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Prominente Senioren und Corona : „Ich bin vor sechs Wochen noch operiert worden“

  • Aktualisiert am

Hält nichts von Hamsterkäufen: Reiner Calmund Bild: dpa

Der Rat lautet, den Kontakt mit Enkeln zu vermeiden und besonders vorsichtig zu sein. Wie gehen ältere Prominente aus dem Sport damit um? Klar ist: Die Corona-Krise hat den Alltag vieler teilweise drastisch verändert.

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          Normalerweise kümmern sie sich viel um ihre Enkelkinder. Normalerweise reisen sie häufig. Doch in Zeiten des Coronavirus ist auch für die Sport-Prominenz der älteren Generation, die als besonders gefährdet gilt, vieles nicht normal. Strikt halten sie sich an die Vorgaben, teilweise fühlen sie sich aber unsicher. Reiner Calmund, Heide Ecker-Rosendahl, Christian Neureuther, Vlado Stenzel und Franz Reindl haben in Gesprächen der Deutschen Presse-Agentur erzählt, wie sie sich in dieser Zeit verhalten.

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          Vlado Stenzel (85): „Ein bisschen Schiss habe ich schon“

          Selbst in seinem abgelegenen Wohnort in Kroatien fühlt sich der ehemalige Handball-Bundestrainer Vlado Stenzel nicht einhundertprozentig sicher. „Ich bin in meiner Villa und gehe selten raus, nur wenn ich muss. Ein bisschen Schiss habe ich schon, obwohl wir in Dalmatien nur einen Fall haben“, sagte der 85-Jährige. Der Weltmeister-Coach von 1978 wohnt in der Ortschaft Skradin nahe des bei Touristen beliebten Nationalparks Krka. „Die Leute da leben vom Tourismus, aber es gibt keine Urlauber. Die Hotels werden auch Probleme kriegen“, sagte er. Von seinen fünf Enkeln muss Stenzel nicht extra isoliert werden: „Die wohnen alle in Deutschland.“

          Heide Ecker-Rosendahl (73): „Die Kinder versorgen uns“

          Die frühere Spitzen-Leichtathletin Heide Ecker-Rosendahl verzichtet dagegen bewusst auf Treffen mit ihren Enkelkindern. „Wir schreiben uns per Whatsapp“, erzählte die 73-Jährige. Generell geht die zweifache Goldmedaillengewinnerin von München 1972 zwar mal spazieren. Überwiegend aber bleibt sie Zuhause, auch Einkaufen geht sie nicht mehr. „Die Kinder versorgen uns“, sagte Ecker-Rosendahl. Die Zeit vertreibt sie sich im Garten oder mit Lesen. Die weltweite Entwicklung empfindet sie auch „beängstigend“, wie sie sagt: „Man tut sich schwer, die Situation einzuschätzen.“

          Reiner Calmund (71): „All meine geplanten Vorträge eingestellt“

          Dass sich Menschen so große Sorgen um die Erkrankung machen, dass sie Supermarkt-Regale leer kaufen, hält Reiner Calmund für falsch. „Menschen haben Angst. Aber durch die Erklärungen der Regierung, dass die Supermärkte auf bleiben, hoffe ich, dass die Menschen vernünftiger werden“, sagte der frühere Manager von Fußball-Bundesligaklub Bayer 04 Leverkusen. Trotz seines Alters macht sich der 71-Jährige keine großen Sorgen um seine eigene Gesundheit. „Natürlich nehme ich die Hinweise der Behörden ernst, außerdem bin ich ja vor sechs Wochen noch operiert worden“, erzählte er. Alle aktuellen Werte seien gut.

