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Frühlingsmeister im Eishockey : Adler senden Signale der Stärke

Abwehrhüne: Mit Denis Reul (links) ist nicht zu spaßen. Bild: Imago

In der Gruppe Süd dieser speziellen Eishockey-Saison stehen die Adler Mannheim überlegen an die Spitze. Doch nun folgen die Herausforderungen gegen die Nord-Klubs.

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          Prestigeträchtige Sternstunden haben die Adler Mannheim einige erlebt. Achtmal wurde der Klub Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Und nun fügte er seiner veritablen Pokalsammlung eine inoffizielle Auszeichnung hinzu, mit der sich Team und Trainer nur kurz schmücken können, der aber im Hinblick auf die kommenden Wochen der Wahrheit vor allem eines ist: ein Signal der Stärke, das der Konkurrenz in München und Berlin deutlich machen soll, dass es auf dem Weg zu Ruhm und Ehre aufs Neue kaum ein Vorbeikommen an der Mannschaft von Trainer Pavel Gross gibt.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          In der Gruppe Süd des in dieser speziellen Corona-Saison zweigeteilten Klassements setzten sich die Kurpfälzer vom Start weg überlegen an die Spitze und gingen lediglich aus vier von 24 Partien nicht als Sieger hervor. Wofür sie sich jetzt zum Ende der Hauptrunde schon mal als erster „Frühlingsmeister“ fühlen dürfen.

          Erst nach langem Zögern der Klubs, die von den Folgen der Pandemie in ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage erschüttert wurden, begann Mitte Dezember der Spielbetrieb an allen 14 DEL-Standorten, nachdem zuvor die Jagd nach dem Puck acht Monate ausgesetzt worden war. Die Adler kamen mit dem Kaltstart besser zurecht, als sie selbst annahmen, wie Jan-Axel Alavaara einräumt.

          „Wir haben und hatten viele Verletzte, aber dafür läuft es sehr gut“, sagt der Schwede, der als Manager für die Kaderplanung verantwortlich ist. Anders als mancher Mitbewerber verfügen die Mannheimer über den Vorteil einer breiten Unterstützung durch Großsponsoren, wozu auch die Familie des in der Rhein-Neckar-Region weithin engagierten Mäzens Dietmar Hopp zählt, dessen Sohn Daniel als Geschäftsführer der Adler tätig ist.

          Als „überragend“ wertet Alavaara die bisherigen Darbietungen der beiden Torleute Dennis Endras und Felix Brückmann. Für die beiden Nationalspieler hat der Coach das eher unübliche Modell des Job-Sharings vorgesehen, sie wechseln sich regelmäßig auf dem Posten zwischen den Pfosten ab – und das führt in ihrem Fall nicht zu Frust, sondern hat ganz im Gegenteil zur Folge, dass sich das Duo gegenseitig zu Höchstleistungen anspornt. Ihre Fangquote beträgt jeweils rund 92 Prozent – ein Spitzenwert im DEL-Ranking. „Dennis und Felix sind überragende Mannschaftsspieler und besondere Menschen“, lobt Alavaara das Teamwork der Goalies, „die uns so schon viele Punkte gewonnen haben.“

          Als Vorteil der Adler entpuppt sich die Tiefe des Kaders, die auch Ausfälle verzeiht und es möglich macht, dass der nachverpflichtete Felix Schütz, der 2018 in Pyeongchang zur deutschen Auswahl der olympischen Silbermedaillengewinner zählte, momentan als Angreifer die vierte Reihe anführen kann.

          Der 33 Jahre alte Globetrotter, der einst bei den Jungadlern ausgebildet wurde und später in Übersee, Osteuropa und Skandinavien sein Geld verdiente, trägt mit seiner Routine und Ruhe an der Scheibe dazu bei, dass sich die Konkurrenz kaum ausruhen kann, wenn die Adler auf Beutezug gehen. Der Punkteschnitt von bislang 2,42 unterstreicht die dominante Verfassung des Teams, wobei sich Markus Eisenschmid (12 Tore, 12 Vorlagen) hervorhebt.

          14 Spiele in 21 Tagen

          Darüber hinaus bietet die Abwehr wenig Angriffsflächen: Erst 48 Treffer mussten die Mannheimer hinnehmen, was auch ein Verdienst von Denis Reul ist. Der 108 Kilo schwere und 1,93 Meter große Hüne versteht es, das eigene Terrain respekteinflößend zu bewachen: „Er hat ein eine Menge Muskeln, das macht daher nicht immer Spaß, mit ihm in die Ecken zu fahren“, weiß Alavaara über das Abschreckungspotential, das der kahlköpfige Modellathlet besitzt, dessen Fitnesswerte intern Maßstäbe setzen.

          Die Zeit bis Ostern wird aber auch für ihn körperlich herausfordernd. Zunächst folgen in 21 Tagen nicht weniger als 14 Einsätze. Dabei spielen alle Mannschaften aus dem Süden jeweils zweimal gegen die Nord-Gegner, die Tabellen werden jedoch weiter getrennt geführt. Die besten vier Mannschaften jeder Gruppe anschließend in die Play-offs.

          An diesem Montag starten die Adler die gruppenübergreifenden Partien mit der Begegnung mit den Grizzlys aus Wolfsburg – dass sie nach den bisherigen Eindrücken dabei die Favoritenrolle zu schultern haben, empfinden sie nichts als Bürde. Es sein ein „schönes Gefühl“, zu sehen, dass sich die Arbeit der vergangenen Monate bezahlt mache, doch auf dem Erreichten ruhe sich gewiss niemand aus, sagt Alavaara.

          Dafür werde nicht zuletzt der Trainer, der seine Aufgabe mit einer bemerkenswerten Akribie verfolge, sorgen. „Wir wollen es jeden Tag besser machen, nur damit bekommst du am Ende die Punkte“, sagt der Manager, der zusammen mit Gross seinen Vertrag unlängst um drei Jahre bis Mitte 2024 verlängerte. Sie hätten „noch viel vor“, kündigt Alavaara an. Klingt lapidar, ist aber vor allem ein Sinnbild für das Selbstverständnis des Spitzenreiters, dessen Erfolgshunger nur Trophäen stillen können.

          Einer von zwei starken Torhütern, die sich abwechseln: Dennis Endras
          Einer von zwei starken Torhütern, die sich abwechseln: Dennis Endras : Bild: dpa

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