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Staffel verpasst WM-Medaille : Wenn der Kopf beim Biathlon rattert

Nervensache: Denise Herrmann zielt im Stehen zu oft vorbei. Bild: AP

Nur Platz vier im ersten Wettbewerb bei der Biathlon-WM: Die deutsche Mixed-Staffel fremdelt mit dem Schießstand. Norwegen siegt ungefährdet.

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          Das Treppchen gegenüber der kunterbunten Zuschauerwand blieb diesmal unerreichbar. Und dieser bitteren Tatsache konnte sich Arnd Peiffer nicht verschließen. „Wir sind schon enttäuscht“, sagte der 32 Jahre alte Niedersachse, „denn wir haben unser Ziel nicht erreicht.“ Und das war klar definiert: Eine Medaille bei der Ouvertüre der Biathlon-Weltmeisterschaft am Donnerstag in der Südtirol Arena von Antholz. Aber am Ende musste die deutsche Mixed-Staffel im Ziel aus respektvoller Distanz mitansehen, wie die anderen jubelten: Die Norweger, die ihrer Favoritenrolle gerecht geworden waren, noch überschwänglicher die Italiener, die sich bei ihrem Heimspiel gleich bei erster Gelegenheit im Silberglanz sonnen durften, und schließlich das Team aus der Tschechischen Republik, das mit Platz drei die Überraschung des Tages war.

          Dann erst, mit 19 Sekunden Rückstand auf Bronze, kam das deutsche gemischte Quartett auf den Rang, den keiner so richtig mag. „Platz vier ist das eine, aber entscheidend ist, was im Rennen passiert“, sagte Peiffer, der Olympiasieger von Pyeongchang, „und da wir haben eindeutig zu viele Nachlader gebraucht.“ Vor allem im Stehendanschlag. Insgesamt zehn an der Zahl, plus einer Strafrunde. Und das bei leicht beherrschbaren Bedingungen. Zum Vergleich: Die Norweger kamen mit sieben Zusatzpatronen aus, die Italiener brauchten sechs, die Tschechen gar nur zwei.

          Wechsel auf Rang elf

          Aber so ist das, wenn man von Anfang an unter Zugzwang gerät. So wie die Deutschen. Startläuferin Franziska Preuß, ansonsten die verlässlichste Schützin im Team, bekannte nach drei Nachladern; „Ich weiß, dass ich besser schießen kann, aber da war heute der Wurm drin. Stehend war es extrem wacklig, da war ich froh, dass ich nur zwei Nachlader gebraucht habe.“ Und läuferisch? „Da muss ich bei einer Konkurrentin wie Marte Olsbu Röiseland schon ganz schön draufdrücken, dass ich da mitkomme“, sagte die 26 Jahre alte Bayerin. Kam sie aber nicht. 34,9 Sekunden Rückstand, Wechsel auf Rang elf, auf die beste Läuferin im Team.

          Aber Denise Herrmann, die losfegte wie die Feuerwehr und Sekunde um Sekunde aufholte, bekam dann im Stehendanschlag die Quittung: Strafrunde trotz dreier Nachlader: „Die Fehler waren alle rechts hoch, wahrscheinlich stand ich nicht ganz sauber im Anschlag.“ Und irgendwann fängt dann der Kopf an zu rattern, vor allem wenn die Strafrunde droht: „Du denkst, den musst du jetzt aber treffen.“ Aber im Biathlon führen solche Gedanken selten zu Treffern. Die 31 Jahre alte Sächsin war auch nicht der Ansicht, dass sie beim Versuch, Boden gutzumachen, das Tempo überzogen habe. Im Gegenteil: „Vielleicht hätte ich vor dem Schießen noch überholen sollen, denn sonst hat man zu viel Zeit zum Nachdenken. Mir tut es jedenfalls leid für die anderen.“

          Aus dem Plan, Arnd Peiffer in einer möglichst guten Position ins Rennen zu bringen, wurde nichts. Aber auch der Niedersachse, mit 42,7 Sekunden Rückstand auf die Strecke gegangen, musste im Stehendanschlag zittern, kam aber mit zwei Zusatzpatronen davon. Auch seine Aufholjagd geriet ins Stocken. „Wir hatten immer so eine kleine Hypothek dabei, und die vorne habe sich keine großen Fehler erlaubt“, sagte Schlussläufer Benedikt Doll, „da war es schwer, nach vorne zu kommen.“ Aber der ist nicht dazu angetan, die erhoffte Gruppendynamik in Gang zu setzen. „Eine Medaille in der gemischten Staffel wäre für das Team wünschenswert, weil man mit einem positiven Einstieg einen Flow bekommt, der das ganze Team die nächsten Tage pusht“, hatte Denise Herrmann gesagt. So wie 2019 in Östersund, als das deutsche Quartett Silber gewann.

          Den psychologischen Schub haben jetzt erst mal andere. Johannes Thingnes Bö oder seine norwegische Kollegin Tiril Eckhoff etwa. Beide haben auf jeden Fall schon mal ihr erstes Gold in der Tasche. Die Deutschen hingegen müssen sich erst einmal schütteln, um die erste Enttäuschung hinter sich zu lassen. Aber sie waren nicht die einzigen, die einen Dämpfer einstecken mussten. Die Franzosen, Olympiasieger in dieser Disziplin, landeten trotz Martin Fourcade sogar nur auf Platz sieben. Was dieser erste Wettkampf für Konsequenzen für den weiteren Verlauf der WM hat, vermag keiner zu sagen, aber die Mixed-Staffel gilt für die Spitzenkräfte schon so etwas wie ein Testlauf unter Wettkampfbedingungen, ein hochintensives Warm-up. Und das hat zumindest ergeben, dass die deutschen Skijäger mit dem Schießstand in Antholz noch fremdeln.

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