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Bode Miller : Den besten Skiläufer der Welt trügt sein Gefühl nicht

  • -Aktualisiert am

Reiche Ernte für Bode Miller Bild: AP

Die Punkte im Weltcup der Skirennfahrer bestätigen, was ihm sein Gefühl schon seit Monaten sagt - daß er in diesem Winter der beste Skifahrer der Welt ist. Bode Miller vor dem Gewinn des Gesamtweltcups.

          2 Min.

          Als ziemlich cool empfand Bode Miller das, was ihm am sonnigen Freitag morgen kurz nach elf Uhr in Lenzerheide widerfuhr. Nervös sei er gewesen vor diesem Super-G auf der Silvanoi-Beltrametti-Piste, der mit den vielen engen Kurven auch für ihn eine große Herausforderung gewesen sei. Recht gut habe er diese gemeistert, auch wenn er ein paar ziemlich große Fehler gestand. Daß er schließlich den Superriesenslalom beim Weltcupfinale der alpinen Rennläufer in dem Schweizer Skiort gewann, mache das für ihn zu einem ganz großen Tag.

          Es war eine reiche Ernte, die der 28jährige Amerikaner mit seinem zweiten Super-G-Sieg der Saison einfuhr. Die 35.000 Franken Preisgeld waren dabei nur eine angenehme Nebenerscheinung. Die Tatsache, daß sein Freund und teaminterner Rivale Daron Rahlves bei der Siegerehrung das oberste Treppchen mit ihm teilte, machte den Erfolg zu einem ungewöhnlichen Ereignis - zwei zeitgleiche Sieger, das hat es bei den Männern bisher erst viermal gegeben.

          Punkte sind für ihn eine lästige Begleitmusik

          Doch anderes war wichtiger. Der in der Diszplin-Wertung führende Österreicher Hermann Maier fühlte sich etwas müde und klagte über fehlende Explosivität. So fuhr er nach eigener Einschätzung ein sehr schlechtes Rennen und wurde schließlich nur Neunter. Dadurch entriß ihm Miller im letzten Augenblick die kleine Kristallkugel für den Gesamtsieg im Super-G. Maier hätte ein vierter Platz genügt, um die Saisonwertung seiner Paradedisziplin ein sechstes Mal zu gewinnen. 32 Hundertstelsekunden fehlten ihm in diesem verrückten Rennen, bei dem sich die ersten zehn innerhalb von 44 Hundertstelsekunden klassierten.

          Maier hätte die Kugel auch gewonnen, wenn Miller um sechs Hundertstelsekunden langsamer gefahren wäre. Es ging um jene Zufälligkeiten, die, wie Miller immer wieder betont, er nicht beeinflussen könne. Deshalb sei für ihn jeweils nicht das Ergebnis entscheidend, sondern die Art, wie er Ski gefahren sei. Deshalb habe er in diesem Winter auch nie gerechnet. Punkte sind für ihn so etwas wie eine lästige Begleitmusik.

          Abseits der Rennpisten freier Auslauf

          Doch jetzt sind die Punkte auf dem besten Weg, das zu bestätigen, was ihm sein Gefühl schon seit Monaten sagt - daß er in diesem Winter der beste Skifahrer der Welt ist. Daß es sich lohnt, jedes Rennen zu bestreiten und stets sein Bestes zu geben. Daß einer wie er eine lange Saison auch dann durchstehen kann, wenn er sich abseits der Rennpisten freien Auslauf gewährt. Daß auch ein schmerzendes Knie kein Handicap ist, wenn das Training angepaßt wird. Und daß sich Spaß und Erfolg nicht ausschließen.

          Weil Benjamin Raich, sein letzter Gegner im Kampf um den Sieg im Gesamt-Weltcup, gestern nur Elfter wurde, vergrößerte Miller seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 184 Punkte. Raich müßte am Wochenende sowohl den Riesenslalom als auch den Slalom gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Mit einem Rang unter den ersten 15 könnte Miller aber schon an diesem Samstag im Riesenslalom alle Spekulationen beenden und sich als zweiter Amerikaner nach Phil Mahre (1981 und 1982) zum Gesamt-Weltcupsieger krönen lassen.

          Anja Pärson weiß, wie man einen Vorsprung verteidigt

          Es ist eine Situation, die Miller nicht mag. Auf Sicherheit zu fahren ist nicht sein Stil. Als er in der Wengener "Super-Kombination" im Slalom auf Durchkommen fuhr, schied er trotzdem aus und schwor sich, den Fehler nicht zu wiederholen. Außerdem könnte er sich mit einem Sieg im Riesenslalom eine zweite kleine Kristallkugel sichern. In der Disziplinenwertung liegt er 23 Punkte hinter Raich zurück. Er ist also gleichzeitig Gejagter und Jäger. Eine prickelnde Ausgangslage, die nur einen kühl läßt: Bode Miller.

          Möglich ist, daß Bode Miller heute nicht allein feiern muß. Denn auch für Anja Pärson hat sich durch den Super-G, in der Disziplin, in der sie WM-Gold gewann, die Ausgangslage massiv verbessert. Dank ihrem dritten Platz hinter Michaela Dorfmeister, die sich damit die kleine Kristallkugel sicherte, und der von ihrer tiefen Startnummer profitierenden Slalomspezialistin Martina Schild vergrößerte die Schwedin ihren Vorsprung vor Janica Kostelic auf 89 Punkte. Auch wenn die kroatische Slalom-Weltmeisterin wie bei der WM im Slalom triumphieren sollte, müßte es für die Schwedin reichen. Denn im Gegensatz zu Miller weiß Anja Pärson, wie man einen Vorsprung verteidigt.

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