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Bilanz der Biathlon-WM : Immerhin auf die Frauen ist Verlass

„Die Oma stellt den Sekt kalt“: Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler (von links) freuen sich über Staffel-Silber. Bild: AP

Problemzone Schießstand: Die deutschen Männer enttäuschen bei der WM mit allzu vielen Fahrkarten. Bei Benedikt Doll liegt das Selbstvertrauen gar bei „minus zehn“. Dafür überraschen die Frauen mit Bestform zum Saisonhöhepunkt.

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          Dass Ministerpräsident Giuseppe Conte dann doch nicht den Weg in die Südtirol Arena nach Antholz gefunden hat, um Dorothea Wierer persönlich zu gratulieren, lag einzig daran, dass er wegen des Coronavirus gefordert war, das in Italien nach zwei Todesfällen schon zu rigiden Vorsorge-Maßnahmen geführt hat. Conte hätte am Sonntag zum Abschluss der Biathlon-WM noch einmal einen packenden Zweikampf im Massenstart zwischen Wierer und Marte Olsbu Röiseland erlebt, auch wenn dieser zugunsten der mit fünf WM-Titeln überragenden Norwegerin endete. Was nichts daran ändert, dass die Biathlongöttin dieser WM aus dem Antholzertal stammt: „Doro“ entfachte mit je zweimal Gold und Silber Begeisterung weit über Südtirol hinaus.

          Ansonsten sahen insgesamt mehr als 150.000 Zuschauer eine WM der Norweger und der Franzosen. Johannes Thingnes Bö, wegen der Babypause nach der Geburt von Gustav nicht in Bestform nach Antholz gereist, belohnte sich zu guter Letzt im Massenstart mit seinem ersten Einzel-Titel dieser WM, was seine Gesamtbilanz auf zweimal Gold und dreimal Silber erhöhte. Martin Fourcade, der nach einer schwierigen Saison wieder auf höchstem Niveau angekommen ist, freute sich über zweimal Gold und einmal Bronze.

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          Und die Deutschen? Die fahren zum ersten Mal seit 2013 ohne WM-Titel nach Hause. Was noch bemerkenswerter ist: Bronze in der Staffel am Samstag verhinderte bei den hochgelobten Männern zudem die erste medaillenlose WM seit 1969 – vom Mixed einmal abgesehen. Das ist weit weg vom eigenen Anspruch. Trotzdem fällt die Bilanz zweigeteilt aus. Es herrschte schon ein bisschen verkehrte Welt. Weil die Frauen in der Südtirol Arena das starke Geschlecht waren. Dass zum Schluss die Kräfte ausgingen, und Franziska Preuß im Massenstart als beste deutsche Skijägerin auf Rang acht landete – geschenkt.

          Bestform beim Saisonhöhepunkt

          „Die Oma hat zu Hause schon den Sekt kaltgestellt“, sagte Vanessa Hinz stellvertretend für alle. Sie haben in der Saison eins nach Laura Dahlmeier oft richtig auf den Deckel bekommen. Aber wenn man beim Saisonhöhepunkt in Bestform ist, hat man vieles richtig gemacht. „Sie haben hier gezeigt, wozu sie wirklich in der Lage sind“, bilanzierte Frauentrainer Kristian Mehringer zufrieden. Dreieinhalb Silbermedaillen wären vorher als kühne Prognose bezeichnet worden. Noch dazu fast gleichmäßig verteilt: Denise Herrmann in der Verfolgung, Vanessa Hinz im Einzel, Franziska Preuß mit Erik Lesser in der Single Mixed, und alle zusammen mit Karolin Horchler in der Staffel. Was jetzt nicht heißt: WM gut – alles gut. „Antholz soll nicht überdecken, dass wir gerade im Nachführbereich für die drei Weltklasse-Athletinnen sehr hart arbeiten müssen. Wir werden einen Perspektivkader aufstellen“, sagt Bernd Eisenbichler, der neue Sportliche Leiter Biathlon.

          Womit wir bei den Männern wären. Konditionell bestens vorbereitet, läuferisch Spitzenklasse. Aber leider mit der Problemzone Schießstand. Was auch der Massenstart am Sonntag noch einmal belegte: 20 Fahrkarten teilten sich die vier Biathleten, von denen Johannes Kühn (4 Fehler) auf Rang zehn noch der Beste war. Trotzdem behauptet Eisenbichler: „Wir haben kein Schießproblem.“ Natürlich wird es am Saisonende eine detaillierte Analyse geben – aber das Kompetenzteam Schießen existiert schon. Die Schwierigkeiten in Antholz waren am deutlichsten bei Benedikt Doll zu beobachten. Als bester Deutscher im Gesamt-Weltcup angereist, wackelte er am Schießstand wie in alten Zeiten. Nicht allein, dass er mit einer Strafrunde das greifbare Staffel-Gold noch aus den Händen gab. Schon vorher waren seine Schießleistungen bedenklich. Insgesamt 14 Fahrkarten schoss der 29 Jahre alte Schwarzwälder – wie Johannes Kühn – in den drei Einzelkonkurrenzen vor der Staffel – macht eine Trefferquote von 72 Prozent, weitab der Weltklasse.

          Die fehlende innere Balance

          „Ich habe gerade am Schießstand ein Selbstvertrauen von minus zehn“, sagte Doll nach Bronze in der Staffel. Aber genau diese innere Balance braucht ein Schlussläufer, der den meisten Druck aushalten muss. Vielleicht wäre Kirchner besser beraten gewesen, dem treffsichereren Arnd Peiffer (Quote vor der Staffel 86 Prozent) diesen Part anzuvertrauen, auch wenn der 32 Jahre alte Niedersachse ihn nicht gerade liebt. Der Einzel-Weltmeister von Östersund 2019 sagte trotz guter Leistungen in Sprint, Verfolgung und vor allem in der Staffel gewohnt selbstkritisch: „Es war nicht meine beste WM.“

          Aber es gab auch Gewinner im Team Germany. Erik Lesser zum Beispiel. Nach einer verkorksten Saison aus den Tiefen des IBU-Cups auferstanden, avancierte der 31 Jahre alte Thüringer zum WM-Joker. Zwei Einsätze, zwei Medaillen – jeweils mit beeindruckenden Schnellfeuereinlagen: Das nennt man einen Auftritt. Kirchner, der sich bei der Besetzung der Staffel über einige Bedenken hinwegsetzen musste, weil Lesser im Gegensatz zu allen anderen im Team nur die halbe WM-Norm geschafft hatte, darf man in diesem Fall getrost ein glückliches Händchen attestieren. Denn wenn einer seinen Einsatz als Startläufer gerechtfertigt hat, dann der Mann aus Oberhof, der seine Saison nach der WM beendet und nicht mehr zur Europameisterschaft nach Minsk reist.

          Auch Philipp Horn, mit 25 Jahren der Jüngste im Team, darf man zu den Gewinnern zählen. Im Sprint so schnell wie Johannes Bö, in der Staffel auf Augenhöhe mit Martin Fourcade, der Thüringer ist „mit so einem WM-Debüt auf einem guten Weg, ein Großer zu werden“, sagt Kirchner. Am Sonntag zeigte er allerdings, wo seine großen Defizite noch liegen: sieben Fehler im Massenstart. Das passt ins deutsche Gesamtbild.

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