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Bode Miller : Der Revoluzzer

Der herausragende Allrounder der Szene: Bode Miller Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Skirennfahrer Bode Miller wirbelt viel Schnee auf - zuletzt forderte er die Freigabe von Doping. Doch wirklich böse ist dem Amerikaner niemand, denn er hält die alpine PR-Maschine am Laufen.

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          Pernilla Wiberg hat in ihrem Leben einige schwere Ski-Rennstrecken erfolgreich bewältigt. Die Schwedin war Weltmeisterin, Olympiasiegerin, sie hat den Gesamt-Weltcup gewonnen - aber nun hat sie nach dem Ende ihrer Karriere vermutlich einen ganz heißen Ritt auf einem total unwegsamen Gelände voller Überraschungen vor sich: Sie soll Bode Miller wieder auf die Spur bringen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Amerikaner hatte zuletzt jede Menge Schnee abseits der Pisten aufgewirbelt, als er sich für die Freigabe von Doping aussprach, weil die Kontrollen ohnehin nicht für Gerechtigkeit sorgten und manches Mittel außerdem weniger gefährlich für die Gesundheit, sondern sogar eher von Nutzen wäre. "Man macht sich Gedanken über die Langzeitwirkung von Anabolika, aber dafür können manche Athleten mit 40, 50 Jahren als Spätfolge ihres Sports nicht mehr laufen. Und wenn Epo einem Skifahrer hilft, am Ende einer Abfahrtsstrecke die richtige Entscheidung zu treffen, ist das immer noch besser, als wenn er in den Zaun rast und sich den Hals bricht" - so ungefähr lassen sich die verschiedenen Ausführungen von Miller zu diesem Thema zusammenfassen.

          Der herausragende Allrounder der Szene

          Das wird also ganz sicher ein interessantes Gespräch zwischen den beiden Skistars. Pernilla Wiberg ist mittlerweile Mitglied in der Athleten-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Bode Miller ist nicht nur der Gesamt-Weltcupsieger der vergangenen Saison und trotz seines enttäuschenden Abschneidens am Samstag in Lake Louise der herausragende Allrounder der Szene, sondern auch deren größter Rebell.

          Go fast!

          Der Amerikaner schafft es zuweilen problemlos, auf einer Pressekonferenz über seine Fehler auf der Piste zu referieren und nur ein paar Augenblicke später bei einer Generalkritik am amerikanischen Präsidenten und dem Irak-Krieg zu landen. "Ich will ihn daran erinnern, daß er ein Vorbild ist", sagt Pernilla Wiberg, und wenn sie das tatsächlich in die Tat umsetzt, hat sie noch nichts von Bode Miller verstanden. Denn höchstens die Aussicht auf unzählige Interviews, garniert mit einem Haufen Sponsorenterminen und einer langweiligen Siegerehrung, törnt Miller vermutlich noch mehr ab als eine solche Gesprächseröffnung.

          „Idol der Jugend

          Was aber hat Miller geritten, sich auf ein derart vermintes Terrain zu begeben? Dopingfreigabe? Hat er das wirklich ernst gemeint? Der Amerikaner hat seine Thesen nicht eine Spur abgeschwächt, weder beim Weltcupauftakt vor fünf Wochen in Sölden und schon gar nicht, als er von Jacques Rogge, dem IOC-Präsidenten, von Dick Pound, dem Chef der Welt-Antidopingagentur (Wada), oder von Gianfranco Kasper, dem Präsidenten des Internationalen Ski-Verbandes (FIS), scharf für seine Aussagen gerügt wurde.

          Auffällig dabei war höchstens, daß die Entgegnung von Kasper, der ansonsten vehement gegen Doping zu Felde zieht, vergleichsweise gemäßigt ausgefallen war. "Ein bißchen extrem", sagte Kasper vielleicht auch deshalb, weil die Gedanken des Amerikaners nicht von allzuviel Fachwissen geprägt waren und der von Miller in Aussicht gestellte Nutzen gewisser Substanzen jederzeit widerlegt werden könnte. Aber Kasper weiß nebenbei auch mehr über Miller: "Er ist eine Art Revoluzzer gegen die ganze Gesellschaft, und das macht ihn natürlich zum Idol der Jugend."

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