https://www.faz.net/-gtl-wesp

Biathlon : Wilhelm siegt unbeeindruckt - Neue Vorwürfe aus Schweden

  • Aktualisiert am

Im Gelben Trikot zum ersten Weltcup-Sieg der Saison: Kati Wilhelm Bild: REUTERS

Der Wirbel um die Doping-Vorwürfe scheint den deutschen Biathletinnen wenig auszumachen - zumindest im Wettkampf. Beim Weltcup in Antholz gewann Kati Wilhelm den Sprint vor Andrea Henkel. Derweil gibt es neue Anschuldigungen aus Schweden.

          2 Min.

          Kati Wilhelm hat mit Wut im Bauch beim von Doping-Wirbel überschatteten Biathlon-Weltcup in Antholz ihren ersten Einzel-Saisonsieg erkämpft. Die dreimalige Olympiasiegerin aus Zella-Mehlis krönte eine Glanzleistung der nervenstarken deutschen Mannschaft und baute nach dem 17. Tagessieg ihrer Laufbahn die Führung im Gesamtweltcup aus.

          Als Zweite mit nur 10,5 Sekunden Rückstand wiederholte die ebenfalls fehlerfrei schießende Andrea Henkel (Großbreitenbach) ihr bestes Saisonresultat. Platz drei ging mit 26,9 Sekunden Rückstand an die Russin Swetlana Sleptzowa.

          „Das ging alles nicht spurlos an ihnen vorüber“

          „Das war heute ein geniales Rennen. Es war nicht leicht, den Kopf frei zu bekommen, auch wenn wir wissen, dass wir von den Dopingvermutungen nicht betroffen sind“, sagte Wilhelm. Das erstklassige Mannschaftsergebnis der deutschen Damen, die alle unter den ersten 20 landeten, komplettierten vor 6000 Zuschauern in der Südtirol-Arena Simone Denkinger (Gosheim) als Fünfte, Magdalena Neuner (Wallgau) auf dem achten Platz und Sabrina Buchholz (Oberhof) auf Rang neun.

          „Hut ab vor den Mädchen. So ein überragendes Mannschaftsergebnis ist angesichts der Gerüchte und Unruhe der vergangenen Tage mehr als gut. Das ging alles nicht spurlos an ihnen vorüber. Heute haben sie gezeigt, dass sie echte Athletinnen sind“, lobte Bundestrainer Uwe Müssiggang.

          „Die Ungewissheit drückt mächtig auf die Stimmung“

          Noch vor dem Rennen hatte sich Moderator Michael Antwerpes offiziell im Namen der ARD für die journalistische Fehlleistung mit nicht durch klare Fakten unterlegten Pauschalverdächtigungen entschuldigt (Siehe auch: Blutdoping-Vorwürfe: ARD entschuldigt sich für eigene Berichterstattung). Trotzdem hatten sich in Antholz die Gerüchte um Dopingverstrickungen von Skijägern verschiedener Nationen wie ein Nebelschleier auf die Stimmung des gesamten Weltcup-Trosses gelegt.

          „Wenn an den Vermutungen etwas dran ist, sollten endlich Namen auf den Tisch gelegt werden. Die Ungewissheit drückt mächtig auf die Stimmung und belastet natürlich auch die Aktiven“, sagte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich. Er wiederholte seine Überzeugung, dass aus der deutschen Mannschaft niemand betroffen ist.

          Vorwürfe lösen Ansturm der Fernseh-Teams aus

          Diese Ansicht teilt auch der Ruhpoldinger Wolfgang Pichler als Auswahltrainer der Schweden. „So dumm können die Deutschen doch gar nicht sein“, sagte er. „Allerdings denke ich aber auch, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Ich nenne keine Namen, doch ich habe in diesem Winter schon einige Sportler anderer Nationen so die Berge hochstürmen sehen, dass ich mir verwundert die Augen gerieben habe. Und ich bin schon einige Jahre im Geschäft“, sagte der bayerische Zöllner - und forderte wie praktisch alle Aktiven und Betreuer des Weltcup-Trosses „Ross und Reiter“ zu nennen: „Die Ungewissheit schadet dem gesamten Biathlon-Sport.“

          Die „Wiener-Blut-Affäre“ hat im Weltcup-Gründungsort zu einem Ansturm von Fernseh-Teams vor allem aus Skandinavien gesorgt. Auch bei der Internationalen Biathlon-Union (IBU) gab es besorgte Anrufe von Sponsoren, die sich bei einem Doping-Netzwerk zurückziehen würden. „Uns liegen derzeit aber keine belastbaren Fakten vor“, erklärte Peer Lange, der IBU-Kommunikationsdirektor.

          Schwedischer Mediziner gießt neues Öl ins Feuer

          IBU-Generalsekretär Michael Geistlinger dementierte eine Pressemeldung der vergangenen Woche, die Biathlon-Union wolle die Hämoglobin-Grenzwerte bei den Blutkontrollen abschaffen. „Wir planen im Gegenteil differenziertere Grenzwerte, angepasst dem individuellen Wert jedes Athleten. So können wir auffällige Veränderungen besser feststellen und sanktionieren“, betonte der Salzburger Professor.

          Unterdessen hat der schwedische Mediziner Bengt Saltin, der frühere Vorsitzende des medizinischen Komitees des Welt-Skiverbandes FIS, gegenüber dem schwedischen Fernsehen neues Öl ins Feuer gegossen. Er wisse von aktiven Biathleten, die in Blutmanipulationen in drei österreichischen Labors verstrickt seinen. Namen nannte er nicht. „Ich gehe aber davon aus, dass sie demnächst bekannt werden“, sagte Saltin, der seit Jahren mit dem DSV im Clinch liegt.

          Weitere Themen

          „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          0:1 in Freibuirg : „Joker“ Petersen stoppt die Borussia

          Der Freiburger Rekordtorschütze richtet es als Einwechselspieler: Nils Petersen trifft gegen Mönchengladbach nach weniger als 60 Sekunden. Die Borussia verliert Alassane Plea und Max Eberl begeht eine traurige Premiere.

          Topmeldungen

          Michael Zahn hat sich mit Äußerungen zur Wohnungspolitik in Berlin nicht überall beliebt gemacht.

          Deutsche-Wohnen-Chef Zahn : Der unbeliebte Vermieter

          Nach 14 Jahren hat die deutsche Hauptstadt wieder einen Dax-Konzern. Michael Zahn ist der Mann, der ihn führt. Doch viele Berliner sind auf den Immobilienmanager nicht gut zu sprechen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.