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Eishockey-Saisonende : „Wir befinden uns in wirtschaftlicher Quarantäne“

  • -Aktualisiert am

Der Puck ruht. Bild: dpa

Dem Geschäftsführer der Deutschen Eishockeyliga sind die beiden „schlimmsten Tage seiner Karriere“ deutlich anzumerken. Wirtschaftlich ist das plötzliche Saison-Aus „eine Katastrophe“. Gernot Tripcke bittet die Politik um Hilfe.

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          Gernot Tripcke sah niedergeschlagen aus, als er am Mittwochmorgen auf dem Podium eines Kölner Hotels saß. Nun ist der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Kummer gewohnt. Im Laufe der Jahre mussten immer wieder Vereine aus finanziellen Gründen aufgeben, erst diese Saison hätte es fast die Krefeld Pinguine erwischt. Aber so wie nach der Absage der diesjährigen Play-offs, die die DEL am Dienstagabend wegen des Coronavirus verkünden musste, hat man Tripcke noch nicht gesehen. Da versuchte er gar nicht erst, seine Laune zu überspielen: „Sportlich und beruflich sind das sicherlich die beiden schlimmsten Tage meiner Karriere.“

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          Bereits am Wochenende hatte sich angedeutet, dass es nichts wird mit der aufregendsten Zeit des Eishockey-Jahres. Da hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von seinen Kollegen in den Ländern gefordert, der Ausbreitung des Coronavirus mit einem Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern entgegenzuwirken. Am Dienstag folgten diverse Bundesländer der Ansage aus Berlin. Da sei der DEL nichts anderes übrig geblieben, als die Saison abzubrechen. „Wir sind ein Zuschauersport, wir machen das für die Zuschauer“, begründete Tripcke nun die gemeinsame Entscheidung der 14 Klubs. Dabei gehe es nicht nur um die Atmosphäre, sondern vor allem um die finanziellen Konsequenzen. Auf „60 bis 70 Prozent“ bezifferte Tripcke den Anteil am Etat, den die Eishockey-Klubs am Spieltag erwirtschaften. In leeren Hallen zu spielen, sei folglich nicht möglich. Wegen der laufenden Kosten hätten die Vereine dann sogar Verlust gemacht.

          „Wir brauchen die Hilfe der Politik“

          Das ist mit der Play-off-Absage vom Tisch – und dennoch leidet die Liga. Wirtschaftlich sei das plötzliche Saison-Aus „eine Katastrophe“, sagte Tripcke, der zwar keine genaue Zahl nennen konnte, aber da manch ein Klub pro Heimspiel um die 200.000 Euro umsetzt, dürfte die Liga insgesamt mehrere Millionen verlieren. Vergangene Saison strömten zur Endrunde mehr als 400.000 Zuschauer in die Hallen. „Wir befinden uns in wirtschaftlicher Quarantäne“, sagte Tripcke und hatte auch gleich eine Idee, wie die Liga da rauskommen kann: „Wir brauchen die Hilfe der Politik. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen und unsere Veranstaltungen abgesagt, wie es gewünscht war. Jetzt hoffen wir, dass der ein oder andere uns dabei hilft, das wirtschaftlich zu kompensieren.“

          Dass das nicht einfach wird, ist auch Tripcke klar. „Arbeits- und sozialrechtlich liegen viele Dinge für den Profisport im Argen, für den Ottonormalverbraucher funktionieren sie, für den Profisportler aber nicht.“ Nun hoffe er, dass die von der Politik angekündigten Hilfspakete „so flexibel gestaltet werden, dass sie dann hoffentlich auch für uns passen“.

          Hinzu kommen weitere Unwägbarkeiten. Gekaufte Tickets müssen erstattet werden, die Beträge für die Berufsgenossenschaft steigen. In den kommenden Tagen wird es zudem Gespräche mit TV-Partner Telekom geben, ob der wirklich alles zahlt. Die Telekom sei „logischerweise nicht begeistert, aber auch verständnisvoll. Das heißt aber nicht, dass das von deren Rechtsabteilung genauso gesehen wird“, sagte der DEL-Chef, für den die Probleme aber auch da nicht enden.

          Tripcke ist auf der Suche nach einem neuen Ligasponsor, die werde nun „umso schwerer, wenn das bunte Schaufenster Play-offs nicht zur Verfügung steht“. Die Endrunde sei sonst die ideale Zeit, in der „man die Leute an den Tisch holen kann“. Zudem hätte der ein oder andere Klub die Einnahmen aus den Play-offs schon verplant. So machte sich der Ligachef keine Illusionen. Die kommende DEL-Saison werde wirtschaftlich die schwierigste der vergangenen Jahre. Das will im deutschen Eishockey etwas heißen.

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