https://www.faz.net/-gtl-9k1i2

Nordische Ski-WM : Ambitioniert nach Tirol

Training für den großen Moment: Skispringer Markus Eisenbichler gibt schon mal alles. Bild: dpa

Die deutschen Hoffnungen ruhen bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld auf den Kombinierern und Skispringern. Das hat gute Gründe. Dennoch gibt es in diesem Jahr eine spezielle Herausforderung.

          Seefeld hat sich rausgeputzt. Der Bahnhof ist saniert und umgebaut. Annähernd 200.000 Besucher werden bis zum ersten März-Wochenende erwartet. Die Strecken des insgesamt knapp 250 Kilometer großen Loipennetzes auf dem 1200 Meter hoch gelegenen Tiroler Hochplateau sind bestens in Schuss. „Hand in Hand“, so das Motto des an diesem Donnerstag beginnenden Nordischen Ski-Festivals, will der Olympiaort von 1964 und 1976 sowie der Olympischen Jugendspiele 2012 ein weiteres Mal Langläufern, Nordischen Kombinierern und Skispringern eine perfekte Bühne bieten.

          28 der mehr als 700 Athleten kommen aus Deutschland. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat elf Frauen und 17 Männer nominiert. Mit dabei die Einzel-Olympiasieger Eric Frenzel und Johannes Rydzek aus der goldenen Abteilung Nordische Kombination und der weiter nach alter Stärke suchende Skispringer Andreas Wellinger. Die Ziele, mit denen der DSV die anderthalb WM-Wochen angeht? „Saisonbestleistungen“, heißt es aus der Verbandszentrale in Planegg, soll es geben. „Bei der Medaillenvergabe wollen wir gerne wieder ein gehöriges Wörtchen mitreden und in etwa an die Ergebnisse von Lahti anknüpfen“, sagt Sportdirektorin Karin Orgeldinger. Eine ambitionierte Vorgabe. Vor zwei Jahren gingen bei der Weltmesse des Nordischen Skisports sechs Weltmeistertitel nach Deutschland. 2015 im schwedischen Ort Falun ertönte die deutsche Nationalhymne fünfmal.

          Skispringer im Aufwind

          In Seefeld gelten vor allem die traditionell starken Kombinierer um Johannes Rydzek, viermal Weltmeister in Lahti, die wieder im Aufwind befindlichen Skispringer, die am Samstag mit dem Einzel-Wettbewerb von der Großschanze in die WM starten und die sich rechtzeitig bei der Generalprobe in Willingen durch den Sieg von Karl Geiger sowie Platz zwei im zweiten Einzelspringen durch den Vierschanzentournee-Zweiten Markus Eisenbichler in Stellung gebracht haben und die erstmals um den Mannschaftstitel springenden Frauen als aussichtsreich.

          Die Langläufer äußern sich moderater. Bundestrainer Peter Schlickenrieder freut sich trotz gesundheitlicher Rückschläge zwar, dass es gelungen sei, „einen guten Mix aus arrivierten und jungen Athleten“ zusammenzustellen. Doch der einstige Skilangläufer Schlickenrieder, der 2002 bei Olympia in Salt Lake City Silber gewann, gibt sich ebenso wie Sportdirektorin Orgeldinger, die Seefeld als „Zwischenetappe“ begreift, keinen großen Illusionen hin. Im Hinblick auf die 2021 stattfindende Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf sollen seine jungen Athleten in Seefeld „schon mal WM-Luft schnuppern“. Zu den Medaillen greifen, das werden andere – vor allem die Norweger.

          Elf Wettkampftage, 22 Entscheidungen. Während traditionell die meisten Goldmedaillen bei den Langläufern vergeben werden (12), kämpfen die Skispringer um den überragenden Grand-Slam-Sieger der Vierschanzentournee, den Japaner Ryoyu Kobayashi, um insgesamt sechs Titel. Bei den Nordischen Kombinierern, für die es am Freitag ernst wird, werden vier Weltmeister gesucht. Und neu ist, dass erstmals auch die Skisprung-Frauen im Teamwettbewerb ihr Können zeigen dürfen. Eine Premiere, wie gemacht für den DSV, denn die deutschen Skispringerinnen mit Einzel-Titelverteidigerin Carina Vogt, Katharina Althaus, Juliane Seyfarth, Ramona Straub und Anna Rupprecht gelten als erste Goldanwärterinnen. Ihre Wettbewerbe beginnen mit dem Teamspringen am Dienstag.

          Anders als die Frauen müssen die Männer bei dieser WM besonders mobil sein. Weil es in Seefeld keine Großschanze gibt, wird gependelt. Am berühmten Innsbrucker Bergisel, an dem schon so manch deutscher Tourneetraum geplatzt ist, müssen sowohl die Spezialspringer von Bundestrainer Werner Schuster als auch die Nordischen Kombinierer von Chefcoach Hermann Weinbuch über den Bakken gehen. Rydzek, der bei der WM-Eröffnungsfeier am Mittwoch der deutsche Fahnenträger war, hat angekündigt, dass er sich nicht nur auf „coole Wettkämpfe“ freue, sondern auch gesagt, „dass ich mein Zeug machen muss“. So wie auch der überragende Norweger Jarl Magnus Riiber, der seit Monaten schon von Sieg zu Sieg eilt und dank seiner Einzelsiege Nummer neun und zehn Anfang Februar in Klingenthal vorzeitig den Gesamtweltcup gewonnen hat.

          Ähnlich dominant wie der erst 21 Jahre alte Riiber hat sich zuletzt Therese Johaug gezeigt. Die 30 Jahre alte Langläuferin hat nach Ablauf ihrer Doping-Sperre sämtliche Distanzrennen dieses Winters gewonnen. Wer nach der erfolgreichsten Frau des Seefelder WM-Festivals fahndet, sollte sich auf die Norwegerin Johaug fokussieren. Wer nach den besten deutschen Athleten sucht, sollte sich auf die Kombinierer und die Skispringer(innen) konzentrieren.

          Weitere Themen

          Abschied eines Werbegags

          Basketball-Bundesliga : Abschied eines Werbegags

          Der mit viel Wirbel verpflichtete einstige Basketball-Nationalspieler Andrej Mangold, eher bekannt aus der RTL-Show „Der Bachelor“, erhält keinen neuen Vertrag bei den Skyliners Frankfurt.

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Starker Start für deutsche Flotte

          Kanu-WM : Starker Start für deutsche Flotte

          Tom Liebscher und der deutsche Kajak-Vierer der Männer gewinnen bei der Kanu-WM in Ungarn jeweils Gold – allerdings in nicht olympischen Wettbewerben. Doch auch dort sind die Aussichten gut.

          Topmeldungen

          Wegen Amazonas-Bränden : Europa droht Bolsonaro mit Blockade

          Der Streit mit Brasilien um die Waldbrände eskaliert: Finnland prüft ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU. Irland und Frankreich drohen, ein Handelsabkommen zu blockieren. Politiker aus Europa schießen gegen Präsident Bolsonaro.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.