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Eishockey : Der geheimnisvolle Herr Lüdemann

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Jubilar on Ice: Mirko Lüdemann hat beim 3:0-Sieg gegen Ingolstadt seinen 40. Geburtstag gefeiert Bild: dpa

Mit 40 Jahren ist Mirko Lüdemann kein bisschen müde. Der Eishockey-Verteidiger dominiert mit den Kölner Haien die DEL. Am Sonntag hat er gegen Ingolstadt die Tabellenführung verteidigt.

          3 Min.

          Hinter den größten Rätseln verbirgt sich manchmal ein lapidares Geheimnis. An diesem Sonntag ist Mirko Lüdemann von den Kölner Haien 40 Jahre alt geworden. Ein Mann wie in Stein gemeißelt, auch wenn die kurzen Haare grau geworden sind. “Gefeiert“ hat er standesgemäß auf dem Eis beim 3:0-Sieg gegen Ingolstadt. Der Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat somit die Spitzenposition weiter gefestigt.

          Ähnlich wie früher, als junge Leute viele Jahre lang keinen anderen Kanzler kannten als Helmut Kohl, so gibt es heute Teenager, die kennen Eishockey nicht ohne „Lüde“. Er war bei der Gründung der DEL 1993 am Start und ist es immer noch. Rund 1100 Erstliga-Spiele, soviel wie kein anderer deutscher Spieler bislang je geschafft hat. Dazu 132 Länderspiele bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Fußballprofis wären schon längst mit dem verdienten Ruhestand gesegnet. Mirko Lüdemann schnürt immer noch die Schlittschuhe. Er ist ein Teil des Erfolgs der Kölner Haie, die aktuell die Liga dominieren. Wie macht er das? „Ich mache das, was ich seit 21 Jahren immer mache.“ Nein, Herr Lüdemann, so einfach kommen Sie nicht davon!

          Im Hintergrund Kindergeschrei. „Meine Familie unterstützt mich sehr gut und hält mir den Rücken frei.“ Aber wie schafft man das, sich täglich neu zu motivieren, auch wenn einem die Knochen nach Tausenden von harten Checks weh tun? „Ich tue es einfach, denke darüber nicht nach.“ Die Spurensuche nach dem Erfolg von Mirko Lüdemann geht weiter: Der Mann aus Stahl wurde in Weißwasser geboren. So wie Michael Bresagk von den Frankfurt Lions, der auch noch als Verteidiger mit 39 auf hohem Niveau gespielt hat. Ostdeutsche Qualität? Lüdemann winkt ab: „Ich lebe seit 20 Jahren in Köln.“

          Dem Sommertraining sei Dank

          So kommt man mit Mirko Lüdemann also auch nicht weiter. Besser seinen Trainer fragen, Uwe Krupp, zweimaliger Stanley-Cup-Gewinner. Das Beste, was es im Eishockey gibt. Männer auf Augenhöhe. Krupp kratzt sich die Stirn. „Ich kam vor drei Jahren nach Köln, und Mirko war da. Jetzt ist er immer noch da.“ Auch an entscheidender Stelle. Im rheinischen Derby bei der Düsseldorfer EG vor einer Woche schoss Lüdemann den Siegtreffer zum 3:2 - als Verteidiger. „Ich glaube, der entscheidende Punkt ist seine Fitness. Zum Trainingsauftakt ist er immer einer der Besten.“ Und Krupp ergänzt: „Profis sind auf der ganzen Welt gleich - sie wissen, was zu tun ist. Harte Arbeit.“

          Eine Annäherung an das Phänomen Lüdemann. „Als ich jung war, habe ich mit dem Sommertraining im Juni angefangen. Jetzt im Mai.“ Ist nicht erst im April die Saison vorbei? „Ja - und?“ Er gönnt sich nur drei Wochen Pause, dann geht es weiter, immer weiter, 360 Tage im Jahr, seit 21 Jahren. Ein paar Details verrät er dann doch: „Im Sommer gehe ich einmal pro Woche ins Höhenzentrum in Junkersdorf. Da werden 2500 Meter simuliert, was die Ausdauer verbessert.“ Sicher gebe es diese Momente, in denen ihm alles weh tue. „Aber immer, wenn die Saison wieder los geht nach all der Schinderei, freue ich mich drauf.“ Vorbilder nennt er keine: „40 ist nur eine Zahl“, sagt Mirko Lüdemann, „auch Jaromír Jágr gehört mit seinen 41 Jahren noch zu den besten Spielern der NHL. Alter wird überschätzt.“ Uwe Krupp, der vor seiner Zeit als Trainer selbst noch mit 38 Jahren gespielt hat, erklärt: „Wenn man Ende 30 ist, kann man immer noch auf hohem Level spielen, muss aber eine neue Rolle akzeptieren.“

          Kein Gedanke ans Aufhören

          Etwa Erfahrungen weitergeben? Da spricht der alte Hase Mirko Lüdemann Klartext: „Es ist eines der größten Mythen im Sport, dass man Erfahrungen weitergeben kann. Das halte ich für Quatsch.“ Mit 17 hat er selbst zwei Jahre in einer Juniorenliga in Kanada gespielt. „Das war wichtig für mich. Aber geholfen hat mir keiner.“ Daraus hat er gelernt. „Jeder Spieler muss seinen eigenen Weg suchen.“

          Etwa den Weg zum Tor, wie damals im Jahr 2000. Im slowenischen Ljubljana schien das Scheitern der Nationalmannschaft beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2002 bereits festzustehen. Kurz vor Schluss stand es gegen Italien 1:1, doch ein Sieg war nötig. Dann acht Sekunden vor Schluss der Pass zurück an die blaue Linie, ein Schuss wie ein Strahl, Mirko Lüdemann hatte mit dem 2:1 die deutsche Auswahl doch noch nach Salt Lake City geschossen. Erwachsene Männer brüllten damals: „Lüde, du Eishockey-Gott!“ Der lächelt: „Klar, daran erinnere ich mich gerne. Aber soll das hier ein Abgesang werden? Ich will eigentlich noch weiterspielen.“

          Ans Aufhören denkt er jedenfalls noch lange nicht: „An Titeln bekommt man nie genug.“ Manche Konkurrenten verstehen das als Drohung von Mirko Lüdemann, Haie-Fans als ein Versprechen. Sie werden ihm heute bestimmt ein kleines Ständchen singen. Sicher, 40 ist nur eine Zahl. Aber schon jetzt ist sicher: Seine Rückennummer „12“ wird in Köln nie wieder vergeben.

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