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Biathlon-WM : Bronzemedaille mit Goldcharakter

  • Aktualisiert am

Quartett mit Blumen und Plaketten: Michael Greis, Andreas Birnbacher, Alexander Wolf und Michael Roesch (v.l.) Bild: AP

Ungeachtet neuer Doping-Verdächtigungen haben die deutschen Biathleten bei der WM ihre sechste Medaille gewonnen. Michael Rösch, Alexander Wolf, Andreas Birnbacher und Michael Greis belegten über 4 x 7,5 Kilometer hauchdünn vor Österreich Platz drei.

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          Die deutschen Biathleten haben trotz neuer Doping-Gerüchte den Überblick behalten und Staffel-Bronze bei der WM in Östersund wie einen Sieg gefeiert. Nach einer furiosen Schlussrunde verwies Michael Greis den Österreicher Christoph Sumann noch mit vier Zehntelsekunden Vorsprung auf Platz 4. Russland verteidigte seinen Titel vor Norwegen erfolgreich.

          „Ich habe schon nicht mehr an Bronze geglaubt, aber gekämpft“, sagte Michael Greis, der gleich im Zielraum von den Staffel-Gefährten Michael Rösch, Alexander Wolf und Andreas Birnbacher jubelnd empfangen wurde. „Der Greis ist ja auch nicht gerade der Nasenbohrer der Nation, er hat mich genau im richtigen Moment auf dem falschen Fuß erwischt“, anerkannte Sumann, der vom deutschen Olympiasieger am letzten steilen Anstieg überholt worden war.

          „Genügend Wut im Bauch“

          „Eine ganz stark erkämpfte Medaille“, kommentierte Bundestrainer Frank Ullrich: „Auch wenn die Jungs insgesamt nicht das gebracht haben, was sie können. Aber angesichts des ganzen Schlamassels rundherum bin ich sehr zufrieden.“ Der Coach hatte bereits vor dem Start vermutet, dass die Turbulenzen um deutsche Namen auf einer in Österreich veröffentlichten Liste von möglichen Doping-Kunden in Wien, „einigen Leuten bei uns die Füße weggezogen hat. Unter diesen Vorzeichen wird es ganz schwer“, sagte der Coach und schien schnell Recht zu behalten.

          Knapp die Nase vorne: Michael Greis (r) rettet Bronze vor Christoph Sumann

          „Ich hatte genügend Wut im Bauch, aber die habe ich in die falsche Richtung umgesetzt. Beim Stehendschießen war das ganz klar zu wenig“, meinte Stamm-Startläufer Michael Rösch. Der Altenberger verlor den Anschluss zu den Topfavoriten Russland und Norwegen, als er nach dem Stehendschießen eine Strafrunde drehen musste: „Ich habe zwar versucht, mich mit Musik abzulenken, aber ganz ausblenden konnte ich es nicht. Ich habe null Angst. Das Gute wird siegen“.

          Deutsches Fahrkarten-Festival

          Ein ganz starkes Rennen absolvierte der in der Staffel früher oft zu den Wackelkandidaten zählende Alexander Wolf. Der Oberhofer stürmte wie entfesselt durch den Östersunder Wald und hatte schon beim ersten Schießen die Hälfte des von Rösch verursachten Rückstandes von 43 Sekunden wieder wettgemacht. „Ich habe alles riskiert. Es hat geklappt. Ein wirklich gutes Rennen von mir“, sagte Wolf. So konnte Andreas Birnbacher nur 6,5 Sekunden hinter Titelverteidiger Russland auf sein Teilstück starten.

          Der Mixed-Weltmeister aber schoss insgesamt zu schwach, musste wie Rösch einmal durch die Strafrunde und fiel zurück. „Die Leute können schreiben, was sie wollen. Wir wissen ja, dass nichts dran ist, warum sollte die Bronzemedaille also eine Trotzreaktion von uns sein“, polterte der Schlechinger.

          Auch der ansonsten so zuverlässige Schlussläufer Michael Greis beteiligte sich wie Rösch und Birnbacher am deutschen Fahrkarten-Festival und schoss gleich fünfmal daneben. Der 31-Jährige konnte aber wenigstens eine Strafrunde verhindern und dann auf dem letzten Laufabschnitt die 7,3 Sekunden Rückstand gegenüber Sumann aufholen. „Das ist eine Bronzemedaille mit Goldcharakter“, bilanzierte Michael Rösch.

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