätten. Sie hören derzeit viel Gutes über Bokk, der zu den weltweit größten Talenten des 2000er-Jahrgangs gezählt wird. Manche Scouts trauen ihm zu, nächsten Sommer in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen zu werden. Möglich machen das die vergangenen Monate, die Bokk bei den Växjö Lakers in Schweden verbracht hat. Und das nicht nur bei den Junioren, wie ursprünglich angedacht – er durfte bereits bei den Profis in der Champions League sowie in der starken ersten Liga ran. Er mache „in einer Sekunde vier Tricks“, lobte Rodion Pauels, Sportkoordinator bei Bokks früherem Verein, den Kölner Haie, in einem Gespräch mit dem „Express“.

          Angefangen hat alles vor elf Jahren in Schweinfurt. Seine Eltern gingen mit dem Jungen in die örtliche Eishalle. Doch anstatt über das Eis zu stolpern, „fand ich das Schlittschuhlaufen ganz leicht, dann haben mich meine Eltern beim Eishockey angemeldet“, erinnert sich Bokk. Mit 14 verließ er das Elternhaus und ging nach Köln, wo er auf Anhieb auftrumpfte. Vergangene Saison sammelte er in 45 Spielen 39 Tore und 39 Vorlagen in der Deutschen Nachwuchs Liga (DNL) und wurde zum besten Stürmer gewählt; als 16-Jähriger in einer U-19-Liga. Obwohl er, wie manch Beobachter meint, nicht immer den letzten Einsatz gezeigt habe, weil ihn die Liga nicht mehr forderte.

          Also war im Sommer klar: „Ich wollte auf keinen Fall in Deutschland bleiben. Es wäre keine Förderung gewesen, weiter in der DNL zu spielen, und in der DEL hätte ich wahrscheinlich eh nicht gespielt.“ Stattdessen sollte es nach Kanada gehen, in eine der drei berühmten Junioren-Ligen. Aber dann sicherte sich ein Team aus der Liga im Westen die Rechte an Bokk, er wollte aber nach Ontario im Herzen des Landes. Also suchte sein Berater nach Alternativen – und fand sie in Skandinavien. Zur Freude Bokks: „Die schwedische Eishockey-Kultur kommt mir entgegen.“ Technik und Geschwindigkeit sind dort mehr gefragt als Kraft und Härte.

          „Er weiß immer, was zu tun ist, wenn er den Puck bekommt. Diese Fähigkeit haben nur wenige, und er ist einer von ihnen“, schwärmt sein Trainer Janne Karlsson. „Außergewöhnliche Fähigkeiten“, attestiert ihm auch Klaus Merk, der Teammanager der deutschen U 20. Das sei nun in Frankreich fast ein Problem, „weil die Mitspieler in seinem Alter nicht so weit denken wie er“. Auch Bokk hat festgestellt, dass er „etwas langsamer spielen“ müsse. Das soll aber bitte nicht als Kritik an den „guten Mitspielern“ aufgefasst werden, schiebt er höflich hinterher. Freitag gewannen Bokk und seine Mitspieler gegen Ungarn (7:2 (1:0, 2:1, 4:1), Samstag steht das Spiel gegen Lettland an (14.30 Uhr). Gewinnen die Deutschen dieses Spiel und gibt Kasachstan gleichzeitig einen Punkt ab, steigen sie auf. Dann würde Bokk zumindest nächstes Jahr die große U-20-WM in Nordamerika erleben.

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