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Katharina Althaus und Co. : Der große Traum der Skispringerinnen

Hat den Titel fest im Blick: Skispringerin Katharina Althaus Bild: EPA

Die Skispringer sind den Erwartungen bei der Weltmeisterschaft weit davongeflogen. Nun springen auch die deutschen Frauen erstmals im Mannschaftsverbund um den WM-Titel. Und es gibt nur ein Ziel.

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          Die Männer haben gezeigt, wie es geht. Gold und Silber im Einzel, Gold auch mit der Mannschaft: Der zum Ende dieser Wintersaison aus seinem Amt als Bundestrainer ausscheidende Werner Schuster hat mit seinen Skispringern auf der Innsbrucker Bergisel-Schanze für Hochstimmung in der gesamten deutschen WM-Mannschaft gesorgt.

          Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), zeigte sich überrascht, „dass wir die bisherigen Erwartungen weit übertroffen haben“. Der überragende Erfolg der Flugkünstler um Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe liegt in der jahrelangen akribischen Arbeit begründet, die der 49 Jahre alte Österreicher Schuster beim DSV geleistet hat. Auch deshalb, bestätigte am Montag DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger, wolle man Medaillenschmied Schuster „sehr sehr gerne“ halten. Gelingen könnte dies durch eine neue DSV-Akademie mit einem möglichen Chef Schuster. „Ich bin zuversichtlich, dass uns das auch gelingt.“

          Schuster selbst, der am Sonntagabend mit seinen Weltmeistern im Deutschen Haus des DSV den Gewinn von zwei Goldmedaillen und einem zweiten WM-Platz feierte und wie versprochen einen Doppel-Weltmeister Eisenbichler in Lederhose zu sehen bekam, hielt sich weiterhin mit Aussagen und Spekulationen über seine Zukunft zurück. Auch am Montag, als auf dem Seefelder Hochplateau keine WM-Entscheidung anstand, gab es noch keine verlässlichen Indizien, wer dem Weltmeistermacher Schuster nachfolgen könnte.

          „Mit Abstand das erfolgreichste Team der Saison“

          Andreas Bauer wird es nicht sein. Der nicht minder erfolgreiche Bundestrainer der skispringenden Frauen hat freundlich und dankend ein mögliches Begehren abgelehnt. „Ich bin doch schon ein paar Jahre älter als Werner Schuster. Ich bin 55 und weiß nicht, ob man da noch nach einem neuen Posten streben sollte. Ich bin momentan ganz zufrieden mit meinem Team“, sagte Bauer. Der Skisprunglehrer aus Oberstdorf kann sogar sehr zufrieden mit seiner Mannschaft sein.

          Katharina Althaus während des Weltcups in Oberstdorf
          Katharina Althaus während des Weltcups in Oberstdorf : Bild: EPA

          Seit sich Bauer vor sieben Jahren dem Aufbau des deutschen Teams verschrieben hat, geht es mit den seinen bergab fliegenden Frauen stetig bergauf. An diesem Dienstagnachmittag dürfen sie erstmals im Mannschaftsverbund um den WM-Titel springen – eine überfällige Entscheidung des Internationalen Skiverbandes. „Wir sind mit Abstand das erfolgreichste Team der Saison“, sagte Bauer, der es zwar nicht ausgesprochen hat, aber selbst weiß: Der Weltmeistertitel auf der Seefelder Toni-Seelos-Schanze, auf der seine Frauen in den vergangenen Wochen zwischen 60 und 80 Trainingssprünge absolviert haben, führt nur über Deutschland.

          Das Quartett Katharina Althaus, Carina Vogt, Juliane Seyfarth und Ramona Straub führt derzeit die Nationenwertung mit 1500 Punkten Vorsprung an. Bauer weiß um die Vormachtstellung, doch gleichzeitig ruft er auch zu ständiger Wachsamkeit auf. „Der Zug fährt sehr schnell. Wir müssen Schritt halten.“ Und beispielsweise darauf achten, was sich in Norwegen tut. Dort ist Maren Lundby zu Hause. Die 24 Jahre alte Skandinavierin ist derzeit im Einzel das Maß aller Dinge. Neun Weltcupsiege in diesem Winter sind Ausdruck ihrer großen Dominanz. Bundestrainer Bauer sagte vor der Mannschaftsentscheidung: „Lundby springt überragend. Wir müssen ganz demütig und fokussiert bleiben.“

          Bauer ist mitverantwortlich dafür, dass die Anerkennung des Frauenspringens, in dem die deutschen Sportlerinnen seit Jahren konstant in der Weltspitze vertreten sind, weit vorangeschritten ist. „Irgendwann wird die komplette Gleichstellung mit den Männern kommen. Wir sind schon sehr weit“, sagte er. „Es hat sich eine gewisse Eigendynamik zum Positiven entwickelt.“ Positiv ist auch, dass gleich drei Skispringerinnen des DSV unter den besten fünf im Gesamtweltcup liegen. Althaus ist Zweite, Seyfarth liegt auf Platz vier, Vogt ist Fünfte. Innerhalb von zwei Tagen bietet sich Olympia-Silbergewinnerin Althaus und Co. die Chance, Doppel-Weltmeister Markus Eisenbichler nachzueifern und zweimal in goldene Dimensionen vorzuspringen, bevor zum Abschluss der Skisprungwettbewerbe am Samstag das gemeinsame Mixed-Springen stattfindet. „Wir haben uns riesig gefreut, dass der Teamwettkampf so kurzfristig noch mit aufgenommen wurde. Ich denke, es ist ein guter Schritt, auch im Hinblick auf die Entwicklung unserer Sportart“, sagte Titelverteidigerin Carina Vogt.

          Bauers Frauen – eine starke Gemeinschaft. So wie auch die gesamte deutsche WM-Crew, die erstmals gemeinsam in einem Hotel wohnt. Skispringer, Nordische Kombinierer und Langläufer unter einem Dach mit dem Team hinter dem Team: „Das ist einfach großartig“, sagte DSV-Präsident Steinle. „Das Team hat sich zusammengefunden.“ Teamspirit als Schlüssel zum Erfolg, der bislang durch den Gewinn von vier Weltmeistertiteln zum Ausdruck kommt. „Unsere Erwartungen sind weit übertroffen“, sagte Steinle. Seine Sportdirektorin, die empfahl, in der zweiten WM-Woche „jetzt keinen Höhenflug zu bekommen“, ergänzte: „Es ist ein grandioser Start.“

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