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Doping-Razzia : Biathleten ausgeschlossen - Trainer entlassen

  • -Aktualisiert am

Trainer Mayer auf dem Polizeirevier Bild: dpa/dpaweb

Nach der Razzia bei den österreichischen Athleten sind zwei Biathleten abgetaucht, sie wurden aus den österreichischen Olympia-Team ausgeschlossen. Der umstrittene Trainer Walter Mayer ist mittlerweile aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden.

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          Alarm bei Olympia: Gegen 19 Uhr umzingelten Einsatzwagen der Polizei zwei Unterkünfte von Biathleten und Langläufern in San Sicario und Pragelato. Es war die erste staatliche Razzia in der Geschichte der olympischen Familie. Da mußten die überraschten Sportler die Beine spreizen, wie der entnervte Langläufer Martin Tauber berichtete: „Ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher.“ Die Häuser wurden durchsucht, „Dinge mitgenommen“, die Sportler, sechs Langläufer und vier Biathleten, zur Dopingkontrolle gebracht.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          24 Stunden später herrschte Riesenaufregung in Austrias Lager. Die beiden Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann waren verschwunden und vermutlich auf der Flucht in die Heimat. Beide wurden vom Nationalen Olympischen Komitee für Österreich aus dem Olympia-Team ihres Landes ausgeschlossen.

          Der gesperrte Trainer Walter Mayer, dem die Fahndung galt, tauchte ebenfalls ab. In Österreich ignorierte er eine Routine-Polizeikontrolle, rammte auf der Flucht einen Streifenwagen und wurde leicht verletzt in Gewahrsam genommen und am Montag vormittag wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) zog die Konsequenz und entließ Mayer mit sofortiger Wirkung.

          Mayer wollte mit seinem Auto die Polizeisperre durchbrechen

          In der Psychatrie

          Während der Razzia der 30 Carabinieri in San Sicario wollte ein Athlet noch hastig mutmaßliches Belastungsmaterial „entsorgen“. Ein Polizeisprecher bestätigte einen Bericht der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport, daß ein Sportler einen Beutel aus dem Fenster geworfen hat, in dem sich „unbenutzte und benutzte Spritzen“ befanden. Die Polizei beschlagnahmte das Material. Die Aktion dauerte bis zwei Uhr am Sonntag morgen.

          Am Montag abend soll sich Mayer in der Psychiatrischen Abteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt befunden haben, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete. Ob er sich freiwillig in das „Zentrum für Seelische Gesundheit“ begab oder von der Polizei eingewiesen wurde, war dabei nicht klar. Gerüchten zufolge soll er einen erfolglosen „Fluchtversuch“ durch ein Fenster unternommen haben.

          Wer ist der angebliche Privatmann Mayer?

          Diese Nacht-und-Nebel-Aktion rief zunächst helle Empörung bei den Österreichern hervor. Am Sonntag abend kritisierte der nach Turin gereiste Kanzler Wolfgang Schüssel das IOC und die italienischen Behörden. Es sei „nicht in Ordnung“, junge Sportler am Abend vor ihrem Wettkampf zu kontrollieren und wie Verbrecher zu behandeln. Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), hielt die Razzia für eine „unerhörte Aktion. Heute ist Staffel, die Italiener laufen“, sagte er am Sonntag. Das Langlauf-Quartett gab denn auch entnervt auf.

          Die Dopingfahnder suchten auch einem Herrn namens Mayer. Aber wer ist der angebliche Privatmann Mayer? Anti-Doping-Kämpfer im Internationalen Ski-Verband (Fis) und im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) behaupten schon jahrelang, daß Mayer beim Doping die Finger im Spiel hatte. Diese Einschätzung verdanken sie einer sorgfältigen Säuberung. Nämlich einer Putzfrau, die nach den Winterspielen vor vier Jahren in Salt Lake City im Quartier der österreichischen Mannschaft leere Blutbeutel und Bluttransfusions-Geräte aus dem Mülleimer zog. Seit diesem Tag ist Mayer eine Persona non grata für Fis und IOC.

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