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DEL-Rekordspieler : Dwayne Norris: der Eisheilige

Unermüdlich: Dwayne Norris Bild: Storch

Dwayne Norris bestreitet im Auswärtsspiel der Frankfurt Lions an diesem Freitag in Hamburg Freezers sein 600. Spiel in der Deutschen Eishockey Liga. Drei Tage vor seinem 37. Geburtstag feiert der kanadische Stürmer dieses Jubiläum als erster Ausländer.

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          Aus Erfahrung gut. So würden es die Frankfurt Lions gerne sehen. Kein Team bringt es in dieser Saison auf einen höheren Altersdurchschnitt. Dass das in die Jahre gekommene "Löwen"-Rudel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zuletzt einiges an Biss vermissen ließ, hat vielfältige Gründe. Den Absturz in die Mittelmäßigkeit mit dem fehlenden Siegeswillen der vielen Routiniers im Team zu begründen würde zu kurz greifen.

          Einer der Dauerbrenner in der Mannschaft ist Dwayne Norris. Der im Ort St. Johns aufgewachsene Kanadier wird am nächsten Montag 37 Jahre alt. An Einsatzwillen, Kampfgeist und Erfolgshunger macht dem Oldie der Lions bis heute keiner etwas vor. Norris ist ein Mann mit zwei Gesichtern: Wer den Familienvater nach getaner Arbeit in den Katakomben der Halle am Ratsweg mit seinen Jungs tollen sieht, glaubt kaum, dass der Mann mit dem seriösen Äußeren und der Nickelbrille in dem bisweilen verwegenen Geschäft der DEL seit mittlerweile elf Jahren sein Geld verdient.

          Geschätzter Edel-Arbeiter

          Jede Oma würde Norris vermutlich ohne Bedenken die Haustür öffnen, wenn er klingelte, um beispielsweise Staubsauger zu verkaufen. Der Profi Norris, der seit 2003 in Frankfurt unter Vertrag steht, ist freilich eine andere Person. Norris hat sich einen Ruf als aggressiver Kämpfer und Renner hart erarbeitet, er ist als unangenehmer Gegenspieler gefürchtet, als einer, der sich gerne mit den Schiedsrichtern zankt und das ganze Repertoire des Trash-Talks beherrscht. Er tritt selten als filigraner Torjäger in Erscheinung, auch nicht als Künstler an der Scheibe, sondern ist eher so etwas wie der geschätzte Edel-Arbeiter im Team der Frankfurter.

          Die Saison 2002 war seine beste, seit er 1996 aus dem kalifornischen Ort Anaheim nach Deutschland übersiedelte. Die Finalserie um die Meisterschaft gegen die Adler Mannheim wurde von ihm geprägt: In allen drei gewonnenen Spielen gegen den Titelverteidiger schoss Norris das entscheidende Tor für die Kölner Haie. Anschließend bekam sich der Eisheilige mit Trainer Hans Zach in die Haare und flüchtete vom Rhein an den Main. Norris ist ein Alles-oder-nichts-Typ. Auf dem Eis und fernab der Bande. Er ist in seiner Freizeit ein begnadeter Zocker, gemeinsam mit Jason Young und Michael Bresagk spielt er gerne Karten. "Im Eishockey musst du deine Möglichkeiten sofort nutzen, wenn sie sich bieten. Beim Poker ist es nicht viel anders."

          Für den Neufundländer, der es in der NHL nur auf zwanzig Spiele gebracht hat, ist die Arbeitsstelle auf dem Alten Kontinent ein Luxusplatz, den es mit Händen und Füßen zu verteidigen gilt. "Je älter ich werde, umso härter muss ich bei all den Wehwehchen arbeiten, um mit den Jungs mithalten zu können." Eishockey spielen will er, solange es geht. "Weil es die schönste Sache der Welt ist. Diesem Sport haben meine Familie und ich unser heutiges Leben zu verdanken." An diesem Freitag bestreitet Norris im Spiel bei den hamburg Freezers (19.30 Uhr, siehe auch: FAZ.NET-Liveticker) seinen 600. Einsatz in der DEL. Er ist der erste der fast unzähligen Gastarbeiter, der diese Marke erreicht hat. Und inzwischen längst ein Inventarstück in der deutschen Eliteliga.

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