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Die deutschen Skispringer : Ganz oben auf der Welle

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Auf der Erfolgswelle ins Blaue: die Vierschanzentournee war für die deutschen Springer (Foto: Martin Schmitt) ein großer Fortschritt Bild: AP

Das neue deutsche Skisprungteam harmoniert bestens und strahlt auch nach außen Zuversicht und gute Laune aus. Großen Anteil daran hat Trainer Werner Schuster. Dessen Ziel ist nun eine WM-Medaille im Mannschaftswettbewerb.

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          Stefan Hocke hatte die Lacher auf seiner Seite. „Man kann sich ja nicht aussuchen, ob man Olympiasieger wird“, sagte er – und ahnte dabei nicht, dass dieser Satz kurz und knapp für das deutsche Skispringen stehen könnte. Der 25 Jahre alte Thüringer hatte 2002 mit Sven Hannawald, Martin Schmitt und Michael Uhrmann in Salt Lake City Gold gewonnen – und war in den Jahren danach bis in die zweite Klasse seiner Sportart abgestiegen. Er musste sich wie die deutschen Skispringer allgemein harte Kritik und gar Häme gefallen lassen.

          Hocke gab nicht auf, erhielt seine Bewährungschance im Continental-Cup, dem B-Wettbewerb des Internationalen Skiverbandes. Mit vier Siegen in diesem Winter brachte er den neuen Bundestrainer Werner Schuster dazu, ihn für die A-Mannschaft während der Vierschanzentournee zu nominieren. In allen vier Springen plazierte er sich unter den besten zwanzig, wurde 15. in der Gesamtwertung.

          Kaum ein Trainer, der nicht auf Schmitts Leistung hinwies

          Schuster nennt Hocke gern, wenn er um ein Fazit gebeten wird. Der Aufschwung des Thüringers mag in der neu entfachten Begeisterung um einen starken Martin Schmitt leicht untergehen. Der Bundestrainer sieht an ihm jedoch die Früchte seiner Arbeit. Er sagt, dass die Linie, die er mit einem Team von Trainern und Betreuern verfolge, klar sei und für die Zukunft viel verspreche. Wie Hocke können sich alle deutschen Springer aufrichten und festhalten an der Fachkompetenz Schusters und an dem Vertrauen, das er ihnen entgegenbringt. Das schließt junge Springer aus dem Nachwuchskader ein, die Schuster auf der Tournee einsetzte und die hoffnungsvolle Ansätze zeigten.

          Auf der Verfolgung: Martin Schmitt hat sich als Mann hinter den besten drei Springern des Weltcups etabliert
          Auf der Verfolgung: Martin Schmitt hat sich als Mann hinter den besten drei Springern des Weltcups etabliert : Bild: AP

          Große Schritte hat Martin Schmitt schon hinter sich. „Martin ist nicht nur eine nationale, er ist eine internationale Sportgröße“, sagte Schuster in den Tagen der Vierschanzentournee. Das allgemeine Echo bestätigte ihn. Kaum ein Konkurrent, kaum ein ausländischer Trainer, der nicht bei passender Gelegenheit auf die Leistung des Schwarzwälders nach einem jahrelangen Tief hinwies.

          „Überlegt, wo wir hergekommen sind“

          Mit dem dritten Platz in Innsbruck, mit zwei fünften Plätzen in Oberstdorf und in Bischofshofen und Rang acht in Garmisch-Partenkirchen wurde er Vierter der Gesamtwertung – hinter Wolfgang Loitzl, Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer. „Die Tournee gibt mir einen Schub Selbstbewusstsein“, sagte er. „Es ist mir gelungen, die Wettkampfsprünge auf einem ganz hohen Niveau zu stabilisieren.“ Schmitt hat sich festgesetzt als erster Verfolger der großen drei und ist ihnen als Vierter auch im Weltcup auf den Fersen.

          Gerade das schwächste Ergebnis des Schwarzwälders, als er in Garmisch-Partenkirchen sogar die Chance auf eine große Überraschung aus der Hand gab, macht Schuster Mut. Mit hängenden Köpfen seien die Beteiligten von der Schanze gegangen, sagt er, mit dem Gefühl: „Martin hat es wieder einmal nicht geschafft.“ Auch Michael Neumayer, in Oberstdorf mit Platz neun gestartet, war als 24. nach dem Neujahrsspringen scheinbar wieder auf dem Weg nach unten. Man müsse aber die Kirche im Dorf lassen, forderte sogleich Schuster: „Überlegt, wo wir hergekommen sind und was wir erreicht haben.“

          Die neue Crew funktioniert bestens

          Er nahm damit ersten neuen Kritikern den Wind aus den Segeln. Sein Vertrauen stärkte Schmitt, Neumayer und das Team und machte die nachfolgenden guten Leistungen möglich. Neumayer landete beim letzten Springen auf Rang sechs, wurde von der Jury zum „Mann des Tages“ gewählt. In der Gesamtwertung ist er Zehnter. Auch Michael Uhrmann, der vor der Tournee von sich selbst mehr erwartet hatte, bewies mit seinem achten Rang zum Abschluss und Platz zwölf in der Gesamtwertung, dass die Rechnung in diesem Winter nicht ohne ihn gemacht werden darf.

          Drei deutsche Springer unter den besten acht bescherten Werner Schuster in Bischofshofen „eine tiefe Befriedigung“. In seiner Erinnerung liefen wie im Zeitraffer die Höhen und Tiefen der vergangenen Monate, des ersten Dreivierteljahres seiner Amtszeit ab. „Ich bin sehr stolz auf das Team und muss meinen Mitarbeitern danken“, sagte er. Von seinen Co-Trainern bis hin zum Servicemann hatte er eine neue Crew zusammengestellt. Sie harmoniert bestens und strahlt auch nach außen Zuversicht und gute Laune aus. „Wir haben das Ziel, dass wir uns als Team gut präsentieren“, sagte Schuster über sein wichtigstes Anliegen. Über eine Mannschaft, in der sich alle wohl fühlen, die erfolgreich ist, sollen weiter herausragende Einzelergebnisse zustande kommen.

          Es gilt, die Welle zu reiten

          Ohne Verschnaufpause sind die Skispringer gefordert. Schon am Wochenende steht in Bad Mitterndorf am Kulm ein erster von vier Skiflug-Wettbewerben in diesem Winter an. Die neu geschaffene Team-Tour in Willingen, Klingenthal und Oberstdorf führt hin zur Weltmeisterschaft in Liberec Ende Februar. „Die ganze Saison ist vollgepackt mit Skispringen“, sagt Schuster.

          Es gilt, die Welle zu reiten, auf der sich die Deutschen befinden, aber auch Kräfte zu sparen. Das große Ziel bleibt eine Team-Medaille in Liberec. „Sie ist in Reichweite“, sagt Schuster. In Bischofshofen zeigten sich die Deutschen nach den Österreichern als zweitbeste Mannschaft. „Man sollte aber auch nicht zu blauäugig sein.“ Die Konkurrenz aus Finnland, Norwegen und Russland ist stark. „Wir sind aber nicht mehr nur dran, wir sind mittendrin.“ Und das ist viel mehr, als ein deutscher Skisprungtrainer in den vergangenen Jahren sagen konnte.

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