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Razzia im Rahmen der Ski-WM : In flagranti erwischt

S., so der Verdacht der Ermittler, habe seit Jahren gewerbsmäßig „illegale Anwendungen an Spitzensportlern zur Leistungssteigerung durchgeführt“, wie es Csefan ausdrückte. Es sei gelungen ein „umfassendes Bild“ zu generieren. In Erfurt sei es während des „zeitgleichen, koordinierten Zugriffs, bei dem insgesamt 120 Beamte eingesetzt wurden, gelungen, das „illegale Doping-Labor, mit Doping-Präparaten, mit Blutbeuteln, mit Bluttransfusionen und einer Zentrifuge“ sicherzustellen. „Die komplette Beweis- und Indizienkette ist hier geschlossen“, sagte Csefan. Auf Grund des Verdachts, dass dieses Netzwerk „seit Jahren und weltweit agiert“ liege nahe, dass „sicherlich auch andere Sportarten betroffen sein werden“.

Der Deutsche Ski-Verband teilte mit, von den Ermittlungen nicht betroffen zu sein. Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder sagte, die Berichte seien „extrem bedenklich“, das mache einen „systematischen“ Eindruck. Nach der Ausstrahlung der Dürr-Dokumentation in der ARD, in der Dürr, nicht als erster Sportler, schilderte, wie die Doping-Karriere in der Spitzensport-Struktur über Jahre herangebildet wurde, hatten Sportler von einem Einzelfall gesprochen. Langläufer Sebastian Eisenlauer aus Sonthofen sagte am Mittwoch, schwarze Schafe gebe es leider immer. „Wir können uns glücklich schätzen, wenn sie raus sind.“ Trond Nystad, Langlauf-Koordinator des Österreichischen Ski-Verbands (ÖSV), sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe gedacht, dass seine Sportler trainierten und „nicht so einen Scheiß“ machten.

Peter Schröcksnadel, schon ÖSV-Präsident zur Zeit der Razzia 2006, dessen damalige Aussage „Austria is a too small country to make good doping“ bis heute nachhallt, wurde in einer Mitteilung zitiert, in der es heißt, der ÖSV sei schockiert, dass „eine bestens vorbereitete Nordische Ski-Weltmeisterschaft nun von einem Doping-Skandal überschattet“ werde. „Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden. Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Im ÖSV gilt Null-Toleranz gegenüber Doping“, sagte demnach Schröcksnadel. „Unabhängig davon“, dass keine österreichischen Betreuer involviert seien, werde er vorschlagen, „den Langlaufsport im ÖSV völlig neu zu organisieren“.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur in Bonn war nach Aussage ihres Vorstands Lars Mortsiefer nicht in die Ereignisse von Mittwoch involviert, habe aber zwischen der Münchner und der Innsbrucker Staatsanwaltschaft im Vorfeld vermittelt. „Wir haben inzwischen ein Netzwerk aufgebaut, das die Nada, Staatsanwaltschaften, den Zoll, das BKA, auch Wada mit dem (beurlaubten, d. Red.) deutschen Kriminalbeamten Günter Younger verbindet. Das läuft hervorragend“, sagte Mortsiefer. Ihm sei es sehr recht, wenn die Ermittlungen nun eine Welle auslösen würde. „Wenn Doper nun Angst bekommen, dann ist es genau das, was wir beabsichtigen.“ Die Welt-Anti-Doping-Agentur teilte mit, sie habe in „engem Kontakt“ mit den Ermittlern gestanden, die Ermittlungsabteilung (die Younger leitet, d. Red.) habe „Informationen und andere Hilfestellung“ beigetragen.

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