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Start der DEL : Das Signal der Spieler

  • -Aktualisiert am

Bald wieder live: Die DEL geht in die 100. Saison – mit dabei sind auch die Kölner Haie mit Frederik Tiffels (l.) und die Düsseldorfer EG mit Torwart Mathias Niederberger. Bild: dpa

Deutschland geht in den Lockdown – und die Deutsche Eishockey Liga startet dennoch in ihre Saison. Dabei ist eines ganz besonders klar: Ohne die Spieler wäre das nicht möglich gewesen.

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          Der Kontrast könnte kaum größer sein: Das Land befindet sich seit Mittwoch im Lockdown, und ausgerechnet in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), in der seit Monaten überall Stillstand herrschte, fährt der Betrieb an diesem Donnerstag wieder hoch. Vieles von dem, was auf alle Beteiligten in dieser Ausnahmesituation zukommen wird, lässt sich nicht vorhersagen, allenfalls eines mit Gewissheit prognostizieren: Es wird eine verkürzte Notsaison, die nur noch wenig mit dem zu tun hat, was in der Vergangenheit in der DEL zur Tagesordnung gehörte; an allen Standorten bedarf es eines Höchstmaßes an Flexibilität, um im Falle der Fälle improvisieren zu können.

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          Nur so wird – begleitet von den Unwägbarkeiten der Corona-Krise – das große Ziel erreichbar bleiben: Nach der bis zum 19. März terminierten Hauptrunde sollen die Play-offs beginnen, an deren Ende dann die Kür des 100. deutschen Eishockey-Meisters steht. Die Ausgangslage ist kompliziert, doch sie bietet auch Chancen.

          Fakt ist, dass es der DEL gelang, an ihrer komplexen Kostenstruktur zu arbeiten. Keine Hallensportart ist in ihrer Organisation so teuer wie die Jagd nach dem Puck, für die, bedingt durch Kadergröße, Material- und Energieausgaben sowie den Unterhalt der Arenen, Summen verschlungen werden, die sich durch Sponsoren nicht refinanzieren lassen; die TV-Einnahmen belaufen sich auf einen Bruchteil dessen, was zum Beispiel die Deutsche Fußball Liga in ihrem Milliardenbusiness verteilen darf.

          Auch der zuletzt vielerorts in der DEL gestiegene Besucherschnitt verwandelte sich in Zeiten der Pandemie zum Geisterspiel-Fluch. Dass sich die Teams nun aber trotz allem ans Werk machen können, haben sie vor allem einer Partei zu verdanken, die zu immer größeren Zugeständnissen bereit war und so nach wochenlangem Lavieren der Manager einen Ausweg aus der Sackgasse aufzeigte: der Fraktion der Spieler. Ohne ihr Einverständnis, auf bis zu sechzig Prozent des zuvor vereinbarten Gehalts zu verzichten und Neuverträge zu Mindestlohn-Konditionen zu akzeptieren, wäre der Restart nicht denkbar gewesen.

          Die neugegründete Spielervereinigung hat es daher verdient, künftig wie eine Gewerkschaft unter Tarifpartnern als Interessenvertreter auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Mit einem „Weiter so“, das dürfte inzwischen auch dem letzten Besitzstandswahrer an der Spitze der durch die Bank hochverschuldeten Klubs dämmern, ist niemandem gedient. Schließlich ist klar: Kompetenz und Weitsicht seiner Entscheidungsträger werden die Leistungsfähigkeit des deutschen Eishockeys über diesen Winter hinaus definieren. Das Virus ist momentan an vielem schuld. Aber nicht an allem.

          Eishockey zum Mindestlohn

          Mit dem prestigeträchtigen Duell zwischen den Kölner Haien und der Düsseldorfer EG startet an diesem Donnerstag (19.30 Uhr bei Magenta Sport) die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in die Saison. Beide Vereine gehören zu den insgesamt 14 Klubs, die aufgrund der Corona-Krise mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Haie-Geschäftsführer Philipp Walter berichtete, dass sein Verein mit Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent kalkuliere.

          Zuletzt betrug der Etat des achtmaligen Meisters rund zwölf Millionen Euro. Drei Viertel der Einnahmen stammten dabei aus dem Verkauf von Eintrittskarten für die Kölner Arena, die 18.500 Zuschauer fasst, nun aber aus Sicherheitsgründen leer bleiben muss. Der Amerikaner Mike Zalewski unterschrieb einen Vertrag bei den Haien, in dem er sich bereit erklärte, für den gesetzlichen Mindestlohn, 9,50 Euro pro Stunde, zu arbeiten.

          Auch die anderen Klubs haben ihre Etats drastisch reduziert – von 130 Millionen Euro ligaweit um fünfzig Prozent, wie Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, am Mittwoch berichtete. Uwe Krupp, der Kölner Trainer, sagte, es bringe nichts „zu lamentieren, sondern wir müssen die Ärmel hochkrempeln“. Alle DEL-Spieler werden bis auf weiteres dreimal wöchentlich einen Corona-Test absolvieren. (mah.)

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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