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WM in Oslo : Deutsche Skispringer gewinnen Bronze im Team

  • -Aktualisiert am

Im Grau zu Bronze: Die deutsche Mannschaft springt in Oslo auf Platz drei Bild: AFP

Platz drei bei der WM in Oslo: In der Besetzung Martin Schmitt, Michael Neumayer, Michael Uhrmann und Severin Freund holen die Deutschen auf der Normalschanze Bronze. Top-Favorit Österreich gewinnt, Gastgeber Norwegen sichert sich Silber.

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          Als Severin Freund nach dem Sprung auf 105,5 Meter im Schnee des Auslaufs gelandet war, als er fluchend nach diesem Sturz dort unten saß, stockte seinem Trainer oben auf dem Turm und stockte seinen Mannschaftskameraden der Atem. Dem Schreckmoment folgte wenig später der Jubel: Es reichte, der Punktabzug warf die deutschen Skispringer nicht dramatisch zurück. Sie sicherten sich bei den nordischen Skiweltmeisterschaften in Oslo im Teamwettbewerb von der Normalschanze die Bronzemedaille, hinter Österreich und Norwegen und vor Polen mit einem überragenden Adam Malysz.

          „Bei der Landung war der Druck so groß, dass es mir hinten den Stöpsel rausgehauen hat. Dann wird es sehr schwer, den Sprung zu stehen. Wir haben super gekämpft“, sagte Freund später. „Mit einer Medaille sind wir immer zufrieden“, sagte Martin Schmitt, der endlich einmal wieder strahlen konnte. „Mit dem Sturz muss man erst mal Dritter werden. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Mannschaftsleistung - wir sind durch die Bank sehr gut gesprungen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

          „Österreich marschiert vorneweg, und dahinter ist alles möglich.“ Natürlich hatte Michael Uhrmann sich und seine drei Kollegen im Sinn, als er seine nicht so überraschende Prognose abgab. Wie gesagt: Österreich (1025,5 Punkte) marschierte vorneweg, mit Einzelweltmeister Thomas Morgenstern an der Spitze, doch Michael Uhrmann, Martin Schmitt, Michael Neumayer und Severin Freund hatten sich diese Bronzemedaillen (968,2 Punkte) als Dritte hinter den Norwegern (1000,5) redlich verdient. Auf diesen Erfolg hatte Bundestrainer Schuster schon im gesamten Verlauf der Saison hingearbeitet. „Es ist eben so, dass bei einer WM nur die Medaillen zählen“, sagte Severin Freund. Der 22-jährige Niederbayer hatte insgeheim schon mit einer im Einzelwettbewerb am Samstag geliebäugelt, am Ende wurde er Siebter - und war zufrieden mit diesem Ergebnis bei seinem ersten WM-Einsatz.

          Deutsches Team ausgeglichen

          Anders als bei der letzten WM 2009 (Platz zehn) präsentierte sich das deutsche Team am Sonntag sehr ausgeglichen. Ein Martin Schmitt in Hochform - am Samstag war er 14. geworden - schaffte als erster Springer die nötige Sicherheit; am Ende war er der Beste im Quartett. „Ich habe zwei Supersprünge auf hohem Niveau gemacht“, sagte er, „sie sind auf den Punkt zu hundert Prozent gekommen.“ Michael Neumayer, beim Einzelwettbewerb nur Zuschauer - Trainer Schuster hatte Pascal Bodmer den Vorzug gegeben, der aber konnte nicht überzeugen -, wandelte seinen Frust in zwei ordentliche Sprünge um.

          Uhrmann, Elfter am Tag zuvor, reckte zweimal die Arme in die Höhe, als er gelandet war: Er konnte mit der Weltspitze mithalten. Severin Freund weiß, dass er derzeit die Nummer eins in diesem Team ist - und war schließlich überglücklich, dass sein Missgeschick nicht die Medaille gekostet hatte. Schon im ersten Durchgang hatte er mit 105 Metern sein Soll mehr als erfüllt.

          Österreicher beherrschen das Skispringen

          Wer auf Thomas Morgenstern und die Österreicher - neben dem Einzelsieger traten Gregor Schlierenzauer, Andreas Kofler und Andreas Koch an - gesetzt hatte, war kein Risiko eingegangen. „Die Österreicher sind einfach momentan die Besten der Welt“, sagte Adam Malysz, der am Samstag hinter Morgenstern und dessen Mannschaftskollege Andreas Kofler Dritter geworden war.

          Die Österreicher beherrschen das Skispringen in dieser Saison und schöpfen aus einem Reservoir wie kein anderer Verband. Auch Norwegen, das so gern im eigenen Land Paroli bieten würde, reichte am Ende bei weitem nicht an das Team von Trainer Alexander Pointner heran: 25 Punkte Abstand sind eine Welt im Skispringen.

          Morgenstern hat sich mit sieben Siegen schon vorzeitig den Weltcup gesichert. Und doch wirkte der Olympiasieger 2006 nach seinem Einzel-Triumph am Samstag, als sei dies wirklich ein ganz besonderer Erfolg. „Es ist verrückt, ein verrückter Tag“, sagte er. In Oslo zu gewinnen, am Holmenkollen, das habe er sich lange gewünscht. Ein paarmal war er nah dran. „Ich habe gewusst, irgendwann wird der Tag kommen - und jetzt ist mein Traum in Erfüllung gegangen.“ Dass es gerade bei den Weltmeisterschaften klappte, erfüllte ihn „mit Dankbarkeit“.

          Platz an der Sonne

          Der Weg zu diesem Titel sei für ihn das Wichtigste; er hat ihn nicht nur über Höhen geführt. Morgenstern ist mit den Enttäuschungen gewachsen. Er hat sich mentale Hilfe geholt, wirkt inzwischen oft in sich gekehrt. Er ist erwachsener geworden, und statt des jugendlich frechen Lachens zeigt der Kärntner häufig ein nachdenkliches Gesicht. Er hat sich seinen Platz an der Sonne, den er zwischendurch an den jungen Überflieger Gregor Schlierenzauer verloren hatte, wieder erobert.

          „Der Sieg ist gut für mein Herz“, sagte er. Viele Menschen hätten für ihn gearbeitet, „ich habe eine wunderbare Saison - ich danke dafür“. 1991 war Heinz Kuttin Weltmeister, er ist Morgensterns Trainer. „Er hat mir gesagt, ich solle es ihm einfach nachmachen“, berichtete Morgenstern. Gesagt, getan.

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