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Deutscher Eishockey-Nachwuchs : Countdown in der Quarantäne

  • -Aktualisiert am

Im Mittelpunkt: Tim Stützle soll das deutsche Team anführen. Bild: dpa

Wenn die künftigen NHL-Stars zur Weihnachtszeit bei der U-20-WM übers Eis stürmen, schauen in Kanada Millionen zu und erwarten nur eins: Gold. Das ist beim deutschen Team nicht so. Dazu kommt vor dem Start ein Problem.

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          Ein schöneres Weihnachtsgeschenk können sich die deutschen Eishockey-Junioren dieses Jahr kaum vorstellen: Pünktlich an Heiligabend sollen sie ihr Hotel im kanadischen Edmonton verlassen dürfen. Dort sitzen sie seit zehn Tagen in Einzelzimmern, machen Übungen, haben interne Videorunden, schauen Netflix, daddeln auf dem Smartphone, essen oder schlafen. Raus darf der Großteil nicht, weil es gleich acht Corona-Fälle im Team gibt.

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          „Eine blöde Situation“, findet Stürmer JJ Peterka. Ähnlich sieht das Kapitän Tim Stützle, aber sie würden „einfach versuchen, positiv zu denken, dass wir schnell wieder aufs Eis können“. Das sollte längst geschehen sein, um sich auf die U-20-WM vorzubereiten, dem Hochamt für Eishockey-Fans in aller Welt. Wenn die künftigen NHL-Stars jedes Jahr zur Weihnachtszeit übers Eis stürmen, schauen allein in Kanada Millionen zu und erwarten nur eins: Gold.

          Die U 20 des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hat noch nie eine WM-Medaille gewonnen. Und dennoch blickt die Eishockeywelt mit Respekt aufs eigentliche Fußballland, kürzlich wurden drei Deutsche früh bei der Talenteziehung (Draft) der Eliteliga NHL ausgewählt. Tim Stützle (Mannheim, bald Ottawa) gar an Position drei, Lukas Reichel (Berlin, bald Chicago) an 17, JJ Peterka (München, bald Buffalo) an 34. Mit den drei damals noch 17-Jährigen überraschte die DEB-Auswahl schon im Vorjahr in Tschechien, schlug den Gastgeber, schaffte den Klassenverbleib. Um den geht es diesmal nicht, wegen der Corona-Pandemie wurde bis auf das A-Turnier alles abgesagt, der Abstieg ist ausgesetzt. Aber das Ziel war ohnehin das Viertelfinale.

          Das gelte immer noch, sagt Bundestrainer Tobias Abstreiter, ein Sieg über die Slowakei oder die Schweiz könnte ja reichen. Aber für die ersten Gruppenspiele gegen Finnland (Ortszeit Freitag) und Kanada (Samstag), die sechs der jüngsten sieben Titel gewannen, müsse man „realistisch sein, wir kommen aus einer zehntägigen Quarantäne“. Die Spiele sehe er als „gutes Wettkampftraining“.

          Die Frage, die sich alle stellen: Wo kommen die Infektionen her? „Wir haben im Vorfeld alles getan und alles richtig gemacht“, beteuert Sportdirektor Christian Künast. Seit dem 6. Dezember habe das Team abgeschottet in Füssen trainiert, sei ständig getestet worden. Am 13. ging es per Charter nach Kanada, auch davor gab es Tests – alle negativ. Doch bei der Ankunft waren drei Spieler positiv, nun sind es acht. Bereits in den Wochen zuvor gab es mehrere Fälle, manche durften gar nicht erst nach Füssen. Weitere sechs Spieler waren schon im Herbst infiziert, sie sind die einzigen, die in Edmonton bereits trainieren dürfen. Macht mehr als 15 Fälle bei nicht mal 30 Mann.

          Zum Glück seien alle Infizierten wohl- auf, sagt Künast. Aber sie müssen sieben Tage symptomfrei sein, dann würden sie „zwei Tage auf Herz und Nieren getestet“, und nur wenn sie komplett fit sind, dürften sie aufs Eis. Das wird aber dauern, an Heiligabend gilt das nur für der Rest, zwei Torhüter, 15 Feldspieler. Mit dem Rumpfkader geht es in die ersten Spiele.

          Keine Fans in der Halle, kein Abstieg, zahlreiche Infizierte, ein zunächst nicht konkurrenzfähiges Team – wofür fliegt man da eigentlich um die halbe Welt? Er könne verstehen, dass jemand „die Sinnfrage“ stelle, sagt Künast. Aber: „Für viele Jungs ist das eine einmalige Gelegenheit, sich auf dieser Bühne zu präsentieren.“ Zudem sei das DEB-Team das einzige, das es so erwischt habe. „Ansonsten scheint es zu funktionieren. Ich glaube, der sportliche Wert wird da sein. Solange ich mit gutem Gewissen sagen kann, gesundheitlich ist alles in Ordnung bei unseren Spielern, halte ich es weiterhin für sinnvoll, diese WM durchzuführen.“ Für die Spieler stellt sich die Frage ohnehin nicht. „Die Vorfreude ist riesengroß“, sagt Stützle. Nun soll es zumindest für 17 Spieler so weit sein, pünktlich an Heiligabend.

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