https://www.faz.net/-gtl-80tqy

Hamburg Freezers : Die letzten Mohikaner

  • -Aktualisiert am

Wollen sich auch in den Playoffs behaupten: Adam Mitchell (r.) und die Hamburg Freezers Bild: Imago

Gehirnerschütterungen und Knochenbrüche: die Hamburg Freezers trotzen vor dem Auftakt der Playoffs in der DEL gegen Düsseldorf (19.30 Uhr) den Verletzungssorgen. Mehr Spieler dürfen aber nicht zu Schaden kommen.

          2 Min.

          Seinen ganz persönlichen Vergleich zwischen dieser und der vergangenen Hauptrunde hat Christoph Schubert schon gezogen. „Unser vierter Platz ist höher einzuschätzen als die Hauptrunden-Meisterschaft 2014“, sagt der bullige Kapitän der Hamburg Freezers. Zwanzig Verletzte gab es bei ihnen seit Serienbeginn in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im August zu beklagen; von Gehirnerschütterung über Faserrisse bis zu Knochenbrüchen war alles dabei, was keine Mannschaft dieser Welt braucht. Das Gros der vergangenen 15 Spiele hat das Team von Trainer Serge Aubin mit 14, 15 Profis im Kader bestritten. Keine einzige Partie absolvierten die Freezers mit der kompletten Gruppe, die aus 23 Akteuren besteht.

          Den negativen Höhepunkt erlebten die Freezers dabei kurz vor Weihnachten, als acht Stammspieler gleichzeitig ausfielen. Fast täglich gab es neue Hiobsbotschaften. Und mit den Spätfolgen kämpft das norddeutsche Eishockey-Unternehmen bis in diese Tage hinein - zum Start des Play-off-Viertelfinals gegen die Düsseldorfer EG an diesem Mittwoch (19.30 Uhr / Live im DEL-Ticker bei FAZ.NET) muss Aubin auf fünf Profis verzichten: Torhüter Dimitrij Kotschnew, Verteidiger Bretton Stamler und die Angreifer Patrick Pohl, Philippe Dupuis sowie Jerome Flaake schauen von der Tribüne aus zu.

          Beeindruckender Behauptungswille

          Besonders der Ausfall des trickreichen Stürmers Flaake schmerzt - er leidet unter den Folgen eines Sehnenabrisses an der Schulter. Kollege Dupuis kehrte nach seiner Gehirnerschütterung zwar schon wieder ins Training zurück, klagte am Freitag aber wieder über Probleme und fällt nun auch aus. Verschont blieb bislang zum Glück der Freezers ihr bester Torschütze: Kevin Clark. Nach 32 Toren in der Hauptrunde ruhen die Hamburger Hoffnungen nun auch in den Play-offs auf ihm, der am Wochenende zum „Spieler des Jahres“ in der DEL gewählt wurde.

          Der Behauptungswille der Mannschaft war beeindruckend. Siege wie die beim Meister in Ingolstadt oder in Mannheim im Januar und Februar haben den Glauben wachsen lassen, dass es selbst mit dezimiertem Aufgebot gelingen könnte, einen Schritt weiter zu gehen als 2014. Damals war im Halbfinale gegen Ingolstadt Endstation. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Charakter und genügend Tiefe hat, um Ausfälle zu kompensieren“, sagt Sportchef Stéphane Richer. Nur dürfe nun niemand mehr zu Schaden kommen.

          Eigene Fehler wollen die Freezers angesichts der Verletzungsflut ausschließen, zu hartes Training etwa oder schlicht falsche Dosierung der Einsätze. „Das meiste waren Unfälle“, sagt Vereinssprecher Christoph Wulf. Muskelverletzungen kamen meist wegen Überbelastungen dazu - natürlich mussten die letzten Mohikaner öfter und mehr spielen. Da half es, dass Aubin sein taktisches Konzept auch wegen der vielen Ausfälle anpasste. Unter Benoît Laportes Nachfolger spielen die Hamburger abwartender und risikoärmer. Die Stürmer attackieren nicht mehr so früh; sie warten in der neutralen Zone. Die Abkehr von der kräfteraubenden Laporte-Linie hatte Aubin ohnehin vor. Nun vollzog er sie konsequent.

          Weitere Themen

          Der High Diver

          Unser täglich Buch (1) : Der High Diver

          Orlando Duque hat im Klippenspringen seinen Lebensstil gefunden. Der Kolumbianer tourt um die Welt, erlebt paradiesische Plätze und avanciert zum Gesicht seiner schwindelerregenden Sportart: Der „High Diver“.

          Topmeldungen

          Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht in Salzgitter mit Journalisten.

          Nach Angriff auf Syrien : VW-Werk in der Türkei steht vor dem Aus

          Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sieht wegen der türkischen Invasion keine Grundlage mehr für die geplante Milliardeninvestition. Das sei ein „Schlag ins Gesicht von Menschenrechten“.
          Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert.

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.
          Räumung: Klimarebellen im Gespräch mit der Bereitschaftspolizei

          Extinction Rebellion : Es ist um uns geschehen

          Den Umweltaktivisten von Extinction Rebellion geht es nicht nur um die Rettung des Weltklimas. Sie wollen eine radikal andere Gesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.