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Curling-Europameisterschaft : Bronze für die Frauen, Aufbruch bei den Männern

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Konzentrierter Blick: Die deutsche und erfahrene Skipperin Daniela Jentsch setzt einen Stein in Bewegung. Bild: Picture-Alliance

Schon die beiden Halbfinal-Teilnahmen waren überraschend, jetzt durften sich die deutschen Curling-Frauen sogar über eine Medaille freuen. Der Präsident ist erleichtert. Gibt es nun höhere Förderungen?

          Die deutschen Curling-Frauen sind bei der Europameisterschaft in Estland mit dem Gewinn der Bronzemedaille zu einem Happy-End gekommen. Die Mannschaft um Skip Daniela Jentsch besiegte in Tallinn das Team aus Russland im Spiel um Platz drei 7:4. Die Männer verpassten dagegen eine Medaille. Die Auswahl um Skip Marc Muskatewitz unterlag im kleinen Finale Italien 6:8. Die Entscheidung gegen das deutsche Männer-Team fiel erst im zehnten und letzten End.

          Damit haben sich die deutscher Curler nach langen Jahren in der sportlichen Bedeutungslosigkeit auf dem Eis zurückgemeldet. Youngster Marc Muskatewitz (Rastatt) und die erfahrene Daniela Jentsch (Füssen) hauchten mit ihren Halbfinal-Teilnahmen dem in die Krise geratenen Verband DCV neues Leben ein. Gegen den Gold-Favoriten Schweiz hatten die deutschen Frauen am Freitagnachmittag im Halbfinale noch 4:6 verloren und damit das Endspiel verpasst. Die Eidgenossinnen hatten dem Team von Jentsch durch einen Erfolg über Schottland im letzten Gruppenspiel erst das Halbfinal-Ticket gesichert. Jentsch sorgte mit ihren Teamkolleginnen für die erste deutsche EM-Medaille seit 2009.

          Im Verband hofft man nach dem unerwarteten sportlichen Höhenflug auf eine Wende an höchster Stelle. „Das hilft uns natürlich sehr in unseren Gesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund im Bemühen um mehr Fördergelder“, sagte DCV-Präsident Bernhard Mayr dem sid. Die braucht der Deutsche Curling-Verband (DCV) nach den Kürzungen 2014 dringend. Damals stand der kleinste olympische Fachverband mit nicht einmal 1000 Mitgliedern sogar vor dem Aus. Erst nach harten Verhandlungen mit dem DOSB wurde das Überleben gesichert. Dramatische Einschnitte konnten verhindert werden, allerdings verbunden mit knallharten Forderungen nach Reformen. Die sportlichen Rahmenbedingungen sollten professionalisiert und der Fokus auf junge Spieler gesetzt werden.

          Vier Jahre nach dem drohenden K.o. sieht der DCV nun urplötzlich wieder Licht am Ende des Tunnels und wurde in Tallinn für seinen Mut belohnt. Ein so junges Männerteam ins Rennen zu schicken, war riskant. Doch der erst 22 Jahre alte Muskatewitz bestand seine internationale Feuertaufe mit Bravour, an seiner Seite stritt an Position drei der noch fünf Jahre jüngere Junioren-Skip Sixten Totzek. „Was die Männer geleistet haben, ist eine Sensation. Das belegt den Aufschwung“, jubelte Mayr und freute sich über den Hauptgewinn in der Besetzungslotterie, „der Aufbau ist ein Stück weit gelungen, die Mischung aus jung und alt war fruchtbar.“ Sie hätten die Mannschaften geschlagen, „die sie schlagen mussten und befinden sich mit starken Teams wie Norwegen und der Schweiz auf Augenhöhe. Das war das Maximum.“

          Auch Daniela Jentsch und ihr Team haben Mayr überzeugt. „Sie haben sich in Europas erweiterter Spitze etabliert.“ Dass beiden Mannschaften auch die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaften im kanadischen Lethbridge (Männer) und im dänischen Silkeborg (Frauen) glückte, ließ bei Mayr einen weiteren Stein vom Herzen fallen. „Die WM-Qualifyer wären in Neuseeland gewesen. Da wären wir bei der Finanzierung in arge Probleme geraten“, erklärte der Verbandschef, „nun können wir uns in Ruhe auf die WM-Vorbereitung konzentrieren.“ Bei der WM 2019 können beide Mannschaften auf dem Eis beweisen, was Mayr unterstellt: „Wir haben eine gute Perspektive.“

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