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Deutscher Alpindirektor Maier : „Felix ist Dreh- und Angelpunkt“

  • -Aktualisiert am

Gute Miene, mittelmäßiges Spiel: Wolfgang Maier hofft auf Felix Neureuther Bild: Picture-Alliance

Felix Neureuther hat nach Durchgang eins Medaillenchancen beim Riesenslalom. Im F.A.Z.-Interview spricht DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier über das Sozialsystem Neureuther und die Lücke hinter Maria Höfl-Riesch.

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          Der Riesenslalom und der Slalom, die beiden Rennen mit den besten Medaillenchancen für die deutschen Männer bei der Ski-WM, stehen bevor. Felix Neureuther ist ein ernsthafter Medaillenkandidat - Fritz Dopfer und Stefan Luitz sind nicht ganz im Vollbesitz ihrer Kräfte. Muss er Ihre Saisonbilanz retten?

          Ich sehe unser Herrenteam in der bisherigen Saison in seiner Gesamterscheinung extrem positiv. An meiner Einstellung und Meinung zu der Mannschaft ändert sich auch nichts, sollte es keine Medaille für die Männer geben. Wir neigen bei Großereignissen immer zum gleichen strategischen Fehler, nämlich die Hetze auf die Medaillen, und setzen uns dadurch oft unnötig unter Druck.

          Aber Ihre Vorgabe lautete doch, drei Medaillen bei der WM zu gewinnen?

          Das stimmt so nicht. Wir haben uns im Team, also Aktive und Betreuer, zusammen auf dieses Ziel geeinigt. Das ist etwas anderes, als wenn ich mich als Sportdirektor hinstelle und sage, ihr müsst drei Medaillen gewinnen.

          Alles dreht sich um Felix Neureuther. Ist er ein Glücksfall für den deutschen Skirennsport?

          Er ist von unschätzbarem Wert, weil Felix ein außergewöhnlich sympathisches und positives Auftreten hat und die Gabe, die Menschen für sich zu gewinnen. Entscheidend ist aber, dass er seit zwei Jahren das internationale Niveau mitbestimmt. Und er begeistert die Leute dafür, Skirennen anzuschauen. Wir sehen das an den Einschaltquoten, am Medienaufkommen oder auch an seinem Facebook-Auftritt. Er hat fast 500.000 Follower. Andere Sportler, wie beispielsweise Robert Harting, Sportler des Jahres 2014, haben dagegen keine 50.000.

          Mit Felix Neureuther an der Spitze hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine enorm starke Techniker-Mannschaft entwickelt. Wie haben Sie das geschafft?

          Der Erfolg hat immer viele Väter. Der Dreh- und Angelpunkt ist Felix. Ganz wichtig war sein soziales Verhalten, denn er wollte immer ein Team um sich haben. Aber die Schritte, die im Hintergrund gemacht wurden, sind auch wichtig gewesen. Wir haben den Sport nach unseren Vorstellungen extrem reformiert. Ein ganz entscheidender Faktor war Charly Waibel (Wissenschaftskoordinator im DSV und von 2008 bis 2014 Männer-Cheftrainer, Anmerkung d. Red.) mit seinen Ideen. Und dann haben wir gute Trainer und gute Skifahrer zusammengebracht. Neben einer klaren Struktur haben auch positive Zufälle das Ihre zum Entstehen dieser Entwicklung beigetragen. Wenn man die richtige Mischung zwischen Sportlern und Trainern findet, hat man die Chance, plötzlich im schnellen Rhythmus neue Gesichter hochzubringen und im Nachwuchs sehr beachtliche Ergebnisse zu erzielen. Dieses Potential hatten wir in manchen Generationen nicht, oder wir hatten einfach eine schlechte Trainerstruktur.

          Nach der Enttäuschung im Teamwettbewerb legt Felix Neureuther nun alles in Riesenslalom und Slalom

          Also gab es eine verlorene Generation bei den Männern?

          Ja, die gab es. Das waren die Achtziger-Jahrgänge wie zum Beispiel Slalom-Junioren-Weltmeister Stefan Kogler oder Christian Wanninger. Die hatten ein gewisses Potential, aber der Verband fand nicht die richtigen Trainer dazu. Heute haben wir eine gute Mischung zwischen eigenen Leuten und ausländischen Trainern, die sich untereinander sehr gut abstimmen und eine einheitliche Philosophie vertreten - das war nicht immer so.

          Was wurde einst bei den Männern noch konkret verändert?

          Wir haben strenge Leistungsvorgaben eingeführt, eine leistungsorientierte Förderung und Verbindlichkeiten wie Anforderungen im athletischen und skitechnischen Bereich geschaffen. Außerdem haben wir uns an internationalen Kaderkriterien ausgerichtet. Früher hatte es bei den Herren nur nationale Kriterien gegeben. Aber es hat von 2006 bis 2010 oder 2011 gedauert, bis das neue System gegriffen hat.

          Im Moment schwächelt das Frauenteam (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde vor der WM-Silbermedaille von Viktoria Rebensburg geführt). Taugen die Maßnahmen, die einst bei den Männern getroffen wurden, auch für die Frauen?

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