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Die Doping-Realität : Aus der Mitte Deutschlands

  • -Aktualisiert am

Österreichische Polizisten führten im Rahmen der Ski-WM in Seefeld eine Doping-Razzia durch. Bild: dpa

Deutsche Athleten blieben bei der großen Razzia im Rahmen der Ski-WM zwar unbescholten. Die Naivität zu glauben, dass die „saubere“ deutsche Statistik die Realität abbildet, sollten wir uns trotzdem nicht leisten.

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          Wieder hat es Österreicher und Osteuropäer erwischt. Fast so wie 2006 in Turin während der Olympischen Winterspiele: Polizei, Staatsanwälte, Razzien, Festnahmen und Flucht im Lager der Nordischen bei den Nachbarn: Aber die Deutschen liefen trotz Hinweisen munter weiter. Es gab keine gerichtsfesten Belege, keine positiven Proben. Daraus ist eine Neigung in diesem Land entstanden, mit Selbstzufriedenheit, ja sogar mit Gewissheit vom besten Anti-Doping-System auf diesem Planeten zu sprechen und als Konsequenz von „den sauberen Athleten“. Als wären solche ehrenwerten Wunsch-Vorstellungen mehr Programm als Sprichwort.

          So wie einst Kampfbegriffe von Sportfunktionären, Trainern und Athleten inszeniert wurden. Sie wollten den hinreichenden Verdacht für eine groß angelegte Vergiftung mit der „Selbstreinigungskraft des Sports“ und später der „Null-Toleranz“-Doktrin kontern. Nichts davon setzte sich durch. Und so wird weiter gedopt. Nur in Österreich, in Kasachstan, in Estland, wie die Verhaftungen zumindest nahelegen? Oder in Russland, was längst bewiesen ist? Der österreichische Tischnachbar reagierte auf die Nachricht von seinen nun schwer verdächtigen, jungen Landsleuten mit dem Hinweis auf die Festsetzung des deutschen Arztes. Das Know-How kommt aus der Mitte Deutschlands, immer noch. Das ist zwar noch kein Beleg für die Verbreitung des Manipulationswissens, die Anwendung im direkten Umfeld. Aber ein Fingerzeig, was sich Manipulateure weiterhin trauen in einem Land, das sich zum schärfsten Anti-Doping-Gesetz der Welt durchgerungen hat – gegen den Widerstand maßgeblicher Spitzensportfunktionäre.

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