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Vierschanzentournee : Abgehängt am Bergisel

Enttäuschung bei Markus Eisenbichler: Der DSV-Adler muss seine Hoffnungen auf den Gesamtsieg wohl begraben. Bild: dpa

Markus Eisenbichler bleibt beim dritten Springen hinter den Erwartungen zurück. DSV-Adler Stephan Leyhe jedoch überrascht. Ein Japaner steht derweil nach dem nächsten Sieg vor dem Grand Slam.

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          Von wegen verflixte Sieben. Für Ryoyu Kobayashi ist es schon der siebte Streich dieses für ihn so märchenhaften Skisprung-Winters. Sieg auch am Bergisel, Sieg auf der legendären Schanze, auf der schon manche Tourneeträume im Auslauf abrupt zu Ende gegangen sind, auch am Freitag. Aber nicht für Ryoyu Kobayashi. Der 22 Jahre alte Japaner hat auch das dritte Springen dieser Vierschanzentournee gewonnen – und wie. In Innsbruck gab es keinen Besseren – wie zuvor schon in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen, wo der Dominator aus Fernost seiner Konkurrenz aus Europa Grenzen aufgezeigt hat. Markus Eisenbichler, weiter Zweitplazierter der Tournee, musste endgültig die große Überlegenheit des kommenden Gesamtsiegers anerkennen.

          Die Ausgangslage des Oberbayern, der am Bergisel zwei Sprünge auf 129 und 123,5 Meter setzte und dafür als 13. insgesamt 223,8 Punkte erhielt, hat sich für den Siegsdorfer gravierend geändert. Aus dem bisherigen Zweikampf ist am Freitag ein Alleinflug geworden. Eisenbichler liegt in der Gesamtwertung mit 770,4 Punkten 45,5 Zähler hinter dem souveränen Japaner, was umgerechnet einem Rückstand von 24 Metern entspricht. Kobayashi in seiner aktuell überragenden Verfassung könnte am Sonntag in Bischofshofen für einen weiteren Meilenstein sorgen und mit den beiden Vierfachsiegern Sven Hannawald und Kamil Stoch gleichziehen. „Wir hatten mehr Hoffnungen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster über das Abschneiden von Eisenbichler. „Er hat nicht viel falsch gemacht und etwas zu schnell attackiert.“

          Der Deutsche, der vom Japaner am Bergisel eine Lektion erteilt bekam, zeigte sich nach dem dritten Tournee-Auftritt „nicht unglücklich, denn ich habe zuvor zwei sensationelle Wettkämpfe gehabt. Im ersten Sprung habe ich vier, fünf Meter liegen lassen. Ich weiß aber, dass meine Form immer noch stimmt. Kobayashi ist einfach brutal.“

          Derzeit nicht aufzuhalten: Der Japaner Ryoyu Kobayashi flog auch in Innsbruck am weitesten.

          Kobayashi flog in seinen beiden Sprüngen auf 136,5 und 131 Meter. Schon nach dem ersten Durchgang vergrößerte er seinen Vorsprung vor Eisenbichler um weitere 22,8 Punkte. Und auch als anschließend nur die besten dreißig ein weiteres Mal in die Schanzenspur gehen durften, präsentierte sich Kobayashi in „Überform“. So hatte es Bundestrainer Schuster schon vor Tagen nach den beiden Springen in Deutschland gesagt. Und auch nach dem Grenzübertritt des Reisetrosses in das Nachbarland Österreich änderte sich nichts. „Das war heute mit das Beeindruckendste, was ich gesehen habe“, schwärmte er an der Bergisel-Schanze über die beiden Demonstrationsflüge. „Absolut faszinierend. Er katapultiert nach dem Absprung sofort nach vorn und stellte die Ski extrem flach an den Körper ran.“ Nicht nur für den 49 Jahre alten österreichischen Chefcoach der deutschen Skispringer steht für das vierte Springen in Bischofshofen außer Frage: „Er kann sich nur selber schlagen.“ Der Japaner fliegt in einer anderen, seiner eigenen Liga.

          In der Klasse derjenigen, die zum gehobenen Mittelmaß gehören, findet sich seit dem Springen in Innsbruck auch Richard Freitag wieder. Für den in Oberstdorf lebenden Sachsen aus dem Erzgebirge war das Springen am Bergisel ein ganz spezielles. Genau ein Jahr nach seinem schweren Sturz meldete sich der 27-Jährige auf der Anlage zurück, auf der er im Vorjahr nach einem Fehler bei der Landung im Nebel alle Träume vom Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee aufgeben musste – und mit lädierter Hüfte aus dem Auslauf schlich. 2019 bot ihm ein ganz anderes Bild. Freitag gewann mit seinem ersten Sprung, der ihn auf 128 Meter trug, weiteres Selbstvertrauen in seinem Bestreben, möglichst schnell wieder Anschluss an die besten zehn der Welt zu finden. Im zweiten Durchgang landete er bei 124 Metern. Im Endklassement reichte dies für Platz acht – sein bester Saisonergebnis. Freitag verspürte anschließend „Lust auf mehr“. Ende Februar will er zurückkehren an den Bergisel, zu den Springen der Weltmeisterschaft. Der beste Deutsche an diesem Freitag war Stephan Leyhe. Der im Schwarzwald lebende Willinger unterstrich seine konstant gute Form durch zwei Flüge auf 129 und 127,5 Meter, die die Jury mit 239,1 Punkten und Platz vier belohnte – hinter dem Österreicher Stefan Kraft und dem drittplazierten Norweger Andreas Stjernen. Im Gesamtranking hat Leyhe einen ordentlichen Satz gemacht, denn er ist Fünfter. Olympiasieger Andreas Wellinger schaffte es als Lucky Looser in den zweiten Durchgang. Am Ende wurde er Zwanzigster. „Ich bin froh, dass ich zwei Sprünge machen durfte“, sagte der ins Mittelmaß abgesackte Wellinger. „Im Skispringen kann man nichts erzwingen.“

          Jubel beim besten Deutschen am Bergisel: Stephan Leyhe wurde am Ende Vierter.

          Es gab große Verkehrsprobleme rund um die Bergisel-Schanze, die mit lediglich 17200 Zuschauern nicht ausverkauft war. Die meisten Zuschauer kamen aus Deutschland, Österreich und Polen. Die vorangegangenen Springen in Oberstdorf und Garmisch waren jeweils ausverkauft. Welche Begeisterung das Skispringen gerade in Deutschland besitzt, war schon am Vortag des Wettkampfes in Oberstdorf zu sehen. Bei der Qualifikation am Schattenberg sorgten 15500 Zuschauer für einen neuen Weltrekord.

          Für Eisenbichler und den Rest der deutschen Crew geht die Reise weiter. „Wir wollen versuchen, jetzt zumindest die Top-drei-Plazierung von Markus abzusichern“, sagte Schuster, der sich darüber freute, dass aktuell mit eben Eisenbichler sowie dem Gesamtfünften Leyhe „die zwei Richtigen vorne sind“. Bischofshofen ruft – und dies hoffentlich frei von irgendwelchen winterlichen Wetterkapriolen, die den Wettkampf durcheinanderwirbeln könnten. Beim Finale des einwöchigen Sprungspektakels im Salzburger Land wartet die letzte Fliegerschanze auf die Weitenjäger. Und ein Goldener Adler. Kobayashi hat schon beide Hände am Flügel der Tournee-Trophäe. An diesem Sonntag wird er als Gesamtsieger beherzt zupacken und große Beute machen.

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