https://www.faz.net/-gtl-u5qt

Bob-WM : „Nach all den Jahren ein bisschen müde“

  • Aktualisiert am

„Wir hatten zu viele Baustellen”, sagte Pilot Andre Lange Bild: dpa

Zum ersten Mal seit 1999 haben die deutschen Viererbob-Piloten kein Gold bei der WM gewonnen. Trotz seiner Führung nach den ersten beiden Läufen kam Doppel-Olympiasieger Andre Lange am Ende nur auf den dritten Rang.

          2 Min.

          Bronze statt Gold für den müden Andre Lange: Die Siegesserie der deutschen Viererbob-Piloten ist bei der WM in St. Moritz nach acht Jahren gerissen. Nur einen Tag nach der überlegensten Goldfahrt der Geschichte von Sandra Kiriasis verspielte der Zweier-Champion Lange seine Halbzeit-Führung und musste der Krönung seines Nachfolgers Ivo Rüegg (Schweiz) zusehen. Insgesamt gewann das deutsche Team bei der WM dreimal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze.

          „Vielleicht bin ich nach all den Jahren ein bisschen müde. Wir hatten zu viele Baustellen, so kann man kein Rennen gewinnen. Jetzt gehe ich erstmal ein Bier trinken“, sagte Doppel-Olympiasieger Lange nach dem geplatzten Goldtraum. Erstmals seit 1999 - damals triumphierte der Franzose Bruno Mingeon in Cortina - stand in der Königsdisziplin kein deutscher Pilot bei Olympia oder WM ganz oben. Dem viermaligen Vierer-Weltmeister fehlten im spannendsten Finale seit Jahren 0,24 Sekunden zur erfolgreichen Verteidigung seines WM-Throns. Silber schnappte mit einer Hundertstel Vorsprung der Kanadier Pierre Lueders weg.

          „So ein enges Finale habe ich noch nicht erlebt“

          Anschieber Kevin Kuske konnte die Enttäuschung über den dritten Platz nicht verbergen: „So ein enges Finale habe ich noch nicht erlebt. Die anderen waren besser, das müssen wir halt hinnehmen.“ Der 1,96-Meter-Hüne schickte im Sonnenschein von St. Moritz aber eine Kampfansage hinterher. „Nächstes Jahr holen wir den Pott auf unserer Lieblingsbahn in Altenberg wieder“, sagte Kuske. Chefpilot Lange analysierte direkt nach dem Rennen die Fehler. „Es hat an drei Dingen gefehlt: der Athletik, am Start und auch am Material.“

          Losgelöste Jubelsprünge gab es bei der Crew von Rüegg. Musste der Schweizer Lange in der Zweierkonkurrenz noch knapp den Vortritt lassen, vergoldete er im vierten Lauf mit Start- und Bahnrekord seine Heim-WM. Für die Schweiz war es das erste Vierer-Gold seit Gustav Weders Triumph 1993. Mit einem Lächeln im Gesicht verließ WM-Neuling Karl Angerer aus Königssee nach Platz 12 St. Moritz: „Vor zwei Wochen habe ich ja noch nicht mal von einer WM-Teilnahme geträumt. Und nun fahre ich sogar mit der Goldmedaille aus dem Team-Wettbewerb nach Hause.“

          „Vom anderen Stern“

          In der Nacht vor Langes Bronze-Fahrt ließ Weltmeisterin Sandra Kiriasis die Korken knallen. Mit dem schier unglaublichen Vorsprung von 2,05 Sekunden oder umgerechnet 51,5 m hatte sie die Konkurrenz deklassiert und ihren WM-Titel verteidigt. „Ich bin sprachlos. Wir haben hier nur super Läufe erwischt“, sagte Kiriasis. Mit einer Riesenrassel rannte die Winterbergerin jubelnd durch den Zielbereich.

          „Das ist eine Mannschaft vom anderen Stern“, kommentierte der zurückgetretene Olympiasieger Christoph Langen die Triumphfahrt von Kiriasis. Cathleen Martini (Oberbärenburg) machte mit dem Silberrang den deutschen Doppelerfolg perfekt. Nach dem größten Erfolg ihrer Karriere streichelte sie ihren froschgrünen Bob „Kermit“. „Es ist Liebe“, sagte die 24-Jährige grinsend. Ex-Weltmeisterin Susi Erdmann (Königssee) verpasste den Sprung aufs Podest auf der längsten Naturbahn der Welt als Vierte knapp.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.