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DDR-Doping-Opfer : „Dieses Urteil ist wegweisend“

Anne Drescher ist Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Bild: dpa

„Für viele Betroffene unglaublich wichtig“: Anne Drescher spricht im Interview über den von einer früheren Turnerin durchgesetzten Rehabilitierungsanspruch wegen der Folgeschäden des DDR-Dopings.

          4 Min.

          Das Verwaltungsgericht Greifswald hat im Dezember einer ehemaligen Turnerin auf Basis des Zweiten SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes verwaltungsrechtliche Rehabilitierung zugesprochen für Schädigung durch Doping. Was bedeutet das?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Revision ist zugelassen. Aber es ist, sollte es Bestand haben, wegweisend. Sportgeschädigte Athleten aus der DDR konnten Antrag stellen nach dem Doping-Opfer-Hilfegesetz ...

          ... was 1650 erfolgreich getan haben.

          Diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr, das Gesetz ist ausgelaufen. Einige Geschädigte versuchen über das Opfer-Entschädigungsgesetz ihre gesundheitlichen Schäden anerkennen zu lassen und finanzielle Leistungen zu erhalten, was sehr schwierig ist. Die jetzige Entscheidung zur verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung ist ein anderer Weg – und dies ist kein Grundsatzurteil, das hat das Gericht deutlich gemacht. Bei diesem Verfahren ist der erste Schritt die verwaltungsrechtliche Rehabilitierung, der zweite Schritt der nun mit der Rehabilitierung mögliche Antrag auf Anerkennung gesundheitlicher Folgeschäden. Das Versorgungsamt wird jeden Fall, jeden einzelnen Antrag auf Anerkennung von gesundheitlichen Folgeschäden einzeln prüfen und bescheiden. Es entscheidet, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Doping damals und Schädigung heute besteht und in welcher Höhe die Schädigung vorliegt. Auf Sportlerinnen und Sportler, die sich auf diesen langen Weg machen wollen, kommt etwas zu, für das sie sich Hilfe bei den Landesbeauftragten holen sollten.

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