          Trotzdem hat sich auch sein Leben verändert. Bei seinen sechs Kindern und vier Enkeln rufe er nun häufiger an. Und er ist öfter daheim als sonst. „Was den Job angeht, sind all meine geplanten Vorträge, ob auf Messen, vor Schulleitern oder vor Firmen eingestellt worden.“

          Ehrenspieler der Fußball-Nationalmannschaft: Uwe Seeler
          Ehrenspieler der Fußball-Nationalmannschaft: Uwe Seeler : Bild: dpa

          Christian Neureuther (70), Rosi Mittermaier (69): „Akkurat verhalten“

          Die früheren Skirennfahrer nehmen die Vorgaben sehr ernst. „Wir sehen das als unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen, gegenüber unseren Kindern und Enkeln, dass wir uns akkurat verhalten“, sagte Neureuther. Den Kontakt zu anderen beschränken sie auf ein Minimum. Sohn Felix (35), Schwiegertochter Miriam (29) und deren zwei Kinder sehen sie zwar weiterhin regelmäßig, weil die Häuser in Garmisch-Partenkirchen direkt nebeneinander liegen. Ihre Tochter Ameli (38) und deren Familie aber werden Christian Neureuther und Rosi Mittermaier vorerst nicht sehen. „Das ist schon traurig, aber man kann skypen und telefonieren“, beschwichtigte Neureuther.

          Daheim verkriechen wollen sich die früheren Weltklasse-Sportler aber nicht. „Es geht ja auch darum, sein Immunsystem zu stärken“, erinnerte Neureuther. „Wir in den Bergen haben natürlich das Glück, dass wir nur 50 Meter gehen müssen und dann sind wir in der Natur. Mir tun die Leute leid, die in einer Großstadt in einer kleinen Wohnung leben müssen und da nicht mehr raus können.“

          Franz Reindl (65): „Extrem, wie sich jeden Tag was ändert“

          Ähnlich geht es Franz Reindl, dem Olympia-Bronzemedaillengewinner im Eishockey von 1976, der ebenfalls in Garmisch-Partenkirchen lebt. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds arbeitet jetzt wie so viele im Büro bei sich zuhause, kann von dort aus in die Berge blicken. „Ich reise praktisch überhaupt nicht mehr. Das ist der größte Unterschied“, sagte der 65-Jährige. Außerdem falle am Abend die Zeit zum Entspannen weg. Jetzt würde er sich praktisch „rund um die Uhr“ mit aktuellen Geschehnissen beschäftigen. „Es ist extrem, wie sich jeden Tag was ändert“, sagte Reindl. Der Kontakt zu seinen vier Enkelkindern beschränkt sich auf Videoschalten: „Das ist schade!“

          Uwe Seeler (83): „Quasi weggesperrt“

          Fußball-Idol Seeler hat sich mit seiner Frau Ilka „quasi weggesperrt“. Das sagte der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft der „Bild“-Zeitung. Seine Kinder und Enkelkinder würden für ihn einkaufen, seine Frau jage ihn regelmäßig in den Garten an die frische Luft. „Sie meint, mit Rasen unter den Füßen kenne ich mich ja aus“, sagte Seeler. Er fühle sich durch die Situation eingeengt, gestand er. Die Lage sei besorgniserregend. „Jetzt haben wir alle einen auf den Deckel bekommen und müssen wachsam bleiben.“

          Paul Schockemöhle (74): Geburtstag feiern wäre „der falsche Weg“

          Der einstige Erfolgs-Reiter Paul Schockemöhle wird am Sonntag 75 - nach Feiern ist ihm in der aktuellen Lage aber nicht zumute. „Jetzt wäre das der falsche Weg“, meinte er. Er werde am Geburtstag ein Glas Sekt mit seiner Frau Bettina trinken. Das war's. Aber Geburtstage sind ohnehin nicht so sein Ding. Normalerweise wäre er in diesen Tagen bei einer Turnierserie in Südspanien. Als Manager der japanischen Springreiter, die er auf die Olympischen Spielen in Tokio vorbereiten soll. Doch nun sitzt der Züchter, Veranstalter und Multi-Unternehmer zu Hause im oldenburgischen Mühlen und muss versuchen, die Folgen der Pandemie für seine zahlreichen Unternehmungen zu managen. „Das dauert noch ewig. In diesem Jahr ist das noch nicht fertig“, sagte er.

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