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Biathlon-WM : Herrmann holt Bronze im Wind von Östersund

Denise Herrmann bejubelt ihren dritten Platz beim Massenstart der Biathlon-WM in Östersund. Bild: dpa

Mit Bronze im Massenstart rundet Denise Herrmann in Östersund einen guten deutschen WM-Auftritt ab. Dabei hielt der skandinavische Winter für dir Biathleten am letzten Tag nochmal eine besondere Herausforderung parat.

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          Zum Abschluss war es noch mal richtig ungemütlich im Jämtland. Da fegte ein kleiner Schneesturm durch die WM-Arena von Östersund, so als wollte der skandinavische Winter die Biathleten beim Massenstart noch einmal vor eine besonders harte Schlussprüfung stellen. Und es erwischte sie reihenweise, die Favoriten. Ausgerechnet beim letzten Schießen. Der Norweger Johannes Thingnes Bö, in Führung liegend, traf keine einzige Scheibe, Jewgeni Garanitschew aus Russland schoss dreimal daneben, genau wie der Deutsche Benedikt Doll, der auf Bronze-Kurs lag. Und die Männer aus dem Hintergrund nutzten ihre Chance und das günstigere Zeitfenster. Am Ende stand mit dem Italiener Dominik Windisch einer ganz oben, der 2016 seinen bislang einzigen Weltcupsieg errungen hatte und ziemlich verblüfft reagierte: „Was, ich vorne?“ Zweiter wurde der Franzose Antonin Guigonnat vor Julian Eberhard aus Österreich. Arnd Peiffer und Doll, die lange das Rennen mitbestimmt hatten, blieben nur die Plätze sechs und acht.

          „Es war brutal langsam heute“, sagte Peiffer, „und am Schießstand hat es sich komisch angefühlt, weil man immer gehört hat, wie die Schüsse vorbeiklatschen.“ „Es war extrem windig im letzten Stehendanschlag“, ergänzte Doll. Aber die beiden Deutschen, die einen Tag zuvor zusammen mit Erik Lesser und Roman Rees in der Staffel Silber hinter Norwegen erkämpft hatten, wissen aus Erfahrung, dass man Tage wie den Sonntag einfach hinnehmen muss. Cheftrainer Mark Kirchner ist da ohnehin äußerst gelassen: „Man kann nicht immer oben stehen“, sagt er. Und doch gelingt es dem Thüringer immer wieder, beim Saisonhöhepunkt wenigstens einen seiner Biathleten auf die oberste Stufe des Treppchens zu bringen. In Östersund war es Peiffer, der mit seinem Titel im Einzel sogar Frieden mit dieser ungeliebten Disziplin geschlossen hat. „Dem Arnd hat man früher mal gesagt, er soll schnell schießen, weil er eh nichts trifft. Jetzt ist er mit Abstand der Konstanteste im Team“, sagt Kirchner. Peiffer selbst sprach von „einer Super-WM für mich persönlich. Mit den beiden Staffeln noch Silber, das hat funktioniert.“

          Was zur deutschen Gesamtbilanz führt. Sieben Medaillen, davon zwei aus Gold, dazu noch drei vierte Plätze: Für Kirchner Grund genug, ein „eindeutig positives Fazit“ zu ziehen. Wenngleich Rang vier der deutschen Frauenstaffel am Samstag in die Rubrik Enttäuschung gehört: ein Schießstand-Desaster mit 14 Nachladern, einer Strafrunde und betretenen Mienen. „Wir haben uns unter Wert verkauft“, sagte Denise Herrmann, „da sieht man, wie schnell man wieder auf dem Boden landet.“ Die 30 Jahre alte Oberwiesenthalerin hat ihren wachsenden Wert für das deutsche Team unterstrichen. Mit Gold in der Verfolgung, Silber in der Mixed-Staffel und Bronze am Sonntag im Massenstart war sie in Östersund dank ihrer Laufstärke die erfolgreichste deutsche Biathletin.

          Beim Schlussakt am Sonntag kamen ihr die widrigen Umstände sogar entgegen. „Ich wusste, dass alles passieren kann am Schießstand. Weil du es nicht selbst in der Hand hat, wenn dich eine Windbö erwischt. Dann machst du dir gar nicht groß Gedanken, sondern arbeitest Schuss um Schuss ab.“ Jetzt hat sie nach drei Jahren Biathlon mehr Erfolge aufzuweisen als in ihrer gesamten Langlauf-Karriere. Der Umstieg hat sich gelohnt, und in ihrem Alter kann man so etwas genießen und vor allem die Dinge richtig einschätzen. „Mit 30 Jahren weiß man viel besser, wie viel Arbeit darin steckt. Wie viele Personen Energie in dich gesteckt haben. Es ist eine Genugtuung, dass es so aufgegangen ist.“

          Genugtuung wäre bei Laura Dahlmeier nach dieser schwierigen Saison sicher das falsche Wort. Die Null stand leider nicht so felsenfest, wie man das von der zweifachen Olympiasiegerin gewohnt ist. Das galt vor allem für den Massenstart, eine ihre Stärken. „Vier Fehler, das war einfach zu viel heute“, sagte die 25 Jahre alte Bayerin am Sonntag nach Platz sechs. Aber wegen der Erkältung zu WM-Beginn fiel ihr Gesamt-Fazit doch verhalten positiv aus. Und ein Lob für Denise Herrmann hatte sie auch parat. „Die Denise hat läuferisch noch mal eine Schippe draufgelegt. Und am Schießstand ist es auch aufgegangen, Sie hat zum Saisonhöhepunkt ihre beste Leistung abgerufen – Chapeau.“ Viel mehr Lob gab es auch nicht zu verteilen.

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