https://www.faz.net/-gtl-a5coy

Deutsches Eishockey : Da sind sie wieder!

Ein bisschen Licht nach langer Dunkelheit: Am Mittwoch startet der Magenta-Sport-Cup. Bild: Imago

Lange war es ruhig um die nationalen Puckjäger. Nun kehren die Mannschaften an acht DEL-Standorten für den Magenta-Sport-Cup in die Eishalle zurück. Das Turnier soll als Probelauf dienen.

          3 Min.

          Immerhin einmal hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) schon eine Vorreiterrolle eingenommen. Im März, als sich abzeichnete, dass die Corona-Pandemie das Land mit Wucht treffen und sich die Lage so schnell nicht bessern würde, einigten sich die 14 Profivereine in aller Kürze auf den einstimmigen Beschluss, aus Sicherheitsgründen die Saison vorzeitig zu beenden und keinen Meister zu küren. Einige Sportarten und Ligen folgten anschließend dieser Richtlinie.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Seitdem ist es ruhig geworden um die Gilde der nationalen Puckjäger. Niemand von ihnen kann bis heute mit Verlässlichkeit sagen, ob er seinem Gewerbe in einem Punktspielbetrieb 2020 noch mal wird nachgehen können. Wenigstens beginnt nach achtmonatiger Zwangspause an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) ein großflächig angelegtes Turnier: der Magenta-Sport-Cup. Damit melden sich die Teams in den nach wie vor leeren Stadien und auf den Bildschirmen (was für sie und ihre Sponsoren wesentlich bedeutsamer ist) zurück.

          Der TV-Partner der DEL, die Telekom, überträgt bis Mitte Dezember sämtliche Begegnungen im Stream. Am 19. November wollen sich die Gesellschafter aller 14 Teams darüber verständigen, ob und wenn ja sie unter welchen Voraussetzungen damit anfangen, wieder eine Runde zu organisieren, an deren Ende der 26. DEL-Meistertitel verliehen werden kann. „Dann müssen die Karten auf den Tisch gelegt werden“, sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Eine Wiederaufnahme der (schon zweimal verschobenen) Geschäfte in der zweiten Hälfte des Dezembers ist im Gespräch. Die Tendenz geht Richtung Restart, auch wenn weiter keine Fans zugelassen sein sollten. Da allmählich die beantragten finanziellen Hilfen aus dem 200-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung bei den Klubs ankommen, erhöhte sich allenthalben der Spielraum.

          Vom Magenta-Sport-Cup – der nicht von den wirtschaftlich notleidenden Vereinen initiiert wurde, sondern auf Betreiben der Telekom zustande kam – wird unter anderem erwartet, dass er darüber Aufschluss gibt, wie gut sich das Hygienekonzept in den Arenen fortlaufend umsetzen lässt. 36 Stunden vor den Partien müssen sich alle Spieler einem Corona-Test unterziehen. Für die Referees wird nach Informationen der F.A.Z. eine Ausnahme von der Regel gestattet. Für sie sind Schnelltests vorgesehen, unmittelbar vor dem Betreten der Hallen. Sollte sich dabei herausstellen, dass sich einer der Unparteiischen mit dem Coronavirus infiziert hat und in der Kürze der Zeit kein Ersatzmann einspringen kann, erklärten sich die Vereine bereit, die Partien im ungünstigsten Fall auch nur mit zwei Schiedsrichtern anpfeifen zu lassen.

          Wie erfolgreich das Turnier sein wird, hängt auch davon ab, wie die Fans reagieren und wie sich die Einschaltquoten entwickeln. Am vergangenen Wochenende, beim Deutschland Cup in Krefeld, fand die Generalprobe statt. Mit zwei Auswahlmannschaften des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und der am Ende siegreichen Auswahl Lettlands wurde geprüft, wie sich Vorsichtsmaßnahmen und medizinisch notwendige Check-ups im Stresstest realisieren lassen. Der Plan habe „gegriffen“, sagte Franz Reindl danach zufrieden. Und der DEB-Präsident fügte nach der gelungenen Probe aufs Exempel an: „Es funktioniert, wenn alle zusammenhalten und die Konzepte stimmen. Das ist die Message, die wir senden konnten.“

          Beim Deutschland Cup gab es nur in der Vorbereitung einen Corona-Fall. Alle Akteure hielten sich in einer sogenannten „Bubble“ auf, die sich auf Kabine, Spielfeld, Hotel und Bus erstreckte, und wurden insgesamt rund 500 Mal getestet. Nun sei es an den Klubs, die Vorlage aufzunehmen, aus den Möglichkeiten das Beste zu machen und ebenfalls ein „Lebenszeichen“ zu senden, so Reindl. Fortan wird sich etwas Entscheidendes ändern: „Die Spieler werden nicht abgeschottet, sie gehen nach Hause und haben Kontakt zu anderen Leuten“, sagte Thomas Popiesch.

