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Drogenproblem in NHL und NBA : Lust auf Kokain und Marihuana

  • -Aktualisiert am

Schillernde Szene: Eishockey in Amerika Bild: AFP

Eishockey-Profis konsumieren Kokain, Basketball-Profis Marihuana. Die großen amerikanischen Ligen haben nicht nur ein Drogenproblem - sondern zwei. Denn Cannabis und Kokain stehen auch auf der Dopingliste.

          3 Min.

          Es ist nicht einfach, ein Problem einzukreisen, wenn man gar nicht weiß, wie groß es ist. „Ich wäre schockiert, wenn wir über zwölf Leute reden“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der National Hockey League (NHL) neulich. Doch es könnte sein, gab er zu, dass es sich sogar um zwanzig handle. Auch dann wäre er schockiert, meinte Bill Daly, als er zu einem heiklen Thema angesprochen wurde, das derzeit im nordamerikanischen Profi-Eishockey existiert: NHL-Profis konsumieren Kokain, aber die Liga hat keine Ahnung im welchem Umfang.

          Denn bei den regulären Doping-Tests suchen die Fahnder im Labor nur nach leistungssteigernden Substanzen. Immerhin werden ein Drittel der 2400 Urinproben, die jedes Jahr von den knapp tausend Spielern erhoben werden, provisorisch auch auf andere Stoffe untersucht. Das Resultat, so gab Daly zu: immer mehr Kokainfunde. Eine ernsthafte Beschäftigung mit der Entwicklung setzte allerdings erst vor ein paar Monaten ein, nachdem der kanadische Eishockey-Profi Jarret Stoll in Las Vegas von einem Wachmann am Eingang zu einem Hotel-Swimmingpool abgetastet wurde und mit 3,3 Gramm Kokain und mehreren Kapseln Ecstasy in der Badehose erwischt wurde. Der 33 Jahre alte Stürmer kam mit einer milden Strafe von 32 Stunden Sozialarbeit davon und erhielt von den New York Rangers anschließend einen Ein-Jahres-Vertrag für die neue Saison.

          Eishockey-Profi Jarret Stoll: 3,3 Gramm Kokain und mehreren Kapseln Ecstasy in der Hose
          Eishockey-Profi Jarret Stoll: 3,3 Gramm Kokain und mehreren Kapseln Ecstasy in der Hose : Bild: AP

          Aber die Sorgen gehen darüber hinaus. Sicher auch wegen potentieller Imageprobleme für eine Sportart, die sich ohnehin schwertut, in weiten Teilen des öffentlichen Bewusstseins auf dem Kontinent auch nur wahrgenommen zu werden. Zumal derzeit mal wieder Pläne kursieren, das Unternehmen mit seinen 30 Klubs in Kanada und den Vereinigten Staaten weiter auszudehnen.

          Eishockey in der Wüste von Las Vegas?

          Angeblich gibt es die Absicht, ein Team in Quebec City zu installieren, wo einst die Nordiques finanziell gescheitert waren, um nach einem Umzug in Denver als Colorado Avalanche zu reüssieren. Auch in der Wüste von Las Vegas hält man die Ausgangslage für reif, um von Oktober bis Juni regelmäßig Zehntausende von Zuschauern in eine eiskalte Arena zu locken.

          Doch bis dahin müssen noch manche Probleme gelöst werden. Unter anderem gilt es Investoren zu finden, die bereit sind, rund eine halbe Milliarde Dollar vorab an die NHL als Einstiegsgebühr zu bezahlen. Von den Betriebskosten gar nicht zu reden. Das Geld wird an die existierenden Eigentümer zu gleichen Teilen ausgeschüttet, was vor allem jenen neun Klubs hilft, die nach Schätzungen des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ schon jetzt defizitär sind.

          Nicht ganz klar ist, was die Profis so alles einnehmen, und Liga will es wohl auch gar nicht wissen
          Nicht ganz klar ist, was die Profis so alles einnehmen, und Liga will es wohl auch gar nicht wissen : Bild: AFP

          Kein Wunder, dass sich der Hauptgeschäftsführer, Commissioner Gary Bettman, dieser Tage erstmals äußerte, um zu signalisieren, dass man das schwer zu beziffernde Drogenproblem zusammen mit der Spielergewerkschaft anzupacken gedenke. „Es ist nicht repräsentativ für eine überwältigende Zahl von Spielern“, sagte er und fügte hinzu: „Ich habe kein Interesse daran, die Spieler zu bestrafen. Ich möchte, dass sie die Konsequenzen verstehen, wenn sie etwas tun, was ihre Chancen gefährdet, in der NHL zu spielen. Eine Gelegenheit, die man nur einmal im Leben bekommt.“

          Hanfprodukte für medizinischen Gebrauch

          Tatsächlich verschwimmt im amerikanischen Sport allmählich eine einstmals deutliche Grenze. So verlangten im Mai mehrere Basketball-Profis, dass die NBA ihre Regeln zum Gebrauch von Marihuana anpasst. Der Hintergrund: Hanfprodukte für medizinischen Gebrauch sind inzwischen in über zwanzig amerikanischen Bundesstaaten legal zu bekommen, vorausgesetzt ein Arzt stellt ein Rezept aus. In Colorado, Oregon und Washington State gibt es nicht einmal diese Einschränkung. Jeder Erwachsene darf Cannabis besitzen und konsumieren.

          NBA-Spieler: Cannabis zu medizinischen Zwecken?
          NBA-Spieler: Cannabis zu medizinischen Zwecken? : Bild: AP

          Es gibt keine genauen Erkenntnisse über die Beliebtheit von Marihuana unter NBA-Spielern. Indizien sprechen dafür, dass es sich um einen äußerst beliebten Stoff handelt. Weshalb die Liga wohl auch in der mehrere Monate langen Pause zwischen den Spielzeiten ganz bewusst auf Tests verzichtet. NBA-Commissioner Adam Silver erklärte bereits vor einer Weile, wo die Prioritäten liegen, wenn es darum geht, das Verhalten der Sportler zu kontrollieren: „Wir sind weit mehr daran interessiert, auf Wachstumshormone zu testen und leistungssteigernde Substanzen zu entdecken, die von Chemikern designt worden sind. Wir sind allerdings sehr dafür, dass unsere Spieler kein Marihuana nehmen, weil wir glauben, dass es ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.“

          Das Problem für die Liga: Die Regeln im Umgang mit Cannabis wie auch mit Doping stehen im Gesamttarifvertrag, den die NBA mit ihrer Spielergewerkschaft ausgehandelt hat. Der müsste zunächst geändert und dem Trend zu einer strafrechtlichen Liberalisierung angepasst werden. Allerdings steht das im Widerspruch zum generellen Verständnis von Experten. So steht Cannabis weiter auf der Liste der verbotenen leistungssteigernden Mittel der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Auch Kokain ist nicht erlaubt.

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