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Nordische Ski-WM : Deutsche Frauen springen gemeinsam zu Gold

Weltmeisterinnen (v.l.): Katharina Althaus, Ramona Straub, Carina Vogt und Juliane Seyfarth Bild: dpa

Die deutschen Skisprung-Frauen Juliane Seyfarth, Ramona Straub, Carina Vogt und Katharina Althaus gewinnen beim ersten WM-Teamwettbewerb die Goldmedaille vor Österreich. An einem „besonderen Tag“ gelingt ein besonderer Sieg.

          Das fünfte Gold war keine Überraschung. Die deutschen Skisprungfrauen haben es am Dienstag unter Flutlicht für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) gewonnen. Das Quartett um Juliane Seyfarth, Ramona Straub, Carina Vogt und Katharina Althaus hatte schon vor dieser WM-Premiere die zwei bisherigen Mannschaftsspringen dieses Skisprungwinters dominiert. Und als es erstmals in der Geschichte Nordischer Skiweltmeisterschaften ernst wurde und nach der besten aller elf startenden Nationen gefahndet wurde, war klar: Deutschland ist der große Favorit.

          Schon als Ramona Straub als zweite Springerin mit ihrem ersten Versuch über den Bakken gegangen und später bei 106 Metern gelandet war, betrug der Vorsprung 20 Punkte. Und da ja noch insgesamt sechs weitere Sprünge absolviert werden mussten, bahnte sich ein souveräner Sieg an. Doch der Vorsprung schmolz. Er verringerte sich von 20 auf zehn und dann sogar auf nur noch sieben Punkte.

          Druck? „Haben wir nicht“

          Am Ende, vor dem achten Sprung, galt es, acht Punkte Vorsprung zu verteidigen. Eine Aufgabe für Katharina Althaus. Die 22 Jahre alte Oberstdorferin zeigte keine Nerven, landete mit sauberer Telemarktechnik bei 99,5 Metern – und vergrößerte den Vorsprung vor den Österreicherinnen wieder auf 18,6 Punkte. Dritter wurde das junge norwegische Team um die Weltcup-Dominatorin Maren Lundby.

          Gold für Deutschland, Gold für die Favoritinnen, die eine starke Mannschaftsleistung zeigten. „Das ist ein besonderer Tag für uns heute“, sagte Carina Vogt, die 99 und 92,5 Meter weit gesprungen war. „Es ist aber auch ein besonderer Tag für die Sportart insgesamt.“ Die 27-Jährige, die 2014 in Sotschi erste Olympiasiegerin im Frauen-Skispringen geworden war, zeigte sich „megastolz auf das Team. Einfach großartig.“ Gemeinsam mit Juliane Seyfarth, die 98 und 95 Meter weit gesprungen war, sowie der überragenden Ramona Straub, die mit Sprüngen auf 106 und 100 Meter die Beste überhaupt gewesen ist, rannten die drei unmittelbar nach Carina Vogts Landung auf ihre Mannschaftskollegin zu, nahmen sie in den Arm und rissen sie zu Boden. Vier Frauen im Schnee – und ein paar Meter entfernt der Mann, der für den Erfolg des deutschen Frauen-Skispringens verantwortlich ist: Andreas Bauer. „Es war sehr emotional, weil es sehr knapp war“, sagte der 55 Jahre alte Oberstdorfer. „Aber die Mädels haben immer wieder einen rausgehauen. Irgendwie sind wir für Premieren geschaffen.“

          Für Bauer ist das erste weltmeisterliche Mannschaftsgold die Bestätigung seiner Arbeit. Er hatte vehement darum gekämpft, dass seinen Frauen die gleichen Rechte wie den Männern zustehen sollten. Ein zäher Prozess, den der DSV vergangenes Jahr angestoßen hatte. Doch erst vier Wochen vor der WM in Seefeld kam die entscheidende Dynamik hinzu. In einer konzertierten Aktion beantragten das Organisationskomitee sowie der Österreichische Skiverband, das Mannschaftsspringen der Frauen in den WM-Kalender aufnehmen. „Das hat uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen“, sagte Bauer, der die schnelle Entscheidung als „Mega-Erfolg“ bezeichnet.

          Carina Vogt kennt das Gefühl, Weltmeisterin zu werden

          Gold also auf der Toni-Seelos-Schanze. Auf der „großen Kleinschanze“, wie es der Bundestrainer in den Stunden vor dem Wettkampf beschrieb und von den traumhaften Bedingungen bei Kaiserwetter schwärmte. Was sollte da schon schief gehen? Schließlich gab es oben im Anlauf sogar eine gekühlte Spur. Druck? „Haben wir nicht“, sagte Bauer. „Wir müssen unsere Sprünge technisch sauber nach unten bringen.“ Das haben seine Frauen mit Bravour gemacht.

          Auf den angestrebten Gewinn des Weltmeistertitels hatten sich die deutschen Frauen mit Akribie und Präzision vorbereitet. Vor Weihnachten wurden alle freien Zeitfenster dazu genutzt, um in Seefeld zu trainieren. Bauer wusste, was er an seinem Team hat. „Katharina Althaus hat sich mit 22 Jahren nochmals in der Persönlichkeit weiterentwickelt, sie ist der Sonnenschein in unserem Team.“

          An Juliane Seyfarth, die als erste der vier deutschen Springerinnen in den Wettkampf gegangen war, erfreute Bauer besonders, dass sie den Trend gegen den Trend bestätigt habe. „Man kann auch mit 28 noch seinen ersten Weltcupsieg feiern.“ Und dann ist da ja auch noch Olympiasiegerin Carina Vogt. „Sie wird zubeißen, wenn sich eine Chance ergibt“, prognostizierte Bauer. „So wie Eric Frenzel in der Nordischen Kombination.“ Am Dienstag, bei der WM-Premiere im Mannschaftsspringen, haben alle vier Frauen „zugebissen“.

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