https://www.faz.net/-gtl-yjpq

Biathlon-WM : Greis verschießt eine deutsche Medaille

  • Aktualisiert am

„Es tut mir wirklich leid”: Michael Greis Bild: dpa

Die Medaille liegt bereit. Beim vorletzten Schießen der Staffel liefern sich die deutschen Biathleten bei der WM einen Zweikampf mit Norwegen. Doch ausgerechnet ein Aussetzer von Routinier Greis kostet einen Platz auf dem Podest. Die Enttäuschung ist greifbar.

          2 Min.

          Erst verballerte Michael Greis die sichere Staffelmedaille, nach dem Zieleinlauf flüchtete er als geschlagener Siebter aus dem Stadion. Im Moment seiner größten sportlichen Niederlage wollte der dreimalige Biathlon-Olympiasieger erst einmal für sich sein. Nachdem der Allgäuer am Freitag im WM-Staffelrennen von Chanty-Mansijsk mit drei Strafrunden sein Team mit Christoph Stephan, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer im Alleingang aus den Medaillenrängen geschossen hatte, war der 34-Jährige untröstlich.

          Allein ging Greis zum Auslaufen, um das Geschehene zu verarbeiten. Über Pressesprecher Stefan Schwarzbach ließ der Bayer nach dem Rennen ausrichten: „Es lief leider nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe und wie sich die Jungs das wahrscheinlich auch vorgestellt haben. Es tut mir wirklich leid“, erklärte Greis. Tröstende Worte gab es vom überlegenen Sieger aus Norwegen. „Das tut mir sehr leid für ihn“, sagte Emil Hegle Svendsen. Silber ging an WM-Gastgeber Russland, Bronze an die Ukraine.

          Routinier Greis war gleichzeitig mit Norwegens Überflieger Tarjei Bö in die Schlussrunde gegangen. Im Normalfall wäre mindestens Silber für das deutsche Quartett drin gewesen. Doch diesmal lief für Greis alles schief. Seinen ersten Schuss im liegenden Anschlag brachte er noch sicher ins Ziel. Aber danach kam leichter Wind auf, den Greis nicht registrierte. Er veränderte seine Einstellungen am Gewehr nicht, und das Drama nahm seinen Lauf.

          „Michi hat ein bisschen Risiko gewählt“

          „Aber ich bin mir eigentlich beim Schießen keiner großen Schuld bewusst. Ich war gut drin, die Schüsse kamen sauber. Ich habe auch noch vorher auf die Windfahnen geachtet“, sagte Greis. „Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal in einem Staffelrennen drei Fehler im Liegendschießen geschossen habe.“ Damit erlebte Greis ein ähnliches Drama wie Birnbacher im vergangenen Jahr bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver.

          Damals hatte der 29-Jährige mit zwei Strafrunden im stehenden Anschlag die sichere Medaille aus der Hand gegeben. Seit dem Olympia-Coup 2006 in Turin warten die deutschen Männer bei einem Großereignis auf Staffel-Gold. „Das ist bitter. Vor allem bei so einem Höhepunkt“, sagte Peiffer, der das Greis-Debakel via Funk in der Umkleidekabine mitbekam. „Nach unseren Vorleistungen hätten wir eine Medaille verdient gehabt.“

          Aber insgesamt leistete sich das in dieser Weltcup-Saison zweimal erfolgreiche deutsche Team neben den drei Extrarunden noch 16 Nachlader - eindeutig zu viel, um vorne mitzumischen. Fritz Fischer, Heimtrainer von Greis, nahm seinen Schützling in Schutz. „Die Jungs haben ein starkes Rennen gemacht. Michi hat ein bisschen Risiko gewählt. Er hat es probiert“, sagte Fischer. „Dass uns der Wind so mitspielt, ist schade.“ Dabei lag vor dem Rennen der Fokus vor allem auf Birnbacher.

          Immer wieder wurde im Vorfeld gemutmaßt: Hat der Bayer sein Olympia-Drama verdaut oder nicht? Er hat: Denn im entscheidenden Schießen blieb Birnbacher diesmal ohne Fehlschuss und brachte sein Team nach vorn auf Platz zwei. „Das war heute ein hartes Ding für mich. Ich wusste nicht, ob ich das aus meinem Kopf kriege“, bekannte der Schlechinger, der sich bei seinem Mentaltrainer bedankte: „Thomas hat mir sehr geholfen. Vielen Dank.“ Auch das nutzte am Ende aber nichts.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Problemimmobilien : Kaputte Verhältnisse

          Hochhausruinen, überbelegte Altbauwohnungen, verwahrloste Siedlungen: In Deutschland gibt es zigtausend Problemimmobilien, besonders viele in Nordrhein-Westfalen. Dort nennt man viele Ursachen und immer wieder den Namen eines Unternehmens.

          Paris St. Germain : Tuchel und der ewige Ärger mit seinen Stars

          Nicht nur die Niederlage in Dortmund setzt Paris St. Germain zu. Auch die Eskapaden der besten Spieler um Neymar sorgen für Ärger. Nun taucht ein Video auf, das Trainer Thomas Tuchel ganz und gar nicht erfreut.
           Ausgerechnet die Partei der Marktwirtschaft wollte den Wettbewerb um den Vorsitz ausschalten.

          CDU-Nachfolge : Konkurrenz oder Konsens?

          Im Ringen um die Nachfolge von Angela Merkel setzt die CDU-Spitze auf eine einvernehmliche Lösung. Norbert Röttgen hingegen will Wettbewerb. Welches Auswahlverfahren verspricht mehr Erfolg?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.