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Biathlon-WM : Peiffer verschießt gemischtes Gold

  • -Aktualisiert am

Strahlefrau und Sündenbock: Neuner und Peiffer im Ziel Bild: dpa

Fast eine Minute Vorsprung hatte die deutsche Mixed-Staffel zwischenzeitlich, doch beim letzten Schießen versagen Arnd Peiffer die Nerven. So gewinnt Norwegen den ersten Titel in Ruhpolding vor Slowenien und den Deutschen.

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          Am Donnerstag ist in Ruhpolding der Frühling ausgebrochen, pünktlich zum Beginn der Biathlon-WM. Blauer Himmel, fast 15 Grad, T-Shirt-Wetter besonders für die Zuschauer auf der Haupttribüne. Aber die 26.000 Fans in der Chiemgau-Arena waren ohnehin auf Höchsttemperatur. Zumindest bis zum letzten Schießen.

          Denn da stand Arnd Peiffer, der Schlussläufer der deutschen Mixed-Staffel allein auf weiter Flur. Das erste Gold im ersten Wettbewerb war zum Greifen nahe. Aber immer wenn man im Biathlon glaubt, es sei alles in trockenen Tüchern, kommt es ganz anders. Eine Strafrunde im Finale riss das deutsche Quartett aus seinen Träumen.

          Aus Gold wurde Bronze, hinter Norwegen und dem Überraschungsteam Slowenien, Peiffer war zerknirscht. „Die drei andern haben so toll vorgelegt, und ich habe es nicht nach Hause gebracht. Das ärgert mich.“ Probleme habe er gehabt mit dem schräg einfallenden Sonnenlicht, „es war reines Glück, dass ich überhaupt was getroffen habe, aber die anderen sind ja damit klargekommen.“ Immerhin spendeten die Kollegen Trost. „Jeder von uns kennt diese Situation, wir haben doch Bronze, und darüber kann sich auch der Arnd bald freuen“, sagte Magdalena Neuner, die selbst das hohe Ziel vorgegeben hatte: Gold.

          Das geht daneben: Arnd Peiffer verschießt das erste Gold der Weltmeisterschaft Bilderstrecke
          Das geht daneben: Arnd Peiffer verschießt das erste Gold der Weltmeisterschaft :

          Immerhin ist die erste Medaille unter Dach und Fach, Frau Neuner bleibt in ihrem WM-Erfolgsplan „Ich bin froh, dass ich wenigstens Lenas Medaillenziele nicht zerstört habe. Das war mir sehr wichtig“, sagte Peiffer. Die Norweger waren ungleich glücklicher, sie verdankten ihren Titel einem berechtigten Protest mit anschließender Zeitgutschrift, weil Ole Einar Björndalen trotz Treffers in die Strafrunde musste.

          Das deutsche Team, vor einem Jahr in Chanty-Mansijsk Zweiter, war mit dem Besten angetreten, was es derzeit zu bieten hat. Andrea Henkel, mit 34 die Routinierteste, an Position eins; dann Magdalena Neuner, die Rekordweltmeisterin, Olympiasiegerin und Weltcup-Spitzenreiterin; gefolgt von Andreas Birnbacher, derzeit an Weltcup-Position drei bester deutscher Biathlet; zu guter Letzt Arnd Peiffer, noch aktueller Sprint-Weltmeister und eigentlich längst eine Bank als Schlussläufer.

          Aber auch die anderen großen Nationen überlassen die Mixed-Staffel längst nicht mehr einer B-Auswahl. Die starken Franzosen, Titelverteidiger Norwegen, Russland – alle in Top-Besetzung. Kein Wunder, 2014 in Sotschi wird die anfangs belächelte Mixed-Staffel olympisch, das zeigt ihren gewachsenen Stellenwert.
           

          „Vollgas von Anfang an“ hatte Andrea Henkel versprochen, aber mit zwei Nachladern gleich beim ersten Schießen geriet die Oberhoferin früh in die Defensive. Und als noch einer im Stehendanschlag hinzukam, half ihrer Nachfolgerin Magdalena Neuner bei 46,3 Sekunden Rückstand auf Norwegen nur noch die Alles-oder-nichts-Strategie. „Das war nicht das, was ich mir am Schießstand vorgenommen hatte. Ich war heute tatsächlich ein bisschen aufgeregt“, sagte Andrea Henkel. Kein Wunder, bei der Kulisse.

          Aber da war Magdalena Neuner schon auf Platz drei vorgerückt. Eine Zusatzpatrone brauchte die Wallgauerin in der Liegendposition, zwei stehend, aber Vollgas, das ist ihre große Stärke. Es war frappierend, wie sie auf der letzten Schleife die Konkurrenz stehen ließ. Bei der Übergabe an Andreas Birnbacher war der Rückstand auf 7,2 Sekunden geschmolzen - Platz zwei hinter den Franzosen. „Mein Körper hat ein bisschen gebraucht, um hochzuschalten“, sagte Magdalena Neuner, „und nach dem ersten Fehler habe ich nur gedacht: Einfach durchziehen und auf Risiko gehen.“

          Und sie nahm strahlend wahr, „dass der Andi einen phantastischen Job macht“, weil aus ihrem kleinen Rückstand nach dem ersten Schießen bereits fast 30 Sekunden Vorsprung geworden waren. Birnbacher, der in dieser Saison schon drei Weltcup-Siege auf dem Konto hat, hatte eine hundertprozentige Trefferquote - in seiner schwächeren Disziplin. Und als der 30 Jahre alte Schlechinger auch stehend fehlerlos blieb, war auch seinen ärgsten Verfolgern Simon Fourcade und Ole Einar Björndalen der Zahn gezogen - beide handelten sich Strafrunden ein, wobei die des Norwegers später zurückgenommen wurde.

          Im Angesicht des sicheren Sieges

          Es war ein unglaublich nervenstarker und läuferisch kraftvoller Auftritt von Birnbacher, weil ja eine Heim-WM nicht nur beflügeln kann. „Ich habe am Schießstand überhaupt keinen Wackler gehabt, aber vor dem Publikum ist es nicht leicht. Jeder kann sich vorstellen, dass die Anspannung nicht gerade klein war“, sagte Birnbacher.

          Peiffer hatte sich als Schlussläufer vorher scherzhaft einen Minuten-Vorsprung gewünscht, und den bekam er auch fast. 58,7 Sekunden - auf Slowenien. So kann sich das Blatt wenden. Peiffer brauchte das Quartett eigentlich nur noch zum goldenen Abschluss zu führen. Eine erste kleine Schrecksekunde musste der 24 Jahre alte Niedersachse aus Clausthal-Zellerfeld verkraften, weil gleich die erste Scheibe stehenblieb, aber der Rest auf der Matte war kein Problem. Aber es ist schon anderen so gegangen, dass sie im Angesicht des sicheren Sieges das Zittern befallen hat. Dass aus Formsache eine Kopfsache wird. Peiffer glitt das Gold mit jedem Schuss im Stehend-Anschlag aus den Händen. Da half auch alles Beten von Magdalena Neuner im Ziel nicht. Zum schlechten Schluss musste der ansonsten so verlässliche Niedersachse auch noch in die Strafrunde. Die Mission Gold war gescheitert.

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