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Politischer Druck auf Belarus : „Keine Eishockey-WM in Minsk“

„Der Puck liegt bei Ihnen“: Der Druck auf Eishockey-Präsident René Fasel steigt. Bild: Picture-Alliance

Der politische Druck auf den Eishockey-Weltverband, Diktator Lukaschenka die WM in Belarus zu entziehen, steigt. EU-Parlamentarier schreiben an IIHF-Chef Fasel. Nach F.A.Z.-Informationen wollen das nun auch Abgeordnete des Kongresses in Washington tun.

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          Der politische Druck auf den Internationalen Eishockey-Verband IIHF, dem belarussischen Diktator Aleksandr Lukaschenka die Weltmeisterschaft 2021 zu entziehen, nimmt zu, offenbar auf beiden Seiten des Atlantiks. Abgeordnete des Europaparlaments haben IIHF-Präsident René Fasel aufgefordert, die in Minsk geplanten Spiele endlich zu verlegen. Ein ähnliches Schreiben wird nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung derzeit auch von Abgeordneten des Kongress in Washington D.C. vorbereitet.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          In dem Brief der europäischen Abgeordneten, der von der deutschen Abgeordneten Viola von Cramon und dem Finnen Ville Niinistö (beide Grüne) initiiert und von 46 Parlamentsmitgliedern der konservativen, sozialdemokratischen grünen und liberalen Fraktionen unterschrieben wurden, heißt es: Aleksandr Lukaschenka, „brutaler Diktator und selbsterklärter Eishockey-Liebhaber“ verstoße gegen alle moralischen Prinzipien, die der IIHF lieb seien.

          „Ihr Verband“, heißt es an Fasel gerichtet, „trägt Verantwortung, die eigenen Prinzipien zu erfüllen und nicht Brutalität zu legitimieren“. Die Charta des Verbandes verlange, dass die menschliche Würde einer Person nicht missbraucht werden dürfe und verbiete jede Form der Belästigung, Gewalttaten würden nicht toleriert. Lukaschenka habe Tausende belarussische Bürger eingesperrt und ins Exil gezwungen, er „und sein Regime haben Männer und Frauen belästigt, geschlagen, gefoltert und vergewaltigt“, schreiben die Abgeordneten.

          Zudem fordere die Charta Funktionäre auf, den Sport nicht in Verruf zu bringen, dies habe der Präsident des belarussischen Eishockey-Verbandes Dmitrij Baskow getan, der in den gewaltsamen Tod eines Minsker Bürgers verwickelt sein soll. „Diktatoren wie Lukaschenka beuten den Sport aus, um ihr brutales Regime zu validieren und Legitimität zu simulieren“, heißt es in dem Brief.

          Die IIHF habe sicher zu stellen, dass die WM 2021 auch nicht nach Russland verlegt werde. Russland sei die letzte Stütze der Legitimität für Lukaschenka. Die IIHF hatte vergangenen Donnerstag erklärt, angesichts des Schiedsspruch des Internationalen Sportschiedsgerichts zum russischen Staats-Doping sei eine Verlegung nach Russland nun ausgeschlossen. Der Brief verweist auf die Resolution des Europaparlaments vom 17. September, in der bereits der Entzug der WM gefordert wurde: „Herr Fasel, wir glauben, sie werden das hohe Niveau an Integrität zeigen können, das wir von ihren Sportlern kennen. Der Puck liegt bei Ihnen.“

          In der vergangenen Woche hatte die Belarusian Sport Solidarity Foundation, die 1600 Sportler vertritt, die den Wahlbetrug bei der Präsidentenwahl im August beklagen und zum Teil deshalb von Lukaschenkas Regime verfolgt werden, die Sponsoren der IIHF aufgefordert, die in Minsk geplanten Spiele nicht zu unterstützen. Fasel hatte vor 14 Tagen der russischen Nachrichtenagentur Tass gesagt, es sei weiterhin das Ziel, die Weltmeisterschaft in Belarus auszutragen. Für eine Entscheidung hinsichtlich der Spiele in Minsk sei noch Zeit.

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