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Skispringen : Männer weit, Frauen weiter

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Die Beste in Lillehammer: Katharina Althaus siegt. Bild: Reuters

Eine Sportart, zwei Gefühlswelten: Während die Männer in Russland etwas zu inkonstant springen, sorgen die deutschen Skispringerinnen für einen Doppelsieg. Katharina Althaus übernimmt zudem die Weltcup-Führung.

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          Die Szene passte zum insgesamt unerfreulichen Weltcup-Wochenende der deutschen Skispringer: Nach einem eigentlich guten Sprung kreuzten sich die Ski-Enden von Richard Freitag bei der Landung, der 27-Jährige stürzte und eine bessere Ausgangsposition für den 2. Durchgang war dahin. „Ich teste ein bisschen die Helme“, kommentierte Freitag seinen Fauxpas am Sonntag. Die humorvolle Bewertung konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die DSV-Adler im russischen Nischni Tagil nicht an ihre Top-Form herankamen. Platz vier von Stephan Leyhe am Samstag und Karl Geigers fünfter Rang am Sonntag - mehr war am Wochenende nicht drin zumindest für die Männer.

          Die Frauen hingegen jubelten: Katharina Althaus und Ramona Straub haben im norwegischen Lillehammer für den zweiten deutschen Doppelsieg der Weltcup-Geschichte gesorgt. Die Olympiazweite Althaus feierte auf dem großen Olympia-Bakken von 1994 den fünften Sieg ihrer Karriere, für Straub war es der erste Podestplatz der Laufbahn. Das Team von Bundestrainer Andreas Bauer verbuchte damit das beste Ergebnis seit dem Dreifach-Triumph am 12. Februar 2017 in Ljubno (Slowenien). "Das sprengt alle Erwartungen, das hätten wir in den kühnsten Träumen nicht erwartet. Für uns ist das unglaublich", sagte Bauer. Althaus, die schon im Vorjahr in Lillehammer gewonnen hatte, meinte: "Das war ein tolles Wochenende, heute hat alles gepasst. Ich bin glücklich, wieder ganz oben auf dem Podest zu stehen. Ich wusste, dass ich auf großen Schanzen sehr gut springen kann."  Auch Straub war überglücklich: "Dieses Ergebnis habe ich nicht erwartet. Jetzt freue ich mich darauf, nächste Woche auf meiner Heimschanze in Titisee-Neustadt zu springen." Althaus übernahm mit 200 Punkten zudem die Führung im Gesamtweltcup vor Juliane Seyfarth (177), die am Freitag auf der Normalschanze ihren ersten Karrieresieg geholt hatte.

          Seyfarth wurde am Sonntag in einem Traumwettkampf für das deutsche Team Achte, einen Rang hinter Olympiasiegerin Carina Vogt.

          Vorbei am Podium

          Bei den Männern herrschte indes Rätselraten vor. „Es waren bei keinem Springer zwei Top-Sprünge dabei und so konnten wir nicht aufs Podest springen“, sagte Werner Schuster im ZDF. Der Bundestrainer hob am Sonntag „die kompakte Mannschaftsleistung“ hervor. Alle seine Schützlinge erreichten beim Sieg des Japaners Ryoyu Kobayashi den zweiten Durchgang. Wirklich glücklich war danach nur Geiger: „Es war im zweiten Durchgang nicht leicht und ich bin mega happy“, sagte er nach dem Wettkampf mit wechselnden Bedingungen.

          Markus Eisenbichler belegte als zweitbester Deutscher den zehnten Platz - und war nicht ganz zufrieden. „Es fehlt so ein bisschen die Selbstverständlichkeit und das Selbstvertrauen, aber ich glaube, das kommt wieder“, sagte er.

          Die Selbstverständlichkeit fehlt auch bei Severin Freund noch - logischerweise. Für den 30-Jährigen geht es nach dem Comeback vor einer Woche darum, sich langsam wieder an die absolute Weltspitze heranzuarbeiten. Nach einem ordentlichen ersten Sprung hatte er im 2. Versuch Pech mit dem Wind und wurde am Ende 30. Tags zuvor war er auf Platz 22 gelandet.

          „Step-by-Step“ nach vorn, so lautet nach zwei Kreuzbandrissen das Motto des Mannschafts-Olympiasiegers von Sotschi 2014. „Es bleibt mir ja nichts anderes übrig, als jeden Sprung mitzunehmen, den ich bekomme, und dann an den Baustellen zu arbeiten, die doch noch etwas zahlreicher sind.“

          Olympiasieger und Vorjahresgewinner Andreas Wellinger kam am Sonntag auf Rang 13, Leyhe wurde 25. Pechvogel Freitag belegte Rang 31 - und hatte wie seine Teamkollegen anschließend wenig Zeit zum Grübeln. Direkt nach dem Wettkampf ging es schnell ins Hotel: Tasche packen und dann ab zum Flughafen, noch in der Nacht stand der Rückflug an. Am kommenden Wochenende bietet der Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt die nächste Chance, zur sportlichen Steigerung.

          Biathleten starten enttäuschend

          Das hatten sich die deutschen Biathleten anders vorgestellt. Ohne die am Comeback arbeitende Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier reichte es beim Weltcup-Auftakt im slowenischen Pokljuka für Vanessa Hinz, Denise Herrmann, Philipp Horn und Benedikt Doll in der Mixed-Staffel nur zu Rang sieben. Und für Franziska Hildebrand und Erik Lesser in der Single-Mixed zu Platz acht. „Das ist extrem ärgerlich. Vier Scheiben fallen ohne Probleme und dann beißt man sich an einer Scheibe die Zähne aus“, sagte Doll im ZDF. Er musste ebenso wie Weltcup-Debütant Horn in die Strafrunde. Das war auch Lesser zuvor im Duett mit Hildebrand passiert. Die Siege gingen in der Mixed an Frankreich und in der Single-Mixed an Norwegen.

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