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Eishockey in Deutschland : Endlich wieder spielen

  • -Aktualisiert am

Hauptsache auf dem Eis spielen können: Der Eishockeysport leidet in Deutschland unter den Folgen der Pandemie. Bild: dpa

Corona sorgt für Stillstand in der ersten deutschen Eishockeyliga. Viele Topspieler halten sich nun fit, indem sie freiwillig eine Klasse absteigen.

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          Es gibt drei Spielzeiten in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die sind den Fans besonders in der Erinnerung geblieben: 1994/95, 2004/05 und 2012/13. Nicht dass die Titelentscheidungen damals besonders aufregend gewesen wären, aber es liefen Spieler in den hiesigen Hallen übers Eis, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt. Der Grund war jeweils ein Tausende Kilometer weiter westlich ausgetragener Streit zwischen Milliardären und Millionären. In der nordamerikanischen Eliteliga NHL stehen alle paar Jahre Tarifverhandlungen zwischen Teambesitzern und Spielern an, meist feilschen sie um den Verteilungsschlüssel der Einnahmen. Doch wenn man zu keiner Lösung kommt, wird auch nicht gespielt.

          Dreimal ist das mittlerweile passiert. Und jedes Mal suchten reihenweise Topstars nach Alternativen in Europa. Da liefen Mitte der Neunziger auf einmal der russische Wirbelwind Pawel Bure für Landshut oder der kanadische Torjäger Brendan Shanahan für Düsseldorf auf. Auch der ewige Jaromir Jagr kam für ein Spiel – zu den Schalker Haien in die zweite Liga. Von seinen elf (!) Scorerpunkten schwärmen Augenzeugen in der Emscher-Lippe-Halle bis heute ebenso wie von der bescheidenen Vergütung des Tschechen: Jägerschnitzel, Pommes, Mayo. Und selbst der Beste der Besten, Wayne Gretzky, machte mit einem eilig zusammengestellten Allstar-Team in Deutschland Station, in Freiburg. In späteren Jahren kamen Großverdiener wie Jamie Benn (Hamburg) oder Claude Giroux (Berlin) vorbei. In der DEL waren sie jedes Mal entsprechend aufgeregt.

          Aufwertung der DEL2

          So ähnlich muss man sich die Stimmung jetzt auch in der DEL2 vorstellen. Auf anderem Niveau natürlich, aber auch in Deutschlands zweiter Eishockeyliga laufen derzeit Spieler auf, die man dort normalerweise nicht zu sehen bekommt: waschechte Silbermedaillengewinner von Olympia 2018, Kapitäne, DEL-Topscorer. Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers hat in der alten Heimat in Kaufbeuren angeheuert, Moritz Müller von den Kölner Haien in Kassel, Felix Schütz, zuletzt bei den Straubing Tigers unter Vertrag, in Landshut. Bei ihren eigentlichen Arbeitgebern in der DEL gibt es zwar keinen Streit um den Verteilungsschlüssel, aber da wären sie schon froh, wenn es überhaupt genug zu verteilen gäbe.

          Wegen der Corona-Beschränkungen und der Probleme beim Abrufen des staatlichen Hilfspakets für Profiteams würden aktuell 60 Millionen Euro fehlen, um „seriös“ (DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold) in die Saison starten zu können. Also wird nicht gespielt, an den meisten Standorten noch nicht mal organisiert trainiert, weil die Spieler in Kurzarbeit sind – und nun nach Alternativen suchen.

          Das hat nicht wirklich wirtschaftliche Gründe. Zwar gibt es in der weniger von Zuschauereinnahmen abhängigen zweiten Liga (Saisonstart 6. November) mittlerweile mehr als ein Jägerschnitzel mit Pommes, aber in erster Linie geht es darum, nach Monaten wieder Wettkampfsport zu erleben. „Momentan gibt es im gesamten Eishockey viele Fragezeichen. Auch im Ausland ist die Situation nicht so einfach. Ich möchte jetzt einfach nur Eishockey spielen“, sagt Felix Schütz. Und ist einer der vielen, die bei ihren alten Vereinen untergekommen sind.

          Ausweg aus der Krise

          Das gilt auch für Marcel Brandt. Der Straubinger Nationalspieler kommt allerdings aus Dingolfing, und die dortigen Isar Rats spielen nur in der fünften Liga. Das hat mit Profisport natürlich gar nichts mehr zu tun, aber wenn das Schiff sinkt, hatten die Ratten ja schon schnelle Lösungen parat. Jetzt sind sie selbst die Lösung.

          Andere suchten und fanden die im Ausland. Die Münchener JJ Peterka und Justin Schütz sowie der Düsseldorfer Max Kammerer spielen schon seit Wochen in Österreich, die deutschen NHL-Hoffnungen Moritz Seider (Detroit) und Dominik Bokk (Carolina) in Schweden. Die dortige Topliga SHL ist für sie schon der zweite Ausweg in diesem Jahr. Weil auch in Nordamerika noch niemand weiß, wann wieder gespielt wird, wurden Seider und Bokk von ihren Teams zunächst nach Deutschland (Mannheim und Krefeld) verliehen. Aber weil es dort ebenfalls nicht losgeht, sind sie nun nach Schweden weiter gezogen. Und werden wohl erst mal länger bleiben.

          Die Teilzeit-Zweitligaspieler schauen derweil gebannt auf die DEL. Sobald die ihren mittlerweile dritten Wunschtermin (18. Dezember) bestätigt, beginnt das Training, die Kurzarbeit endet. Noch diese Woche soll ein großer Schritt dahin erfolgen. Die DEL will Modus und Teilnehmer eines Vorbereitungsturniers im November verkünden. Ein Testlauf für Klubs und TV-Partner, wie unter Corona-Bedingungen gespielt und übertragen werden kann. Sämtliche 14 Teams werden allerdings nicht dabei sein, dem Vernehmen nach sollen es acht sein. Bevor der richtige Saisonstart nicht feststeht, wollen die übrigen weder die Kurzarbeit aufgeben noch die Nordamerikaner einfliegen. Die Fans in der zweiten Liga wird es freuen.

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