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Doping : Staatsdienerin Pechstein

Mahlzeit! Künftig darf Currywurstbudenbesitzerin Pechstein in der Polizeikantine essen Bild: ZB

Der Eisschnelllauf bleibt Claudia Pechstein weiterhin wegen mutmaßlicher Dopingvergehen verwehrt. Immerhin feierte sie jetzt bezüglich ihrer beruflichen Zukunft einen juristischen Sieg. Das Disziplinarverfahren gegen die Polizistin wurde eingestellt.

          Die noch bis Februar 2011 gesperrte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bleibt Beamtin bei der Bundespolizei. Das Disziplinarverfahren gegen sie wegen des Verdachts des Blutdopings wurde eingestellt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte am Montag bei einem Pressegespräch in Berlin: „Ich erwarte, dass sie ihren Dienst nun antritt.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die 38 Jahre alte Sportlerin, die den Rang einer Polizeihauptmeisterin innehat, soll auf einer Dienststelle in Berlin erst einmal innere Aufgaben ohne Publikumsverkehr wahrnehmen. Sollte sie, wie von ihrem Manager Ralf Grengel angekündigt, nach ihrer Krankschreibung erst noch Resturlaub nehmen, fiele ihr Dienstbeginn auf Dienstag kommender Woche.

          Pechstein kämpft weiter um sportliche Wiedergutmachung

          Claudia Pechstein war im November 2009 vom Internationalen Sportgerichtshof (Cas) wegen abnormer Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden. Sie hat nun den Ermittlungsbericht der Bundespolizei an das Schweizer Bundesgericht weitergeleitet, vor dem sie immer noch um die Revision des Urteils kämpft.

          De Maiziere erläuterte allerdings, dass zwischen den beiden Verfahren kein Zusammenhang hergestellt werden kann. Es gebe unterschiedliche Beweisregeln in einem sportjuristischen und in einem Disziplinarverfahren. Der Cas hatte sie aufgrund eines indirekten Beweises, nämlich ihrer abweichenden Blutwerte, verurteilt (siehe: Doping: Urteil gegen Claudia Pechstein „wasserdicht“). „Das war ein wegweisendes Urteil, und ich unterstütze das“, sagte der Minister.

          Rüge des obersten Dienstherren

          In Disziplinarverfahren müsse aber ein Dienstvergehen „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nachgewiesen werden - also nicht nur das Doping, sondern die Tat an sich. Grundlage der Verfahrenseinstellung sei auch lediglich der Grundsatz gewesen: Im Zweifel für den Angeklagten.

          Ungehalten wirkte der Bundesinnenminister über den Umgang Pechsteins in den vergangenen Monaten mit ihrem staatlichen Arbeitgeber. „Ich verstehe vollkommen, dass sie mit allen Mitteln den Kampf um ihren Ruf und ihre Ehre führt“, sagte er. „Aber das Verhalten ihrem Dienstherren gegenüber war nicht stilbildend. Das muss jetzt ein Ende haben.“ Pechstein hatte während ihrer Krankschreibung Urlaub genommen, um an einem Wettbewerb im Inline-Skating teilzunehmen und um eine Currywurstbude zu eröffnen.

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