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Biathlon-WM : Deutsches Silber zum Auftakt - Norwegen siegt

Sieg: Tarjei Bö sichert Norwegen die Goldmedaille Bild: dpa

Die deutschen Biathleten starten mit einem Erfolgserlebnis in die WM. Die Mixed-Staffel holt Silber. Auf den letzten 7,5 Kilometern schnappt der Norweger Tarjei Bö im Duell mit Michael Greis die Goldmedaille weg. Bronze geht an Frankreich.

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          Der Vorsprung war relativ komfortabel, aber als Tarjei Bö Ernst machte, verlor Michael Greis bei jedem Schritt an Boden. Und der norwegische Schlussläufer der Mixed-Staffel, mit 23,9 Sekunden Rückstand auf die letzten 7,5 Kilometer des WM-Kurses von Chanty-Mansijsk gegangen, wurde noch vor dem finalen Shootout vom Jäger zum Gejagten. Aber in dieser Stresssituation zeigte der erst 22 Jahre alte Norweger, warum er Weltcup-Spitzenreiter ist. Mit der Souveränität eines Routiniers erledigte seinen Job am Schießstand trotz Nachladers und baute den Vorsprung gegenüber dem 34-jährigen Deutschen bis ins Ziel auf 22,9 Sekunden aus. Frankreich wurde mit 1:16,2 Minuten Rückstand Dritter. Irgendwie habe er das Gefühl gehabt, sagte Greis später, „dass ich es kampflos aufgeben musste.“

          Die Biathlon-WM in Chanty-Mansijsk hat ihren ersten Weltmeister, und dass es Norwegen war, ist keine Überraschung. Zumal die Skandinavier - bis auf den an die Langlaufstaffel in Oslo ausgeliehenen Emil Hegle Svendsen - in Bestbesetzung antraten. Aber das galt für alle 26 Teams gleichermaßen. Es war die bestbesetzte Mixed-Staffel seit 2007, als dieser elfte Biathlon-Wettbewerb ins WM-Programm aufgenommen wurde. Was natürlich vor dem Hintergrund zu sehen ist, dass die Mixed-Staffel nun auch olympisch werden soll und deswegen bei der WM im westsibirischen Tiefland unter besonderer Beobachtung stand.

          Und der Mann vom Internationalen Olympischen Komitee wurde Zeuge mancher Überraschung: Etwa des Blackouts der russischen Startläuferin Swetlana Slepzowa, deren zwei Strafrunden die Zuschauer im Biathlonstadion früh verstummen ließen: Platz sechs beim Heimspiel - eine herbe Enttäuschung. Weil auch Schweden und Frankreich mehr Probleme hatten als erwartet, reduzierte sich der Kampf um den Titel früh auf das Duell Norwegen gegen Deutschland.

          Schussfieber: Die Biathlon WM in Chanty-Mansisk hat mit der Mixed-Staffel begonnen

          Vorlage zum goldenen Schuss ungenutzt

          Auch Bundestrainer Uwe Müssiggang hatte sein Spitzen-Quartett ins Rennen geschickt. Und lange sah es so aus, als könnten Andrea Henkel, Magdalena Neuner und Arnd Peiffer bei erster Gelegenheit zum großen Schlag ausholen. Bis Greis dem Ansturm von Bö zum Opfer fiel. Dennoch sprach Gerald Hönig, für die Frauen zuständig, von einem „wunschgemäßen Auftakt.“ Und Männer-Trainer Mark Kirchner fügte hinzu: „Wir wollten eine Medaille, und die haben wir jetzt.“

          Dass sie aus Gold hätte sein können, schien keiner Erwähnung wert. Dabei hatte doch der Mittelblock die entscheidende Vorlage zum goldenen Schuss geliefert. Es war bemerkenswert, wie Olympiasiegerin Magdalena Neuner aus den 26,7 Sekunden Rückstand, die sich Startläuferin Andrea Henkel auf die Norwegerin Tora Berger eingehandelt hatte, 24,7 Sekunden Vorsprung machte. Dabei war ihr am Wochenende quasi über Nacht ein Virus in die Glieder gefahren - Einsatz ungewiss: „Am Sonntag konnte ich nicht mal die Wäsche aus dem Keller holen.“

          Aber das Virus verschwand offenbar so schnell, wie es gekommen waren. Dass die siebenmalige Weltmeisterin schnell laufen kann, weiß man, aber dass sie - wie am Donnerstag - alle Scheiben trifft, zählt immer noch zu den Ausnahmen. „100 Prozent am Schießstand, das ist grandios“, sagte sie. Und für den Samstag, wenn in Chanty-Mansijsk der Sprint ansteht, erwartet sie läuferisch sogar noch eine Steigerung. „Sie hat heute Lust auf mehr gemacht“, befand Hönig.

          Björndalen dankt Bö

          Das gilt auch für Arnd Peiffer. Der Niedersachse, bald 24 Jahre alt, hielt auf seiner Schleife immerhin Mister Biathlon Ole Einar Björndalen in Schach. Keinen Zentimeter kam der sechsmalige Olympiassieger dem bislang einzigen deutschen Weltcupsieger dieses Winters näher. Auch wenn Peiffer befand: „Vom Schießen war das nicht optimal, aber beim Laufen passt es.“

          Selbst den Klemmer im Gewehrschloss, der ihn eine Zusatzpatrone und damit Zeit kostete, vermochte Björndalen nicht auszunutzen. Der Norweger, der in dieser Saison mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, wusste genau, wem er seinen 15. WM-Titel zu verdanken hat: „Ich bin froh, dass Tarjei das noch geschafft hat.“

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