          Der 55-Jährige, der üblicherweise Coach der Fischtown Pinguins Bremerhaven ist, sprang in Krefeld für den an Corona erkrankten Bundestrainer Toni Söderholm ein. Mit seiner Klub-Mannschaft bestreitet Popiesch beim Magenta-Sport-Cup das Auftaktmatch gegen die Krefeld Pinguine. Außerdem sind in der A-Gruppe die Düsseldorfer EG und die Grizzlys Wolfsburg vertreten. Zur B-Gruppe gehören die Eisbären Berlin, Adler Mannheim, Schwenninger Wildwings und Red Bull München. „Wir müssen versuchen, die Ansteckungsgefahr so niedrig wie möglich zu halten, damit wir die Spiele durchziehen können“, sagte Popiesch dem Sportinformationsdienst.

          Da die NHL noch bis mindestens Januar pausiert, präsentieren einige Vereine auch Leihspieler, die sonst in Übersee die Schlittschuhe schnüren und deren Beteiligung für Aufmerksamkeit sorgen dürfte: Dominik Kahun von den Edmonton Oilers geht für seinen früheren Arbeitgeber München aufs Eis, während sich Mannheim mit Marc Michaelis (Vancouver Canucks) und Lean Bergmann (San Jose Sharks) verstärkte. Krefeld verpflichtete für die Zeit den schwedischen Goalkeeper Jonas Johansson (Buffalo Sabres).

          Doch nicht an allen Standorten wirkten die Rahmenbedingungen überzeugend genug, als dass es sich lohnen würde, das Wagnis einzugehen. Sechs Vereine lehnten ein Mitwirken ab und begründeten ihr Fernbleiben in erster Linie mit finanziellen Argumenten. Aus Bayern sind die Augsburger Panther, die Nürnberg Ice Tigers, der ERC Ingolstadt und die Straubing Tigers nicht dabei, aus Nordrhein-Westfalen verzichteten die Kölner Haie sowie die Iserlohn Roosters; von den Ingolstädtern kam derweil am Dienstag die Nachricht, dass der Klub demnächst an der regulären Saison teilnehmen möchte. Die 27 Partien des Magenta-Sport-Cups werden live übertragen. Das Finale ist für das Wochenende 12./13. Dezember vorgesehen.

          Weitere Themen

          Der ewige Zweite gibt Rätsel auf

          Golfstar Louis Oosthuizen : Der ewige Zweite gibt Rätsel auf

          Louis Oosthuizen entwickelte sich im Lauf der Jahre im Golf zu einem der Publikumslieblinge. Bei den Majors landet er oft nur auf Platz zwei. Die Enttäuschung beim Südafrikaner ist groß.

          "Musiala hat die entscheidende Lücke gefunden" Video-Seite öffnen

          Blick zurück mit Zorn : "Musiala hat die entscheidende Lücke gefunden"

          Erst kurz vor Schluss sichert sich die deutsche Nationalmannschaft das Ticket fürs Achtelfinale. Vor allem die Defensive bereitet Sorgen. Dafür rückt ein eingewechseltes Duo näher an die Startelf, meint F.A.Z.-Experte Roland Zorn.

          Schiedsrichter als Tor-Vorbereiter

          Copa América : Schiedsrichter als Tor-Vorbereiter

          In der zehnten Minute der Nachspielzeit gelingt Brasilien das Siegtor gegen Kolumbien. Zuvor hatte es heftige Proteste über den Ausgleich gegeben, an dem der Schiedsrichter mittelbar beteiligt war.

          Topmeldungen

          Auserzählt und neu in Szene gesetzt: Olaf Scholz

          SPD-Kanzlerkandidat Scholz : Schrei vor Glück?

          Die SPD ist in Umfragen wie festgenagelt. Sie hofft, dass am Ende die Wähler Olaf Scholz als natürlichen Erben der Kanzlerin sehen. Reicht das?

          Politik im Fußball : Wenn der Hass geweckt wird

          Die Schlacht von Göteborg 1958 war ein Musterbeispiel für die Politisierung des Fußballs. Auch heute gilt: Egal, mit welcher Botschaft er sich in seiner aggressiven Beschränktheit auflädt, es ist die falsche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.