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Eishockey : Zuschussgeschäft Champions League

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Helm auf zum Halbfinale München gegen Salzburg: Zwei Teams mit dem selben Sponsor spielen um die Endspielteilnahme in der Champions League. Bild: dpa

Im Halbfinale treffen die Red-Bull-Klubs aus München und Salzburg aufeinander: Der Europapokal bleibt im Eishockey ein ungeliebter Wettbewerb.

          Der Vorverkauf hatte gerade erst begonnen, da verkündete der EHC Red Bull München via Twitter: Nichts geht mehr, das große Spiel gegen den Schwesterverein aus Salzburg ist ausverkauft. Überraschen konnte das weniger, so ein Halbfinale in der Champions League ist schließlich kein alltägliches Spiel. Noch dazu, wenn es das erste der Vereinsgeschichte ist; ja wenn man überhaupt der erste deutsche Verein ist, der je die Vorschlussrunde der europäischen Königsklasse erreicht hat. Doch dieses Hinspiel, das an diesem Dienstag (19.30 Uhr/live bei Sport 1) ansteht, ist ein Sonderfall: Erstens tun sich die Münchner auch nach drei deutschen Meisterschaften in Serie schwer, ihre recht überschaubare Halle im Olympiapark (knapp 6100 Plätze) zu füllen, zweitens geht es um Eishockey. Da ist der Europapokal traditionell eine schwierige Angelegenheit.

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          Im Laufe der Jahre hat es viele Modelle gegeben. Mal trafen sich die Landesmeister zu einem verlängerten Wochenende an einem Ort, mal wurde das Turnier über Monate gestreckt, zwischendurch gab es auch mal jahrelang überhaupt keinen Europapokal. Bis wieder jemand mit einer neuen Idee kam. Dauerhaft funktioniert hat nie etwas. Auch das neueste Modell, die 2014 gegründete Champions Hockey League (CHL), ist weit davon entfernt, ein etablierter Wettbewerb zu sein.

          Seitdem man sich nicht mehr über Geld, sondern lediglich sportlich qualifizieren kann, ist das Niveau der CHL zwar gestiegen, aber auch in ihrer fünften Saison zeichnet sie eine unschöne Mischung aus: kaum Zuschauer, kaum Schlagzeilen, kaum Einnahmen. Während die Champions League in anderen Sportarten Ruhm und Geld bringt, ist sie im Eishockey für viele Teilnehmer ein Verlustgeschäft.

          „Hat man Pech bei der Auslosung und muss weit in den Norden, kann man die Reisen kaum refinanzieren“, sagt ein Manager aus der Deutschen Eishockey Liga. „Es wäre falsch zu sagen, dass keiner Verlust macht“, gibt CHL-Geschäftsführer Martin Baumann zu – verweist aber auf die neuen Reisekostenzuschüsse und die Steigerungen des Preisgelds. Diese Saison werden knapp zwei Millionen Euro ausgeschüttet. Im Handball sind es rund 3,5 Millionen. Im Fußball ist allein das Antrittsgeld achtstellig. Pro Verein.

          Wenig Strahlkraft

          Das größte Problem bleibt allerdings, dass die CHL kaum große Namen zu bieten hat. Das Herz des Eishockeys schlägt in Nordamerika. Die größten Klubs sind seit jeher in der National Hockey League (NHL) zu finden, der Liga der Millionenstars. Ihre Namen kennt jeder Eishockeyfan, ihre Trikots sind selbst in deutschen Eishallen allgegenwärtig. Wer aber gerade in Tschechien Topscorer ist? Wer in Schweden oben steht? Wissen nur absolute Experten.

          Entsprechend wenig Strahlkraft haben Namen wie JYP Jyväskylä. Den aktuellen Champions-League-Sieger aus der finnischen Provinz können selbst eingefleischte Eishockeyfans nicht unfallfrei buchstabieren.

          NHL bleibt Maß aller Dinge

          Anders sieht das bei russischen Teams aus. ZSKA Moskau oder SKA St. Petersburg sind zwei der wenigen europäischen Vereinsnamen, die jenseits ihrer Landesgrenzen für leuchtende Augen sorgen. Doch die Russen spielen nicht mit. „Wer interessiert sich schon für die Champions Hockey League?“, begründet Alexander Medwedew, Verwaltungsratsmitglied der Kontinental Hockey League (KHL). Das sagt er natürlich nicht ohne Grund. Die russisch dominierte Multi-Nationen-Liga in Osteuropa machte sich einst auf, der NHL die führende Stellung im Welt-Eishockey streitig zu machen. Gelingen sollte das, indem sie selbst eine Art Champions League wird, ein Sammelbecken für Topteams aus Großstädten mit den Stars aus Nord- und Osteuropa. Deswegen trägt sie das Wort kontinental im Namen.

          Doch der Plan ist krachend gescheitert. Wer die Chance hat, geht weiterhin in die NHL. Die KHL hat den Ruf einer unseriösen Liga, die nur dank Staatsbetrieben und Oligarchen überlebt. Zahlreiche Teams sind wieder verschwunden, auch die in Prag und Zagreb. Andere, in Helsinki, Minsk und Riga, existieren nur dank des Geldes aus Russland. In Ländern wie Schweden, der Schweiz und Deutschland konnte die KHL nie Fuß fassen. Das wird auch so bleiben: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ein deutsches KHL-Team zu verhindern“, sagt Gernot Tripcke, der Chef der Deutschen Eishockey Liga.

          Tripcke setzt lieber auf die CHL als gesamteuropäische Liga. Auch wenn er weiß, dass das ohne die Topteams aus Russland schwer wird. Noch nie hat die CHL mehr als 3500 Fans im Schnitt angelockt, die Eisbären Berlin ziehen für ihre internationalen Spiele extra raus aus ihrer schicken Multifunktionsarena am Ostbahnhof und gehen in den alten Wellblechpalast. Geht es nach CHL-Chef Baumann, muss sich das langfristig ändern. Deutschland sei mit seiner Wirtschaftskraft und seinen vielen Fans eins der wichtigsten Länder für die Zukunft seiner Liga, sagt er. Umso mehr freut er sich, dass nun erstmals ein deutsches Team im Halbfinale steht. Und das auch noch vor ausverkauftem Haus.

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