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Doping : Zielkontrollen gegen Auffällige

  • -Aktualisiert am

Unangemeldete Tests sollen vermehrt durchgeführt werden Bild: dpa

In diesem Winter müssen die Athleten damit rechnen, daß die Doping-Kontrolleure ihre Aufgabe noch genauer nehmen. Gerade die unangemeldeten Tests in der Vorbereitung sollen ausgebaut und verbessert werden.

          3 Min.

          Die deutschen Skilangläufer können rennen, wie sie wollen, der Skepsis entkommen sie nicht ganz. Ihre Sportart hat in den vergangenen Jahren so viele Dopingskandale erlebt, daß die Sieger von heute sich kritische Nachfragen gefallen lassen müssen. Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt oder Bundestrainer Jochen Behle stellen sich dieser Prozedur mit Geduld und Kenntnis. Sie sprechen vom langjährigen Aufbau, von kontinuierlichen Entwicklungen und nachvollziehbaren Verbesserungen, verweisen auf die Anerkennung im Kreis der Konkurrenten.

          Manche Aufsteiger mit plötzlichen Leistungssprüngen seien argwöhnisch beobachtet worden; das gelte für die deutsche Mannschaft alles nicht. „Wir verstecken uns nicht“, sagt Behle. „Wir stellen uns das ganze Jahr über allen Wettkämpfen und damit auch allen Kontrollen.“ Dazu kommen viele Dopingtests im Training. „Es sollten so viele wie möglich sein“, sagt Tobias Angerer. „Bei mir können die Kontrolleure Tag und Nacht vor der Türe stehen. Unser Sport ist auf einem sehr guten Weg.“

          „Wir verbessern uns ständig“

          Man möchte gerne glauben an eine neue Zeitrechnung im Skilanglauf. Ist das naiv? Der Internationale Skiverband (FIS) lobt die Deutschen als vorbildliche Partner. Gemeint ist dabei auch der Deutsche Skiverband (DSV), vor allem aber die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada). „Die Nada arbeitet ausgezeichnet“, sagt FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis. „Einen entsprechenden Partner haben wir in vielen anderen Ländern, beispielsweise in Rußland, noch nicht.“ Einige kleinere Verbände hätten allerdings Probleme, ein solch großes und teures System aufzubauen. Dort bietet die FIS auch finanzielle Hilfe an.

          Gegen bestehende Mängel will die FIS nicht bloß mit eigenen Kontrollen vorgehen; auch eine bessere Abstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) soll Transparenz, Chancengleichheit und Glaubwürdigkeit noch erhöhen. „Wir werden die Kontrollen vor allem dort vornehmen, wo es kein oder nur ein schwach entwickeltes nationales Kontrollsystem gibt“, sagt Sarah Lewis. „Wir verbessern uns ständig. Nach den schwarzen Tagen der WM 2001 in Lahti ging es nicht von null auf hundert. Ich sage noch nicht, daß die FIS stolz ist auf den Status quo im Dopingkampf, aber wir sind relativ zuversichtlich.“ 2001 war die finnische Mannschaft beinahe geschlossen mit Manipulationen aufgefallen. Einige der damals ausgesprochenen Strafen wirken bis heute: Die FIS nutzt ihr Hausrecht und verweigert beteiligten Betreuern Akkreditierungen für ihre Veranstaltungen; eine rechtlich zulässige Sanktion, denn es ist kein generelles Arbeitsverbot.

          Unangemeldete Tests sollen ausgebaut und verbessert werden

          In diesem Winter müssen die Athleten damit rechnen, daß die Kontrolleure ihre Aufgabe noch genauer nehmen. Die FIS und Wada haben eine Reihe von Maßnahmen festgelegt. Dazu gehört, daß die Wada neu auftauchende Dopingmittel und Dopingmethoden kurzfristig auf die Verbotsliste setzen wird. Innerhalb von 14 Tagen können so Präparate oder Praktiken geächtet werden. Das soll juristische Auseinandersetzungen verhindern oder zumindest verkürzen. Erstmals wird im Skisport nach dem Mißbrauch von Wachstumshormonen gefahndet, in allen Disziplinen. Deshalb werden Skispringer und alpine Läufer zusätzlich zu den bekannten Urintests auch mit Blutkontrollen konfrontiert sein. Das gab es bislang nur in den Ausdauerdisziplinen (Langlauf und Kombination), als Teil des Kampfes gegen Blutdoping mit Erythropoietin (Epo) und ähnlichen Mitteln, mit denen zum Beispiel Johann Mühlegg 2002 in Salt Lake City erwischt wurde.

          In der zurückliegenden Saison gab es bei über zweitausend Kontrollen keine weiteren bösen Überraschungen. 1005 Blut- und 693 Urintests fanden bei Wettkämpfen statt, dazu kamen 316 Trainingskontrollen. Gerade die unangemeldeten Tests in der Vorbereitung sollen ausgebaut und verbessert werden. Die FIS setzt dazu ein Anti-Doping-Administration-Management-System (Adams) ein. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich ein Computerprogramm, das alle relevanten Athleten-Daten speichert und Kontrollen koordiniert. Auf diese Weise will der Skiweltverband garantieren, daß die Topathleten (die fünfzig besten jeder Disziplin) unter besonderer Beobachtung stehen. 633 Sportler aus 29 Verbänden durften sich zu Saisonbeginn dieser verschärften Kontrolle sicher sein, im Laufe der nächsten Monate bis zu den Weltmeisterschaften im Februar in Oberstdorf wird sich der Kreis noch erweitern.

          „Niemand kann sich dauerhaft Kontrollen entziehen“

          Festgestellt werden kann unter anderem, ob ein Athlet der Verpflichtung nachkommt, seinen Aufenthaltsort mitzuteilen, oder ob er versucht, sich vor Tests zu drücken. „Niemand kann sich dauerhaft Kontrollen entziehen“, stellt Sarah Lewis fest. Wer in irgendeiner Weise auffällt, wird mit Zielkontrollen gestellt. Bei Wettkämpfen wird die FIS zudem nicht nur von den vier besten Athleten plus zwei ausgelosten Startern Dopingproben fordern. Im Langlauf und in der Nordischen Kombination gibt es zudem pro Jahr bis zu drei „Full Field-Kontrollen, daß heißt, ausnahmslos alle Teilnehmer sind in Kontrollen eingebunden.

          Wann und wo, das sei - so wird versichert - vorher nicht bekannt. Vor einem Großereignis wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen werden so angeblich hundert Prozent aller Aktiven erfaßt. „Die Gefahr der strikteren Dopingkontrollen ist, daß wir oft nachträglich Medaillen vergeben müssen“, hat FIS-Präsident Gian Franco Kasper im Oktober gesagt, als er der Deutschen Viola Bauer eine Bronzemedaille von Salt Lake City 2002 überreichte, mit zweieinhalb Jahren Verspätung. „Aber die Betrüger müssen aussortiert werden. Auch wenn wir mitunter Jahre darauf warten müssen.“

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