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Mathias Niederberger : Ein Eishockey-Torwart im Dauerhoch

  • -Aktualisiert am

Torwart Mathias Niederberger hält die Düsseldorfer EG im Spiel. Bild: Picture-Alliance

Viele Beobachter halten Mathias Niederberger für den besten Torwart der Deutschen Eishockey Liga. Doch bald droht der Abgang. Das wäre für die Düsseldorfer EG nicht nur sportlich kaum zu verdauen.

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          Am vergangenen Freitag gab es bei der Düsseldorfer EG wieder allerlei Lobeshymnen zu hören. „Überragend“, sagte Stürmer Max Kammerer nach dem 2:1 über die Eisbären Berlin. „Sehr stark“, lautete das Urteil von Trainer Harold Kreis. Gemeint war nicht die Mannschaftsleistung der Düsseldorfer, es ging um ihren Torwart. Seit Monaten geht das ja so. Wann immer Mathias Niederberger auf dem Eis steht, überschlagen sich Mit- und Gegenspieler, Reporter und Fans in Würdigungen des 27-Jährigen. Gegen Berlin wehrte der Nationaltorhüter fast 97 Prozent der Schüsse ab, zahlreiche in höchster Not. Selbstredend wurde er zum Mann des Spiels ernannt, zum zehnten Mal bereits in der Saison. Kein Spieler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird häufiger ausgezeichnet. Kein Spieler ist entscheidender für das Wohl und Wehe seines Teams.

          Ohne Niederberger wären die siebtplatzierten Rheinländer, die an diesem Freitag (19.30 Uhr bei Magenta Sport) gegen Nürnberg spielen, längst nicht mehr im Rennen um einen direkten Viertelfinalplatz in den Play-offs. Immer wieder kaschiert er die Schwächen seiner Mannschaft, immer wieder gewinnt er Spiele fast im Alleingang. Über die Saison liegt seine Fangquote bei 92,6 Prozent, er kassiert nur 2,2 Tore pro Spiel und blieb bereits viermal ohne Gegentreffer. Allesamt Topwerte. Lediglich Danny aus den Birken und Kevin Reich vom Tabellenführer aus München können mithalten. Aber die haben auch bessere Vorderleute.

          Zahlreiche Beobachter halten Niederberger für den besten Torwart der Liga. Bereits in der Vorsaison hatte er nahezu identische Werte. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft wehrte er gar 94,2 Prozent der Schüsse ab und musste nur 1,8 Gegentore im Schnitt hinnehmen. Bis zur Ankunft von Philipp Grubauer aus Colorado war der Düsseldorfer der große Rückhalt der deutschen Mannschaft auf dem Weg ins Viertelfinale. Selbst die Millionenstars aus der nordamerikanischen Eliteliga NHL verzweifelten an seinen Glanzparaden.

          Wie lange sie im Rheinland noch Spaß an Niederberger haben, weiß aber niemand. Sein Vertrag läuft aus, und noch gibt es kein Bekenntnis zur DEG. Zum Leidwesen von Niki Mondt. „Mathias fühlt sich wohl bei uns, und wir möchten ihn behalten. Aber es wird schwer, gegen die Großen anzukommen“, sagt der Manager und meint die zahlungskräftigen Spitzenteams, die ihrerseits auf der Suche nach einem Torwart für die nächste Saison sind. Besonders die aus Berlin und Köln sollen interessiert sein. Und locken mit sportlich besseren Perspektiven sowie mit Geld. Also sagt DEG-Geschäftsführer Stefan Adam: „Wir können das tun, was möglich ist. Wir werden uns da nicht verbiegen.“ Machen die Großen Ernst, muss er seinen Startorhüter ziehen lassen.

          Das wäre für die Düsseldorfer nicht nur sportlich kaum zu verdauen. Niederberger ist seit dem Karriereende von Vereinslegende Daniel Kreutzer 2017 das Gesicht der DEG. Er ist in Düsseldorf geboren und durchlief an der Brehmstraße sämtliche Jugendmannschaften. Sein Trikot ist der Bestseller im Fanshop, kein Name wird häufiger von den Tribünen gerufen, keiner aus dem aktuellen Kader ist so präsent in der Stadt. Die Zeiten, in denen der alte Eishockeyklub Düsseldorfs sportliche Nummer eins war, sind lange vorbei, heute ist jeder Auswechselspieler der Fortuna-Fußballer bekannter als die Stammkräfte der DEG.

          Niederberger bildet die Ausnahme, weil seine Familie für den Verein steht wie keine zweite. Sein Vater Andreas war einer der Stars der goldenen neunziger Jahre mit fünf Meisterschaften. Sein Bruder Leon, 23, spielt heute ebenfalls für die DEG. Seine kleine Schwester Zoe ist Eiskunstläuferin und springt hin und wieder in den Drittelpausen übers Eis. Jüngst trat die Zwölfjährige bei „Holiday on Ice“ auf und träumte danach von den Olympischen Spielen, „ich hoffe, mit meinen Brüdern zusammen“.

          Ob Mathias dann noch für den Heimatverein spielt? Kein Kommentar. Er wolle sich mit dem Thema derzeit „nicht beschäftigen“, sagt er, „das machen Leute, die wissen, was ich möchte“. Dass es dabei auch um Geld geht, steht außer Frage. Als Nationaltorwart im Dauerhoch kann er schließlich einiges verlangen. Zudem steht er mit 27 Jahren vor dem wichtigsten Vertrag seiner Karriere. Den soll sein Vater Andreas aushandeln, doch der aufgerufene Preis – dem Vernehmen nach deutlich mehr als 100.000 Euro netto pro Saison, im Eishockey viel Geld – soll bei manchem DEL-Manager für Stirnrunzeln sorgen. So ist die Zukunft von Deutschlands begehrtestem Eishockey-Torhüter außerhalb der NHL weiter offen. Bleibt er in der Heimat? Geht er nach Berlin? Oder gar nach Köln? Für die Düsseldorfer wäre das schwerer zu verdauen als ein Verpassen der Play-offs.

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