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Ski alpin : Die Abfahrer gehen ab

  • -Aktualisiert am

Olympische Groteske: Die Abfahrt ist in Gefahr Bild: dapd

Winter ohne Schnee klingt absurd, aber Winterspiele ohne Schnee sind 2022 wahrscheinlich. Die Abfahrer regen sich nun auf, weil ihre Disziplin geopfert werden könnte. Ein Herzstück der Spiele ist in Gefahr.

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          Wolfgang Maier nennt die Idee „dusselig“, Olympische Winterspiele ohne Abfahrtsrennen austragen zu wollen. Und damit drückt sich der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes noch konziliant aus. Ihm würden noch einige Ausdrücke einfallen, die kräftiger wären, dass lässt sich an seiner Miene deutlich ablesen. Und damit steht er nicht allein.

          Die Alpin-Szene startet an diesem Wochenende in Sölden in ihre Weltcupsaison 2015/16, eine „Zwischensaison“, wie es heißt, ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Aber dennoch spielt Olympia eine Rolle – vor allem bei den Schussfahrern unter ihnen. Gian Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Skiverbandes (Fis), hatte jüngst seine Sorge mitgeteilt, dass bei Olympia 2022 in der noch zu entwickelnden Skiregion von Yanqing – als Außenposten von Peking – auf einige Disziplinen verzichtet werden müsse. Aus Kostengründen. Darunter die Abfahrt.

          Winter ohne Schnee

          Seitdem gehen die Abfahrer ab. Man könnte ein Wortspiel aus all den Vergleichen machen, die ihnen einfallen: Olympia ohne Abfahrt, das ist wie Käse ohne Löcher, Sex ohne Liebe, Sommer ohne Sonne, Winter ohne Schnee. Wobei das schon wieder passt, denn dort, wo die Winterspiele 2022 ausgetragen werden sollen, schneit es in der Regel nicht.

          Dass die Chinesen gut Wetter machen können, haben sie allerdings bei den Sommerspielen 2008 schon bewiesen, als der sonst immer über der Stadt liegende Smog in den zweieinhalb olympischen Wochen verzogen war. Dass sie Berge versetzen können, ist ihnen ebenfalls zuzutrauen. Aber ob sie die Berge auch erhöhen können, um die für hochwertige Abfahrtsrennen vorgeschriebene Fallhöhe zu erreichen?

          Die Liechtensteiner Spitzenfahrerin Tina Weirather brachte die Diskussion auf den Punkt: „Wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir auf die Abfahrt verzichten, sondern warum wir Winterspiele in ein Gebiet geben, in dem es keine Strecke gibt.“ Weil die Menschen in Wintersportnationen wie Norwegen zwar immer noch den Wintersport liebten, aber keine Lust mehr auf den olympischen Zirkus hätten, wirft Aksel Lund Svindal ein. Beispiel Oslo: Olympiabewerbung durch die Bevölkerung abgelehnt.

          Wolfgang Maier kennt die Antwort der Befürworter: „Wir erschließen neue Märkte.“ Das sei das Totschlagargument, um Olympia in immer ferneren Gebieten auszurichten, sich aber vom Markenkern immer weiter zu entfernen. „Den Käse hören wir jetzt wieder“, ergänzt Maier und steigert langsam die Schärfe. Die „olympische Bewegung“ verstehe seiner Meinung nach den einfachen Sport nicht mehr: „Das hat nichts mit dem zu tun, was wir machen.“

          Svindal kritisiert die Olympiagegner

          Noch eine Schärfe-Stufe weiter geht ausgerechnet Johan Fliasch, Chef des führenden Skiausrüsters Head. Gegen die Erschließung neuer Märkte hat er sicher nichts. Seine Meinung zum Thema Olympia ohne Abfahrt aber ist unmissverständlich: „Das ist das Blödeste, was ich je gehört habe.“

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