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Finale der Vierschanzentournee : Mann mit Flieger-Gen gewinnt

  • -Aktualisiert am

Der Sieger der Vierschanzentournee, Dawid Kubacki, präsentiert am Montagabend stolz seine Trophäe, den begehrten goldenen Adler. Bild: Reuters

Der Pole Dawid Kubacki gewinnt mit dem Sieg in Bischofshofen souverän die Vierschanzentournee. Nach dem furiosen Finale ist Karl Geiger über Platz drei glücklich.

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          Dawid Kubacki hat sein Versprechen eingelöst. Dritter war der Pole beim Auftaktspringen in Oberstdorf, Dritter beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und Zweiter dann am Bergisel in Innsbruck. „Ich weiß, ein Sieg fehlt noch“, hatte er danach gesagt. Genau diese fehlende Plazierung hat der 29-Jährige am Montag in Bischofshofen geliefert. Mit dem Erfolg beim Abschlussspringen holte er sich souverän mit etwa elf Metern Vorsprung auch den Gesamtsieg der Vierschanzentournee vor dem Norweger Marius Lindvik und Karl Geiger aus Oberstdorf. Die ersten Gratulanten für Kubacki waren zwei Landsleute: Kamil Stoch, der zweimalige Tourneesieger, einmal mit dem Grand Slam, und Adam Malysz, 2001 der Triumphator. „Es war ein harter Tag. Ich bin unglaublich froh, dass ich ruhig geblieben bin und meinen Job gemacht habe“, sagte der neue Champion.

          Vier Kandidaten

          Nach außen hatten sich die vier Kandidaten um diesen Gesamtsieg vor dem ersten Durchgang oben im Adlernest der Paul-Ausserleitner-Schanze ganz entspannt gegeben. Doch sowohl bei Kubacki als auch bei Lindvik, Geiger oder dem Japaner Ryoyu Kobayashi sah es tief drin ganz anders aus. Als Erster verabschiedete sich Vorjahressieger Kobayashi: 135,5 Meter, Platz elf. Aus dem Quartett war ein Trio geworden. Und das lag geschlossen an der Spitze der Zwischenwertung. Geiger hatte mit 140 Metern seine großen Ambitionen demonstriert. Kubacki hatte mit 143 Metern gekontert, Lindvik verlor durch seinen 138-Meter-Sprung ein wenig Boden. Das war‘s dann beinahe schon für den Norweger.

          Showdown im zweiten Durchgang. Lindvik landete bei 137 Meter. Auch dem jungen Norweger schauten seine Eltern zu. Geiger gelingen zwar nur 136 Meter, der Bayer bleibt aber im Tagesklassement vor dem Skandinavier. In der Tourneewertung jedoch kann er ihn nicht mehr überholen. Es fehlen etwa eineinhalb Meter nach den acht Sprüngen. Ganz souverän segelte dann Dawid Kubacki ins Tal. 140,5 Meter. Tagessieg und Tourneetriumph. „Als ich über die Sturzlinie gefahren war, habe ich realisiert, dass ich es geschafft habe“, sagte der Pole.

          Doch auch Karl Geiger kam aus dem Jubeln nicht mehr raus. „Das war heute sehr fein, es macht mich einfach nur glücklich“, sagte er gerührt, während er liebevoll seinen Pokal und eine Flasche Sekt in den Händen hielt. „Das war die beste Vierschanzentournee, die ich je gesprungen bin“, lautete sein Gesamt-Fazit. Dreimal war der 26-jährige Allgäuer Zweiter in der Tageswertung geworden. Lediglich in Innsbruck lief es mit Platz acht nicht wie erhofft. „In der Qualifikation war ich noch ein bisschen angefressen wegen Innsbruck“, sagt er, „aber ich habe noch die richtigen Schrauben gefunden.“ Geholfen hat ihm dabei Bundestrainer Stefan Horngacher: „Wir haben die Fehler klar erkannt. Der Karl ist eine super Tournee gesprungen, ist in einem extrem schwierigen Wettkampf auf einem riesigen Niveau gewesen. “ Vor allem das Springen in Oberstdorf hat bei Geiger nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Diese Stimmung war sensationell, das wird mir ewig in Erinnerung bleiben“, zog er als sein persönliches Resümee, „bisher bin ich dort immer auf die Schnauze gefallen.“ Diesmal jedoch bezeichnete er seine Wettkämpfe als extrem gut. „Ich kann mir nichts vorwerfen.“

          Ein letzter Sprung bei der Vierschanzentournee in Bischofshofen: Karl Geiger

          Diese Worte hätten auch von Dawid Kubacki kommen können. „Dass mir beim letzten Springen noch der Sieg gelungen ist, freut mich wahnsinnig“, sagte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. In den zehn Jahren, in denen er schon im Weltcup am Start ist, war dies erst sein zweiter Sieg. Lange Zeit galt er als talentierter, aber nicht sonderlich fokussierter Springer. „Er ist ein unterschätzter Diamant“, hatte ihn Bundestrainer Stefan Horngacher Kubacki während seiner Zeit als polnischer Cheftrainer beschrieben. Bis ihm dann im Februar des vergangenen Jahres der große Coup gelungen war. Bei der Weltmeisterschaft in Seefeld holte er sich auf der kleinen Schanze den Titel. „Ich habe wirklich lange auf diesen ersten Sieg hingearbeitet“ sagte er damals. Dieser Erfolg gab ihm Selbstsicherheit. Und er war Ansporn. „Ich muss noch viel arbeiten, denn ich möchte mehr als nur diesen einen Sieg.“ Der ist ihm nun gelungen.

          Das Lob für den Mann mit dem Flieger-Gen aus Polen, der in seiner Freizeit gerne selbst ein Segelflugzeug fliegt, aber auch Modell-Hubschrauber steuert, kam von allen Seiten. „Dawid ist super gesprungen. Man kann ihm nur gratulieren, er hat das super gemacht“, sagte sein früherer Trainer Horngacher. Auch Marius Lindvik erkannte Kubackis Stärke neidlos an: „Theoretisch hatte ich vor dem Springen zwar die Chance auf den Sieg, realistisch betrachtet war Dawid heute einfach besser.“

          Dawid Kubacki hat es nicht nur geschafft, die Tournee als einziger ohne Fehler zu absolvieren, sondern sich auch in jedem Wettkampf zu steigern. Bis zum Abschluss in Bischofshofen. Der begehrte goldene Adler gehört jetzt ihm.

          Vierschanzentournee

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