https://www.faz.net/-gtl-a9w7g

Probleme im Eishockey : „Die Spieler sind echt nicht zu beneiden“

  • -Aktualisiert am

Der Puck rutscht überraschend problemlos wieder über das Eis, doch ohne Sorgen ist auch die Deutsche Eishockey Liga nicht. Bild: Picture-Alliance

Gutes Niveau auf dem Eis, hohe TV-Zahlen, kaum Corona-Fälle: Die DEL kommt erstaunlich gut durch ihre Not-Saison. Besonders die Spieler schauen dennoch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

          3 Min.

          Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist bislang erstaunlich gut durch ihre Not-Saison gekommen: ordentliches Niveau auf dem Eis, enorme Steigerungen bei den TV-Zahlen, kaum Corona-Fälle. Bis auf die Grizzlys Wolfsburg Anfang Februar musste kein Team in Quarantäne, sämtliche Spiele innerhalb der beiden Regionalgruppen fanden statt. Und am Wochenende hat nun auch die „Wiedervereinigung“ zwischen Norden und Süden begonnen.

          Verpassen Sie keinen Moment

          Sichern Sie sich F+ 3 Monate lang für 1 Euro je Woche und lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Den Anfang machten Franken und Sauerländer, Nürnberg schlug Iserlohn 7:3. Die Hoffnung, nach dem Abbruch der Vorsaison 2021 wieder einen Eishockeymeister küren zu können, ist groß in der DEL-Zentrale in Neuss. Und noch wichtiger: Obwohl sich der Gesamtumsatz von zuvor etwa 130 Millionen Euro pro Jahr nahezu halbiert hat, musste kein Klub wegen fehlender Fans in den Hallen die Segel streichen.

          Besonders die Spieler schauen dennoch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft, hatten sie den Start der aktuellen Saison doch erst durch ihren Gehaltsverzicht ermöglicht. An manchen Standorten bekommen sie gerade mal 40 Prozent der vertraglich vereinbarten Summe. Es sollte eine einmalige Geste sein, die „Corona-Klauseln“ gelten nur bis Saisonende. Doch es sieht aus, als ginge es danach so weiter.

          „Viele Gespräche, wenig Abschlüsse“

          „Spieler mit wiederauflebenden Verträgen, die den ursprünglichen Vertragswert haben, sind schon ein Problem“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Da wird es bei dem ein oder anderen Gespräche geben, und da ist der Wille bei den Spielern, noch ein zweites Jahr zu verzichten, vermutlich ein anderer.“

          Selbst gestandene Eishockeyspieler haben in Deutschland nämlich nicht ausgesorgt, das Durchschnittsgehalt in der DEL beträgt dem Vernehmen nach um die 70.000 Euro netto. Gerade junge Spieler oder solche, die in den hinteren Reihen eingesetzt werden, bekommen auch mal nur die Hälfte. Da sind zwei Jahre mit gehörigen Einbußen schwer zu verkraften. Die Spieler seien „echt nicht zu beneiden“, sagt Tripcke.

          Das gilt vor allem für die, die noch keinen Vertrag für die kommende Saison haben. Früher wurde ein Großteil der neuen Arbeitspapiere um den Jahreswechsel unterschrieben, dann wussten die Spieler, wer sie vom Sommer an bezahlt. Nun sieht das anders aus. „Sehr viele Gespräche, aber wenig Abschlüsse“, sagt Klaus Hille, einer der einflussreichsten Spielerberater der Branche.

          „Die Vereine sind verhältnismäßig zurückhaltend, weil sie nicht wissen, wie es im August, September aussieht.“ Wie viele Zuschauer dürfen in die Hallen? Wollen alle Fans wiederkommen? Welcher Sponsor ist noch dabei? Klappt das mit den neuen Staatshilfen? Alles unklar. Damit auch die Etats. Und wer nicht weiß, wie viel Geld er zur Verfügung hat, der lässt erst mal viele Planstellen offen.

          „Normalerweise sind um diese Zeit im Jahr 80 Prozent der Kaderplätze für die nächste Saison vergeben, mit fixen Verträgen. Ich würde sagen, im Schnitt sind momentan nicht mal 50 Prozent geschlossen, und der größte Teil sind solche, die ohnehin weiterlaufen“, sagt Liga-Chef Tripcke. „Es sind bisher sehr wenige neue Verträge geschlossen worden.“ Und wenn, sind das meist die von Nationalspielern oder anderen Leistungsträgern. Der große Durchschnitt muss warten. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das kurzfristig ändern. Für Dutzende Eishockeyprofis bleibt bald nur der Gang zum Arbeitsamt.

          Das weiß auch Niki Mondt: „Wir haben einfach noch keine Planungssicherheit und haben noch keinen einzigen Spieler verpflichtet“, sagt der Manager der Düsseldorfer EG, der Stand jetzt nur sieben Spieler für die neue Saison unter Vertrag hat. Sorgen, dass die, denen er noch nichts anbieten kann, nun reihenweise verschwinden, hat er dennoch nicht: „Bis jetzt ist es allgemein sehr ruhig, was Transfers betrifft. Mir hat auch noch kein Spieler oder dessen Agent mitgeteilt, dass er jetzt Bescheid wissen muss, weil er sonst weg wäre“, sagt Mondt, der seine Spieler schon vorgewarnt hat, dass sie erst mal warten und eventuell wieder verzichten müssen. „Natürlich ist keiner begeistert wegen der Planungsunsicherheit, aber ich kann es ja nicht ändern.“

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          Derweil diskutieren Liga, Klubs, Berater und Spielervereinigung mögliche Vertragsmodelle. Eines könnten „Teils-teils-Verträge mit einer gewissen Garantie und einem hohen Bonusanteil“ sein, sagt DEL-Chef Gernot Tripcke. Der Bonus soll aber nicht wie üblich an sportlichen Kriterien wie Play-offs oder Meisterschaft hängen, sondern „am wirtschaftlichen Erfolg, insbesondere der Rückkehr von zahlenden Fans“.

          Auch in Düsseldorf denken sie darüber nach: „Was kriegt der Spieler bei wie vielen Zuschauern? Bekommen wir eine weitere Staatshilfe? Es geht darum, wer welchen Schaden auffängt oder auffangen kann“, sagt Mondt. Spielerberater Hille hält das für eine faire Lösung: „Das wäre eine Vorgehensweise, die das Risiko verteilt.“ Nur wann das passiert, steht in den Sternen. Bis 30. April gelten die aktuellen Verträge, dann heißt es für zahlreiche Eishockeyprofis: warten und hoffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In einem mobilen Impfzentrum im sächsischen Markkleeberg lässt sich eine Bürgerin am 10. Mai 2021 gegen Covid-19 impfen.

          Repräsentative Studie : Was die Sachsen über Corona denken

          Ist Sachsen ein Land der „Querdenker“? Ja und nein, ergab eine repräsentative Studie. Besonders weit gehen die Meinungen bei Leuten auseinander, die selbst eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben.
          Ein Containerschiff läuft aus dem Hafen von Yantian aus

          Hafen von Yantian : Mega-Stau lähmt den Welthandel

          Unternehmen warten jetzt schon wochenlang auf Waren. Nun droht ein noch größerer Engpass als nach dem Stillstand im Suezkanal: Der Verkehr im Containerhafen Yantian in Shenzhen ist zur Hälfte lahmgelegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.