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Deutscher Skispringer : Severin Freund ist wieder da

Severin Freund will wie schon 2017 (im Bild) auch bei der diesjährigen Vierschanzentournee mitmischen. Bild: dpa

Gelungenes Comeback auf der Lieblingsschanze: Sportlich gesehen ist die Rückkehr von Severin Freund in den Skisprung-Zirkus nicht unbedingt das große Ausrufezeichen – doch mit einem Blick in die Zukunft ist das egal.

          Wer zwei Kreuzbandrisse überstanden hat, lässt sich von ein paar lästigen Windböen nicht aus der Fassung bringen. Schon gar nicht, wenn diese Wetterkapriolen in Finnland passieren. In Kuusamo, einem der Lieblingsplätze von Severin Freund. Hier, rund um die Rukatunturi-Schanze, fühlt sich Freund besonders wohl. Und es ist kein Zufall, dass der deutsche Skispringer ausgerechnet hier im hohen Norden Finnlands, nach knapp zweijähriger Verletzungspause, sein Comeback gegeben hat.

          Sportlich war seine Rückkehr nicht unbedingt das große Ausrufezeichen, das Freund, sorgsam von Bundestrainer Werner Schuster aufgebaut, in Kuusamo gesetzt hat. Doch das war egal. Denn so glücklich, so zufrieden, so ausgeglichen hat man den einstigen Mannschafts-Olympiasieger, Doppelweltmeister und Gesamtzweiten der Vierschanzentournee lange nicht mehr gesehen. So verteilte Familienvater Freund noch während des turbulenten Windspringens von Kuusamo Küsschen an seine Fans vor dem Fernseher. Zudem gratulierte er den drei Podiumsspringern um den japanischen Überraschungssieger Ryoyu Kobayashi, der am Samstag mit 138,5 Metern gewann und auch am Sonntag mit 147,5 Metern triumphierte.

          „Das war ein sehr, sehr schöner Moment“

          „Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen, wenn man so lange weg war“, sagte Freund nach 22-monatiger Abwesenheit vom Skispringen. „Das war schon ein sehr, sehr schöner Moment“, sagte der 30-Jährige über seinen ersten Wettkampf, den er auf Platz 29 beendete. Natürlich hat Freund das Skispringen nicht verlernt, und nur zu gern hätte er auf seiner Lieblingsschanze dieses ganz spezielle Hochgefühl noch intensiver genossen. „Der Flug hätte noch ein bisschen weiter gehen können“, sagte Freund nach seinem Satz auf 128,5 Meter – und lächelte verschmitzt. Am Sonntag verpasste Freund mit 120 Metern im zweiten Springen als 31. den zweiten Durchgang, durfte sich aber über Platz zwei seines Mannschaftskollegen Andreas Wellinger freuen.

          Nach zwei Kreuzbandrissen und einem harten Weg zurück in den Kreis der Skisprung-Elite war Freunds Comeback vom Deutschen Skiverband und Bundestrainer Schuster minutiös geplant. Im Sommer wurde auf Mini-Schanzen geübt, „auf denen sich Severin wieder rangetastet hat“, wie Schuster erklärte. Die eigentlich in der vergangenen Woche in Wisla geplante Rückkehr in den Weltcup wurde verschoben. Finnland statt Polen, Lieblingsschanze statt eisiger Hang: „Es ist eine rundum positive Geschichte. Severin kann gut damit leben und auf diese Leistung aufbauen“, sagte Schuster in Kuusamo im ZDF. Freund selbst, in den sozialen Medien umtriebig und aktiv wie auch seine anderen mitteilsamen Mannschaftskollegen, teilte seiner Fangemeinde auf Twitter mit, wie es ihm im kalten Norden ergangen war. „Back in the game“, lautete die frohe Kunde von Freund, der sich in diesen Momenten der Rückkehr „super glücklich“ fühlte.

          Kuusamo, der erste Wettkampf nach annähernd zwei Jahren Pause, hat gezeigt, dass Freund gut durch quälend lange Trainingstage winters wie sommers gekommen ist. Körperlich gebe es nichts zu beanstanden. „Das Knie ist nahezu perfekt“, sagte Freund, um nachzuschieben: „Ob es jemals wieder ganz perfekt wird, weiß man nach einem Kreuzbandriss ja nie. Aber ich bin extrem zufrieden.“ Für den weiteren Saisonverlauf, der ihn nicht nur zur traditionsreichen Vierschanzentournee nach Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen, sondern auch und vor allem zu seinem persönlich gesetzten Schwerpunkt zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Februar nach Seefeld führen soll, sind größere Weiten und bessere Haltungsnoten sehr wohl möglich. Zumal in einer komplexen Sportart wie dem Skispringen, bei der Kleinigkeiten manchmal einige Plätze ausmachen können.

          „Severin kann schon ganz gut mithalten“, sagte Schuster über die ersten Eindrücke unter Wettkampfbedingungen. Freund selbst hatte schon in den finalen Wochen vor seinem Comeback angedeutet, „dass die Leichtigkeit vielleicht ein bisschen verlorengegangen ist. Sorgen aber mache ich mir keine, denn so radikal hat sich nichts getan.“ Nur familiär hat sich Grundlegendes getan. Freund ist Vater geworden. „Ein absolut herausragendes Erlebnis, etwas ganz Besonderes.“ Für die spannende Zeit zwischen Zuhause und den Reisen zu den Schanzen hat Freund ein Ziel: „Ich will beides richtig machen.“ Mit Tochter Johanna – und mit dem Skispringen.

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