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Die FAZ.NET-Biathlon-Glosse : Das können wir: Schießen und Wegrennen

Jetzt strahlt er wieder, der Klappscheibenmond Bild: REUTERS

Wenn die Klappscheiben kippen, dann ist Fernsehdeutschland dabei. „Fünf liegend, fünf stehend“, das ist wie früher „Aufschlag Becker“ oder immer noch „Freistoß Ballack“. Biathlon und die deutsche Liebe zur Standardsituation.

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          Die Abfahrer haben sich schon wieder wagemutig kanadische Pisten hinabgestürzt, die Läufer sind durch den finnischen Wald gehetzt, auch die Springer segelten schon durch die gute Luft, aber das war alles Vorgeplänkel. Jetzt endlich, an diesem Mittwoch beginnt für Fernsehdeutschland der wahre Wintersport: wenn auf einem verschneiten schwedischen Schießplatz die Klappscheiben kippen, dann ist endlich wieder Biathlon. Und die Gemeinde der Fernsehsportler sitzt bei ARD und ZDF mit dem Fernrohr dabei.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          Man fragt sich ja manchmal, wie die Vorlieben zustande kommen, Warum die erstaunlichsten Sportarten den größtmöglichen Zuspruch finden. „Schießen und weglaufen, das können wir“, hat Kabarettist Dieter Nuhr einst geätzt. Dabei sind die Biathleten gar nicht alles Soldaten. Manche sind auch beim Zoll.

          Drei unten, drei oben = fünf liegend, fünf stehend

          Vielleicht liegt's auch an der deutschen Liebe zu Standardsituationen. „Fünf liegend, fünf stehend“, das ist wie „drei unten, drei oben“. Vorhersehbar, berechenbar. Auch im Fußball liebt's der Germane nicht zu verspielt: „Ecke, Kopfball, drin“ ist eben effektiver als das ewige Klein-Klein der Südländer. Oder am besten gleich „Freistoß, Ballack. Tor!“

          Die Königin der Standardsituation: Magdalena Neuner
          Die Königin der Standardsituation: Magdalena Neuner : Bild: dpa

          Schon zu Zeiten des Tennis-Booms war's ja so, dass Boris Becker nicht mit gefühlvoller Raffinesse imponierte, sondern mit klarer Struktur: Serve und Volley. Servieren und draufhauen. Spätestens der zweite Ball musste tot sein. Beckers Aufschlagspiele waren auch so 'ne Art Biathlon: Trifft er oder trifft er nicht?

          Am Wochenende Weltcup und zwischendurch Schalke

          Dann trat Boris ab und Skispringen wurde Topsportart. Das ewig gleiche Ritual: „Sssssst- ziiiiieeeh - platsch“. Zu früh am Schanzentisch oder zu spät am Schanzentisch, das war die Frage? Vorbei. Nachdem Hannawald sein Zeug gemacht hatte und ermüdet abgetreten war, fielen „die Adler“ aus dem öffentlichen Focus. Seitdem sind die „Skijäger“ die Helden.

          Nachlader, Strafrunden und Pulsschläge sind Vokabeln, die man wissen muss. Und die Orte des Geschehens werden wie bei einer Wallfahrt heimgesucht: Östersund, Hochfilzen, Pokljuka zum Warmmachen, dann Oberhof, Ruhpolding, Antholz als Krönungsmessen. Weltcup, immer von Mittwoch bis Sonntag. Jedes Jahr eine WM. Und zwischendurch Schalke. Fünf liegend, fünf stehend.

          Eine gewinnt immer

          Und das Allerschönste, es sind die Skijägerinnen, die schwarz-rot-gold meistens hochhalten: Eine gewinnt eigentlich immer, egal ob Massenstart, Verfolgung oder Sprint: erst war's die Uschi (Disl), dann die Kati (Wilhelm) oder die Martina (Glagow) und jetzt die Lena (Neuner). Für jeden Geschmack ist eine dabei, das ist fast wie bei den No Angels. Nur ohne Casting. Dafür mit Gewehr.

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