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Biathlon-Sieg von Herrmann : „Das war ganz verrückt“

Denise Herrmann läuft in Pokljuka nicht nur schnell, sie trifft auch alle Scheiben. Bild: EPA

Noch nie traf Biathletin Denise Herrmann bei einem Weltcup-Rennen bei vier Schießen alle Scheiben. Nun gelingt ihr das Kunststück. Bei ihrem Sieg in Pokljuka ist auch eine andere Deutsche gut in Schuss.

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          Da schüttelte selbst Denise Herrmann im Ziel ein wenig ungläubig den Kopf. 20 Schuss, null Fehler. Kaum zu fassen. Aber dann sickerte bei ihr langsam durch, was ihr da im slowenischen Biathlonzentrum Pokljuka gerade passiert war: der nahezu perfekte Wettkampf. Noch dazu in der Biathlon-Disziplin, in der ihre Chancen normalerweise am geringsten sind. Im Klassiker über 15 Kilometer, wo jeder Fehlschuss mit einer Strafminute geahndet wird, war sie bislang bestenfalls auf Rang 18 gelandet. Und jetzt siegt sie fast mit einer Minute Vorsprung vor der Weltmeisterin und Olympiasiegerin Hanna Öberg aus Schweden und der Französin Anais Bescond.

          Natürlich weiß inzwischen jeder im Biathlon-Zirkus, dass die ehemalige Langläuferin immer zu den Sieganwärterinnen zählt, sofern sie am Schießstand mit null Fehlern durchkommt. Was selten genug passiert, und damit zusammenhängt, dass sie eben erst ihre vierte Saison mit dem Kleinkalibergewehr auf dem Rücken bestreitet. Und dann fegt sie am Freitag über die selektive Strecke, auf der sie ihre läuferischen Fähigkeiten so richtig ausspielen kann, trifft mit jedem ihrer 20 Schüsse die schwarzen Scheiben – und steht am Ende freudestrahlend im Kunstschnee von Pokljuka und zelebriert ihren ersten Weltcupsieg in dieser Saison.

          Gelungene Generalprobe

          Und das quasi bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaften, die vom 12. bis 23. Februar in Antholz stattfinden. „20 Schuss, 20 Treffer – das war ganz verrückt“, sagte sie: „Ich habe schon mit meiner Mutter darüber philosophiert, ob mir das je überhaupt gelingen würde. Jetzt habe ich es geschafft. Das war sicher mein bestes Rennen.“ Es war ein Erfolg, der auf der Erkenntnis basiert, dass man manchmal einen Schritt zurückgehen muss, um vorwärts zu kommen. In der Saisonvorbereitung haben sie in der deutschen Mannschaft großen Wert auf das Schießtempo gelegt. Was sich im Fall von Denise Herrmann als kontraproduktiv erwiesen hat. Sie hat dazu einfach noch nicht die nötige Sicherheit. Und sie ist zudem die einzige im Team, die gar nicht auf Tempo am Schießstand angewiesen ist, weil sie ihre Laufstärke als Trumpfkarte in der Hinterhand hat. Genauso ist Denise Herrmann am Freitag dieses Rennen angegangen. Safety first, Treffer vor Zeit, hat einen sauberen Rhythmus geschossen, hat sich nicht ablenken lassen. „Ich bin ganz bei mir geblieben“, sagte sie, „ich war immer fokussiert.“

          Sie hat diesmal noch etwas richtig gemacht, was ihr sonst vielleicht so manchen Treffer gekostet hat. Sie ist taktisch klug gelaufen. Nicht immer nur Full Speed, sondern sie hat gerade auf den letzten 300 bis 400 Metern vor dem Schießstand das Gas rausgenommen, um sich zu erholen, um nicht müde im Kopf zu werden, wenn sie das Kleinkalibergewehr anlegt: „Ich war heute in einem guten Flow, habe nicht viel nachgedacht.“

          Erfreulich war aber auch Platz fünf von Franziska Preuß, die, von Infekten und Verletzungen geplagt wurde, erst vor einer Woche in Ruhpolding wieder ins Weltcup-Geschehen zurück gekehrt ist. Dass sie alle 20 Scheiben traf, war anders als bei Denise Herrmann keine große Überraschung. Sie gilt als beste und schnellste Schützin im deutschen Team. „Läuferisch bin ich gerade nicht in Bestform, ich kann es leider nicht herzaubern, aber ich bin froh, dass das Schießen so gut geklappt hat“, sagte sie. Auch bei ihr zeigt der Trend aufwärts.

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