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Riesenslalom in Val d’Isère : Hin und Her nach Sauerstoff-Affäre

  • Aktualisiert am

Wollte es allen zeigen und schaffte es nicht wirklich: Stefan Luitz Bild: dpa

Nach seinem Doping-Regel-Verstoß in Beaver Creek verfährt sich Stefan Luitz beim Riesenslalom in Val d’Isère. Das Hin und Her von Felix Neureuther wirkt ebenso verwirrend.

          Fast sechseinhalb Sekunden Rückstand auf den Sieger, Platz 30. Für Skirennfahrer Stefan Luitz endete das erste Rennen nach Bekanntwerden der „Sauerstoff-Affäre“ mit einem Debakel. „Die letzten Tage waren schon belastend", bekannte Luitz, der sich zum ersten Mal nach Bekanntwerden seines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln des Skiweltverbands (Fis) öffentlich äußerte. „Es ist sehr ärgerlich“, sagte der 26-Jährige in Val d’Isère gegenüber der ARD. Auf die Frage, ob ein Schatten auf seinem Überraschungs-Sieg von Beaver Creek liege, meinte er: „Ein bisschen.“ Aber es sei „noch mehr Anreiz, das nochmal zu zeigen.“

          Während des Rennens in Val d’Isère habe ihn die Aufregung dann nicht groß gestört, meinte der Allgäuer nach dem ersten Lauf: „Ich habe versucht, das auszublenden und es ist mir auch gelungen.“ Allerdings sei er angesichts der schwierigen Sichtbedingungen „zu vorsichtig" gefahren, weshalb es ihn nur auf Platz acht im Zwischenklassement führte. Der zweite Durchgang ging ihm dann aber völlig daneben: nach einem groben Fahrfehler im oberen Teil landete Luitz mit 6,33 Sekunden Rückstand auf Seriensieger Marcel Hirscher aus Österreich letztlich auf dem 30. Rang.

          Hirscher gewann mit stattlichen 1,18 Sekunden Vorsprung auf Henrik Kristoffersen (Norwegen) und stand zum 17. Mal in Folge bei einem Riesenslalom auf dem Siegerpodest. Dritter wurde der Schwede Matts Olsson (+1,31).

          Hin und Her mit Neureuther

          Felix Neureuther belegte mit 2,84 Sekunden Rückstand den 21. Platz. „Das Comeback-Rennen nach über einem Jahr, auf so einem Hang bei schwierigen äußeren Bedingungen, das war für mich klar, dass das noch nicht so funktioniert“, sagte der 34-Jährige nach der Fahrt bei Schneefall, die er mit einer Spezialschiene am verletzten Daumen absolvierte. Die nötige Kaltschnäuzigkeit und Aggressivität habe ihm nach überstandenem
          Kreuzbandriss noch gefehlt.

          Seine Teilnahme am Slalom am Sonntag sagte Neureuther nach einem letzten Trainingstest überraschend doch nicht ab. Zunächst hatte der Skiverband einen Start Neureuthers ausgeschlossen. Doch später wurde bekannt, dass der routinierte Kindskopf unbedingt fahren will. Weil im Slalom die Stangen mit der Hand geboxt werden müssen, galt sein Start als sehr unwahrscheinlich.

          Nicht wirklich kaltschnäuzig genug: Felix Neureuther bei seinem Comeback

          Bester Deutscher im Riesenslalom auf der „Face de Bellevarde“ war überraschend Alexander Schmid (+2,59), der als 15. zumindest die halbe Norm für die WM-Teilnahme schaffte. „Ich habe genau gewusst, was ich im zweiten besser machen muss“, sagte er nach seinem Sprung um neun Plätze im Finale.

          Stefan Luitz wollte seine schwache Vorstellung im zweiten Lauf nicht auf die Aufregung der Vortage schieben. „Meine skifahrerische Leistung war heute einfach nicht das, was ich kann“, sagte er. Er hatte vergangene Woche in Beaver Creek zum ersten Mal in seiner Karriere ein Weltcup-Rennen gewonnen. Zwischen den beiden Durchgängen hatte er aber im Aufenthaltsbereich der Fahrer Sauerstoff durch eine Maske geatmet. Damit brach er eine Regel des Skiweltverbands (Fis), die das Einatmen von Sauerstoff an einer Wettkampfstätte verbietet. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erlaubt diese Methode hingegen explizit. Die Unterschiede zwischen Wada- und Fis-Regeln waren dem Deutschen Skiverband eigenen Angaben zufolge nicht bekannt. „Keiner von uns hat davon gewusst.“, sagte Luitz zu seinem Regelbruch. „Es war etwas irritierend für uns, dass die Regel aufgetaucht ist.“

          Ob und wie er bestraft wird, ist noch nicht entschieden. Die Fis bestätigte bislang nur eine Untersuchung des Falls. Die Konkurrenz fühlt jedenfalls mit Luitz. „Als Athlet verlässt du dich darauf, was Trainer, Ärzte und Verantwortliche sagen“, sagte Marcel Hirscher zum österreichischen Radio Ö3. „Wenn Stefan das gewusst hätte, hätte er das bestimmt nicht gemacht.“ Eine Disqualifikation, die laut Reglement bei einem Verstoß automatisch erfolgen müsste, wäre in Hirschers Augen „ein Wahnsinn“. Wann die FIS eine Entscheidung fällt, ist offen.

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